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Spekulationen mit Immobilien : Londoner Finanzinvestor übernimmt Taekker-Wohnungen

Wohnhausmulti verkauft rund 700 Wohnungen. Berlin entgeht Grunderwerbsteuer in Millionenhöhe. Bewohner müssen mit steigenden Mieten rechnen.

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Dealers Liebling - Wohnungen in Berlin werden gekauft und verkauft und jeder Eigentümer erhöht die Mieten um den Wert der Immobilien zu erhöhen.
Dealers Liebling - Wohnungen in Berlin werden gekauft und verkauft und jeder Eigentümer erhöht die Mieten um den Wert der...Foto: Kalaene/dpa-Zentralbild

Berlin, Berlin – wir verlassen wieder Berlin: Die dänische Taekker Gruppe hat den größten Teil ihrer Wohnhäuser und Gewerbeflächen in Kreuzberg und anderen innerstädtischen Quartieren an einen Finanzinvestor mit Sitz in London und dem Steuerparadies Luxemburg verkauft. Das Geschäft geht freilich am Fiskus vorbei – durch einen „Share Deal“ verkauft der Unternehmer offiziell die Mehrheit an seiner Firma, so dass der Käufer nicht einmal Grunderwerbsteuer zahlen muss.

Die Geschäftsführerin der Taekker-Gruppe in Berlin, Lene Mortensen, bestätigte das Geschäft. Käufer ist die britische Firma Round Hill Capital, was ein Sprecher auf Anfrage bestätigte. Es gehe um „770 Einheiten in innerstädtischen Lagen“. Die britische Firma besitzt nach eigenen Angaben 56 000 Wohnungen, sei "einer der größten privaten Eigentümer in verschiedenen europäischen Ländern". In Deutschland verwalte die Firma "mehr als 2500 Einheiten pro Jahr für Kunden".

Round Hill Capital war schon mal in Berlin und verdiente kräftig an Immobiliendeals

Für die Briten bedeutet der Kauf ein neuer Großeinkauf auf dem Berliner Markt, auf dem sie erst vor drei Jahren durch einen großen Verkauf auffällig wurde. Auch damals dealten die Briten mit einem ähnlich großen Bestand von Wohnungen, knapp 800 an der Zahl, die sie für 86 Millionen Euro verkauften. Die Wohnungen lagen in den Stadtteilen Wedding, Tiergarten, Kreuzberg und Charlottenburg. Der Gründer von Round Hill Capital, Michael Bickford, ließ sich damals damit zitieren, dass sich die Firma darin verstehe, „attraktive Immobilien zu kaufen, diese aufzuwerten und sie anschließend gewinnbringend zu veräußern“.

Genau das dürfte nun die Strategie der Firma im Umgang mit den Taekker-Wohnungen sein. Unter „Aufwertung“ versteht die Branche eine Erhöhung der Mieten in den gekauften Wohnungen, wobei zunächst der rechtliche Spielraum für reguläre Erhöhungen genutzt wird. Außerdem werden die Kosten für mehr oder weniger sinnvolle „Modernisierungsmaßnahmen“ auf die Mieter umgelegt.

Das Alternativ-Gewerbe in der "Lause" ist nicht betroffen

Nicht von dem Deal betroffen ist das alternative Projekt „Lause“ in Kreuzberg, das ebenfalls der Taekker-Gruppe gehört. Zu den Mietern dieses historischen Gewerbe-Ensemble in der Lausitzer Straße 10 zählen das Antifaschistische Archiv sowie Kunst- und Kulturschaffende. Eine Lause-Sprecherin sagte, „wir sind weiterhin im Gespräch“ mit der Taekker-Gruppe. Dort bestätigte Berlin-Chefin Mortensen ebenfalls, dass das Gebäude nicht verkauft wurde.

Bezirksbürgermeister will mit Taekker über Kommunalisierung sprechen

Share Deals sind nicht nur steuerlich begünstigt, sie verhindern auch, dass der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg das sonst übliche Vorkaufsrecht geltend machen kann. Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) sagte, er werde „zeitnah“ mit Joern Taekker klären, „ob einzelne oder das ganze verbleibende Taekker-Portfolio kommunalisiert werden kann“. Die „politische Regulierung des Share Deal Prinzips“ komme für dieses Geschäft zu spät.

Finanzsenator Kollatz-Ahnen will Steuertricks der Spekulanten eindämmen

Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sagte auf Anfrage, dass er an einer Bundesratsinitiative arbeite zur Einschränkung von Share Deals. Er gehe davon aus, dass das Thema auch in den Bundestagswahlen eine Rolle spielen werde. Von Interesse sei es, „ob die Union ihre Zurückhaltung aufgibt, die bisher das Handeln der Bundesregierung bei diesem Thema dominiert hat.“ Anders ausgedrückt: Während die Städte darunter leiden, dass durch Immobilienspekulationen die Mieten stark steigen, spielt die CDU-geführte Bundesregierung auf Zeit beim Stopfen dieser Rechtslücke.

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