Berlin : „Sohn eines Hochverräters“

Hans Ulrich Abshagen hat ein Buch über seinen Vater Wolfgang und den 20. Juli 1944 geschrieben

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Sein literarisches Vorbild ist Benjamin Lebert. Der frische Stil des Erfolgsromans „Crazy“ hat Hans Ulrich Abshagen inspiriert, seine eigenen Erlebnisse als junger Mann aufzuschreiben. Dabei trennen, von außen betrachtet, den renommierten Unternehmer Welten vom jugendlichen Star der deutschen Literaturszene: Hans Ulrich Abshagen ist ein grauhaariger Gentleman, 77 Jahre alt, Unternehmer, bis heute aktiver vielfacher Aufsichtsratschef und Autor von Büchern zur Unternehmensführung mit einem repräsentativem Büro in der Friedrichstraße.

Das Ergebnis von Abshagens Inspiration durch „Crazy“ ist „Generation Ahnungslos“, ein lebendig geschriebenes Büchlein, das einen persönlichen Einblick in die Gedankenwelt des Autors als 17jähriger Soldat gewährt. Und das nebenbei packende Einblicke in ein bislang wenig erforschtes Detail des Hitler-Attentats am 20. Juli 1944 gibt. Denn Hans Ulrich Abshagens Vater Wolfgang war damals Offizier im Oberkommando der Wehrmacht – und derjenige, der den Attentätern um Claus Schenk Graf Stauffenberg den Sprengstoff verschaffte.

„Mein Vater ist mein größtes Vorbild, bis heute“, sagt Hans Ulrich Abshagen beim Gespräch in seinem Büro, von dem aus man über die Dächer von Mitte blickt. Dabei war es im Sommer 1944 für ihn „unvorstellbar, der Sohn eines Hochverräters zu sein“. Als Jugendlicher hatte er mit seinem Vater kaum über den Nationalsozialismus gesprochen; außerdem bewegte ihn damals seine Jugendliebe mehr als die Politik, wie er in seinem Buch schreibt. Darin erzählt er auch, wie ihn an der Ostfront die Nachricht erreichte, dass sein Vater nach dem Attentat festgenommen wurde. Bei einem Kurzbesuch in Berlin kann er ihn im Gefängnis besuchen. Über das Attentat sprach er mit ihm jedoch nie.

Dem Todesurteil entging Wolfgang Abshagen 1944 durch den Selbstmord seines Vorgesetzten; seine Tatbeteiligung konnte nicht bewiesen werden. Auch mag der Besuch des Sohnes dazu beigetragen haben, dass die Nazis den Schein des Rechts wahren wollten, vermutet Hans Ulrich Abshagen. Nach dem Krieg geriet Wolfgang Abshagen in die Hände der Russen und wurde als ehemaliger Mitarbeiter der Abteilung Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht zum Tode verurteilt und hingerichtet. 55 Jahre später rehabilitierte ihn Moskau posthum.lvt


Dieses Buch bestellen Hans Ulrich Abshagen: Generation Ahnungslos. Momentaufnahme eines 17-Jährigen ’44. Zeitgut 2003, 104 S., 9,80 Euro. Im Herbst liest Abshagen in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand aus seinem Buch.

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