Solidarität : Demo gegen Attacken auf Schwule und Lesben

Rund 1600 Berliner versammelten sich gestern spontan in Kreuzberg und protestierten gegen Angriffe auf homosexuelle Frauen und Männer im Kiez. Erst vergangenen Sonntag waren drei Frauen beleidigt und getreten worden.

Tanja Buntrock
Demonstration
Bunter Aufzug. Die Demo zog Montag am Kottbusser Tor vorbei. -Foto: Carla Lagata

BerlinZur Demonstration wurde spontan aufgerufen - doch binnen kürzester Zeit versammelten sich am Montagabend in Kreuzberg 1600 Menschen. Sie marschierten vom Mariannenplatz durch den Kiez bis zum Heinrichplatz, um gegen die vermehrten Attacken auf Schwule und Lesben zu protestieren.

"Ich hätte nicht geglaubt, dass sich so viele Leute solidarisieren", sagt die Demo-Veranstalterin Pia Thilmann. Sie ist auch die Organisatorin des "Drag-Festivals", das vorige Woche im Club SO36 in der Oranienstraße stattfand. Vergangenen Sonntag waren drei Frauen, die von dort kamen, am Heinrichplatz von mehreren türkischen Männern beleidigt und getreten worden. Alle drei Opfer erlitten Prellungen und Platzwunden, eines hatte sogar kurzzeitig das Bewusstsein verloren.

Zeugen wollen gesehen haben, dass an den Autos der Täter Aufkleber der "Grauen Wölfe" - einer Vereinigung türkischer Rechtsextremisten - angebracht waren. Thilmann betont jedoch: "Die Übergriffe sind kein spezifisches Migrantenproblem." Es seien auch häufig "bierselige Deutsche", die mit Schwulen, Lesben und Drag-Kings und -Queens - also Frauen, die wie Männer aussehen und umgekehrt - Probleme hätten. So seien während des Festivals Künstler einer Drag-Party am Freitagabend am Neuköllner Hermannplatz massiv beschimpft worden. Und am Sonnabend seien Teilnehmer des Festivals bereits tagsüber vor dem SO36 sogar mit Bierflaschen beworfen worden.

Auch die Veranstalterin des Clubs SO36, Lilo Unger, berichtet, dass "man immer wieder von Übergriffen auf schwule Männer" im Kiez höre, besonders nach den "Gayhane"-Partys, die vor allem von türkischstämmigen Schwulen und Lesben besucht werden. Wie Thilmann berichtet, sammelten sich Angreifer gezielt in Seitenstraßen, um die Gäste nach der Party abzupassen. Bislang war der Polizei von derartigen Vorfällen nichts bekannt. "Es ist wichtig, dass die Opfer Anzeige erstatten", sagt Georg von Strünck vom Landeskriminalamt. Eine verlässliche Zahl, wie häufig Homosexuelle Opfer werden, habe die Polizei nicht. Die Kriminalstatistik weise die Merkmale schwul oder lesbisch nicht auf. "Das wäre diskriminierend", sagt von Strünck. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg verurteilte die Angriffe "aufs Schärfste", wie dessen Sprecher Safter Cinar sagte. Allerdings appellierte auch er an alle, die Vorfälle nicht zu einem Migrantenproblem zu machen und damit Rassismus zu schüren.

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