Berlin : So funktionieren Kontaktlinsen

Björn Rosen

Wer eine Kontaktlinse trägt, sieht mit zwei Linsen: der künstlichen vom Optiker und der natürlichen des Auges.

Die Linse im Auge hat die Aufgabe, einfallendes Licht zu „brechen“: Die Strahlen werden dabei so umgeleitet, dass sie schließlich alle an einem Ort zusammentreffen – im Punkt des schärfsten Sehens, auf der Netzhaut am hinteren Ende des Augapfels. Von dort gehen die Informationen über Helligkeit, Farben und Formen ans Gehirn, das sie auswertet und ein Bild daraus macht.

Ein weit- oder kurzsichtiges Auge schafft es aber nicht, die Lichtstrahlen in einem Punkt auf der Netzhaut zu vereinen und produziert deshalb unscharfe Bilder. Die Ursachen dafür liegen in der Brechkraft der Linse oder in der Länge des Augapfels oder in einem Zusammenspiel von beidem.

Ein weitsichtiges Auge zum Beispiel kann bei Betrachtung eines nahen Gegenstands das Licht nicht stark genug brechen. Der Augapfel ist meist zu kurz: Selbst wenn die Linse auf maximale Brechkraft eingestellt ist, werden die Lichtstrahlen nicht ausreichend gebündelt, um auf seinem hinteren Ende zusammenzutreffen. Der Brennpunkt der Strahlen liegt dann hinter der Netzhaut. Kurzsichtige, die Gegenstände in der Ferne unscharf sehen, haben das umgekehrte Problem. Ihr Augapfel ist oft zu lang und die Brechkraft der Linse zu stark. Die Lichtstrahlen treffen deshalb schon vor der Netzhaut in einem Brennpunkt zusammen.

Eine Kontaktlinse kann die Wirkung der natürlichen Linse korrigieren. „Wenn man sie aufsetzt, schwimmt die Kontaktlinse auf einem Tränenfilm direkt auf der Hornhaut. Das Licht wird also zuerst durch sie und erst dann durch die natürliche Linse gebrochen“, sagt Sabine Strübing von der Berliner Firma Bausch & Lomb, die Kontaktlinsen vertreibt. Weitsichtige brauchen eine Kontaktlinse, die das Licht stärker bricht. Solche „Sammellinsen“ sind in der Mitte dicker als am Rand, also konvex, und bündeln die Strahlen. Folge: Der Brennpunkt des Lichts liegt nun auf der Netzhaut. Kurzsichtigen hilft dagegen eine Kontaktlinse, die am Rand etwas dicker ist als in der Mitte – eine „Zerstreuungslinse“, die das Licht eben nicht bündelt und die die starke Brechung der natürlichen Linse auf diese Weise ausgleicht.

Ideen für eine Kontaktlinse hatte schon Leonardo Da Vinci im 16. Jahrhundert. Erst 400 Jahre später wurden aber tatsächlich brauchbare Linsen hergestellt. Sie waren groß, dick und aus Glas. „Moderne Kontaktlinsen haben nur noch einen Durchmesser zwischen neun und 14 Millimeter und bestehen aus Kunststoff“, sagt Expertin Sabine Strübing.

Es gibt harte und weiche Kontaktlinsen, die sich in ihrer Kunststoffmischung unterscheiden. Weiche Linsen binden Wasser und sind deshalb komfortabler. Wie ein Schwamm saugen sie aber auch Schmutz auf, etwa Salze und Fette. Alle paar Tage oder Wochen muss man getragene weiche Linsen deshalb wegwerfen und neue kaufen.

Wichtig ist auch die Sauerstoffdurchlässigkeit der Kontaktlinsen, damit die Hornhaut „atmen“ kann.

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