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Spreepark : Leben in einem gescheiterten Traum

06.01.2013 10:11 Uhrvon
Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen.Bilder
Einsatz in der Nacht: Am 11. August 2014 standen im Spreepark die Kulissen des Dorfes „Alt-England“ in Flammen. - Foto: Snapshot-Photography/Seeliger

Seit 2001 liegt der insolvente Spreepark Plänterwald im Dornröschenschlaf. Karussells und anderen Attraktionen verrotten. Hohe Schulden und das komplizierte Erbbaurecht verhinderten bislang alle Initiativen. Doch nun will ein Großinvestor den Durchbruch schaffen.

Die grüne Fahrrinne der Wildwasserbahn ist von Rost zerfressen. Im schmuddeligen Wasser des Sees darunter dümpelt eine Bierflasche. „Als wir das Wasser eingelassen hatten, war das unser Pool“, sagt Sabrina Witte. Das ist 16 Jahre her. Witte, 28, ist die Tochter des einstigen Betreiberpaares und wuchs im Vergnügungspark Spreepark im Plänterwald in Treptow auf. Nach der Pleite 2001 ist das Lachen der Besucher gespenstischer Stille gewichen, die Anlage zerfällt. Am 3. Juli wird nun das Erbbaurecht am fast 30 Hektar großen, landeseigenen Areal zwangsversteigert.

Es heißt, die belgische Plopsa-Gruppe plant einen Kinder-Vergnügungspark. Das bedeutet Hoffnung für den Park und Veränderung für die Menschen, deren Leben mit dem Gelände verknüpft sind.

Pia Witte ist die Exfrau des Ex-Betreibers Norbert Witte.Bild vergrößern
Pia Witte ist die Exfrau des Ex-Betreibers Norbert Witte. - Foto: Mike Wolff

„Dann ist dieses Kapitel meines Lebens endlich abgeschlossen“, sagt Pia Witte, 55. Sie ist die Exfrau von Norbert Witte, mit dem sie den Park nach der Wende übernommen hatte. Der Untergang bedeutete ihre Privatinsolvenz. Für den vorbestraften Exmann unterschrieb sie Entscheidungen und Verträge und musste finanziell den Kopf hinhalten. Seit Abschluss des Insolvenzverfahrens 2008 ist sie wieder Erbbaurechtberechtigte. Im Park ist sie inzwischen wieder oft. „Wir haben da richtig viel Arbeit reingesteckt, auch mein Exmann“, sagt sie.

Über den verliert Gerd Emge kein gutes Wort. Emge, 63, bewacht das Gelände seit sechs Jahren mit seiner Securityfirma unentgeltlich. Dafür darf er es vermarkten. Es gab Technopartys und Theatervorstellungen. Am Wochenende führt Spreeparkfan Christopher Flade Schaulustige über das Gelände, manchmal springt Sabrina Witte ein. Sonst betreibt sie das Café Mythos am Eingang. Wenn Emge erzählt, klingt es, als wolle er den Park am liebsten selbst betreiben. Für einen neuen Investor möchte er weiterarbeiten, für die Sicherheit verantwortlich sein, Veranstaltungen organisieren.

So habe er zum belgischen Unternehmen Plopsa guten Kontakt aufgebaut, sagt er. Plopsa gilt als ernster Interessent. Vertreter waren bereits im Bezirksamt Treptow-Köpenick, wie man dort bestätigt. Plopsa betreibt Vergnügungsparks für Kinder und hält die Rechte für Figuren wie Biene Maja, Wicki und Tabaluga. Das Unternehmen hat 2010 schon den „Holiday Park“ in Haßloch gekauft.

Der Gewinner der Versteigerung müsste nicht einmal die Schulden übernehmen, so will es das Gesetz. Ausgezahlt wird nur der Gläubiger, der die Zwangsversteigerung angestrengt hat. Das tat das Finanzamt Treptow-Köpenick wegen nicht gezahlter Grundsteuer. Dem Bankenkonsortium um die Deutsche Bank würden 15 Millionen Euro entgehen, dem Land Berlin 4,5 Millionen. Den Verkehrswert hat das Gericht auf 1,62 Millionen Euro festgelegt.

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