Berlin : Sportklub Helga bringt Kultur nach Neukölln

Eine Ladenwohnung wird zum Künstleratelier – und ein Sozialarbeiter macht seine Freunde froh

Rebecca Menzel

Viele Cafés im Neuköllner Norden heißen Sportklub, auch wenn man dort nur Tee trinkende alte Männer sieht, und auch im Sportklub Helga gibt es wenig, was auf sportliche Leistungen hindeutet. Mit Sport hat das auch nichts zu tun. Helga-Gründer Dirk Bartels sagt, er wollte seinen Klub eben namentlich integrieren, ohne seinen kulturellen Hintergrund zu verleugnen. Deshalb Helga, „der deutscheste aller Vornamen“, wie er sagt.

Der Sportklub Helga in der Bürknerstraße 5 ist eine Ladenwohnung, in der monatlich unterschiedliche Kulturprogramme angeboten werden, mal eine Bilderschau, mal ein kleines Theaterstück. Der große Verkaufsraum ist rosafarben angemalt, mit Sperrholz wurde ein Tresen gezimmert, es steht ein Kühlschrank da, aus dem sich jeder selbst bedient, bezahlen ist Ehrensache. Im Allgemeinen klappt das auch ganz gut.

Bartels, 32 Jahre alt und Sozialarbeiter, hat zwei Jahre lang in der Ladenwohnung gelebt, schon da hat er ein Mal im Monat die Idee mit dem öffentlichen Wohnzimmer umgesetzt. „Ich habe viele Künstlerfreunde“, sagt er. Denen bot er Raum und auch die anderen Freunde lud er ein, die wiederum ihre Freunde mitbrachten. Neugierige und Nachbarn schauten vorbei, eine Mailingliste wurde eingerichtet und es kamen immer mehr Leute zu Konzerten, Lesungen oder Quiz-Shows, bei denen es Gutscheine für Hundesalons zu gewinnen gab. Der Sportklub Helga ist nicht der erste Klub in der Krisengegend am Landwehrkanal, der zeigt, dass es dort nicht nur Arbeitslosigkeit und Integrationsprobleme gibt. Vor ihm kam schon der Kinskiclub in der Friedelstraße groß raus, eine Ladenwohnung, die ein Verein aus jungen Leuten mittwochs, freitags und sonnabends als Lounge betreibt (mehr Infos unter www.kinskiclub.de).

Auch Dirk Bartels will nun ein Verein werden – und ab April jeden Donnerstag öffnen. Die 80-Quadratmeter-Wohnung soll zu einem Atelier für Künstler aus aller Welt werden, die sich einmieten und nach etwa vier Wochen ihre Arbeiten vorstellen können. Die Preise sollen niedrig sein, „mal sehen, ob wir eine Förderung bekommen“, sagt Bartels. Er hat seine Idee dem Künstler-Treff im Bezirk vorgetragen, der viele Kontakte ins Ausland hat. Das Netzwerk macht sich für Kiez-Kultur stark. Dazu gehört das Programm „Frühlingserwachen im Reuterquartier“, an dem sich am heutigen und am kommenden Donnerstag auch der Sportklub Helga mit Installationen von Tschirchletto und Fotos von Caroline Eisbrich beteiligt. Wer sich mal umgucken will, soll sich von der spartanischen Ausstattung der Wohnung nicht abschrecken lassen. Bartels ist gerade ausgezogen, es würden neue Möbel aufgestellt, bevor die Künstler kommen, sagt er.

Frühlingserwachen im Reuterquartier geht bis zum 20. März. Heute ab 20 Uhr und am 17. März Veranstaltungen im Sportklub Helga, Bürknerstraße 5. Das Programm im Internet unter www.galerie-temporaire.de oder www.behrenspeicher.de

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