Staatsoper Berlin-Mitte : Kosten steigen und steigen - auf 400 Millionen Euro

Die Sanierungskosten für die Staatsoper werden immer höher. Einst war von 235 Millionen Euro die Rede. Und weitere Finanzrisiken sind absehbar - und noch nicht einmal eingerechnet. Das geht auch aus dem Kleingedruckten hervor.

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Berlin-Mitte, Unter den Linden. Hier befindet sich eine der Berliner Problembaustellen.
Berlin-Mitte, Unter den Linden. Hier befindet sich eine der Berliner Problembaustellen.Foto: dpa

Die Sanierung der Staatsoper wird noch einmal teurer. Jetzt geht die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von 400 Millionen Euro aus. Das sind 10,5 Millionen Euro mehr als bisher geplant und die Behörde räumt schriftlich ein, dass „besondere Risiken“ auch in der neuen Kostenprognose nicht berücksichtigt seien. Wegen der Kostenexplosion bei der Staatsoper, deren bauliche Substanz nach über 250 Jahren Spielbetrieb dringend sanierungsbedürftig war, hat das Abgeordnetenhaus auf Drängen der Opposition einen Untersuchungsausschuss eingerichtet. Das Gremium hat sich am 8. Mai zum ersten Mal getroffen.

Als im Herbst 2010 mit den Bauarbeiten Unter den Linden begonnen wurde, war noch von 235 Millionen Euro Gesamtkosten die Rede, von denen der Bund 200 Millionen Euro übernahm. Seitdem präsentierte die Senatsbaudirektorin Regula Lüscher in regelmäßigen Abständen immer neue Kostenschätzungen und die Staatsoper wird frühestens im Herbst 2017, mit vier Jahren Verspätung, wieder eröffnet. Nun wird also mit 400 Millionen Euro gerechnet, auf der Basis „genauer Abrechnungsprognosen der Bauleitungen“, wie es in einer Vorlage der Stadtentwicklungsbehörde an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses heißt, die dem Tagesspiegel vorliegt.

Der finanzielle Puffer war zu niedrig

Die Kosten steigen erneut, weil der Posten für „Unvorhergesehenes“ kräftig aufgestockt wurde. Die verwaltungsinterne Prüfabteilung hatte kritisiert, dass dieser finanzielle Puffer zu niedrig angesetzt war. Allein die „Nichtberücksichtigung strittiger Sondernutzungsgebühren“ und eine „höhere Einschätzung des bauzeitbedingten Kostenrisikos“ führen zu Mehrausgaben von 9,5 Millionen Euro.

Es geht voran - Die Sanierung der Staatsoper in Berlin
Ab demnächst gibt es für Leute mit Staatsoperentzug Baustellenbegehungen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 63Foto: Mike Wolff
04.04.2014 17:37Ab demnächst gibt es für Leute mit Staatsoperentzug Baustellenbegehungen.

Dabei muss es aber nicht bleiben, denn im Kleingedruckten des Senatspapiers steht: „Besondere Risiken, wie zum Beispiel höhere Gewalt, Insolvenzen, Vergaberügen oder Leistungseinstellungen bei Schlüsselgewerken sind nicht kalkulierbar und daher nicht berücksichtigt“. Außerdem signalisiert eine neue Risikoanalyse, die den Haushältern des Parlaments ebenfalls vorgelegt wurde, dass die Opernsanierung den 400-Millionen-Rahmen noch sprengen könnte. Das gilt vor allem für: Restauratorische Arbeiten an Wänden und Decken, die am Ende der Sanierungsarbeiten anstehen.

Wie teuer wird der Brandschutz?

Weitere „Brandschutzertüchtigungen“, Riss- und Betonsanierungen, aber auch zusätzliche Honorare für Architekten, Ingenieure und Projektsteuerer könnten die Kosten in die Höhe treiben. Gleiches gilt für die Probleme beim unterirdischen Teil des Bauwerks, das auf sumpfigem Boden steht. Jeweils rechnet die Stadtentwicklungsverwaltung mit einer „hohen Eintrittswahrscheinlichkeit“ der Risiken, die kostenmäßig „weitgehend berücksichtigt“ seien. Aber nicht vollständig. Darüber hinaus sieht die Senatsbehörde ein erhöhtes „bauzeitbedingtes Kostenrisiko“ bei den noch bevorstehenden Bauarbeiten. Somit wird nicht ausgeschlossen, dass sich die Sanierung der Oper weiter verzögern könnte. Noch ist geplant, das Probenzentrum und die Intendanz im Frühjahr 2016 fertigzustellen.

Das Opernhaus selbst soll im Sommer 2017 fertig sein und im Herbst nach einer Erprobungsphase eröffnet werden. Auf dieser Grundlage plant die Staatsoper, die seit fünf Jahren im Schiller Theater provisorisch untergebracht ist, bereits die künftigen Spielzeiten. Bis Ende 2014 wurden in der Staatsoper schon 195 Millionen Euro verbaut. Weil der Bund nur 200 Millionen Euro der Sanierungskosten trägt, gehen weitere 200 Millionen Euro auf das Konto des Landes Berlin, die bisher nicht eingeplant waren. Das ist ein so dicker Brocken, das andere Investitionsprojekte wohl auf die lange Bank geschoben werden müssen. Die Stadtentwicklungsbehörde nennt das „Prioritätensetzung“. Am nächsten Mittwoch wird sich der Hauptausschuss mit der neuen Kostenprognose befassen. Senatsbaudirektorin Lüscher hofft auf „zustimmende Kenntnisnahme“.

Lesen Sie mehr im Tagesspiegel: Ab jetzt klärt ein Untersuchungsausschuss, warum die Sanierung der Staatsoper teurer und teurer wird. Dazu werden Zeugen aus der Kultur- und Stadtentwicklungsverwaltung befragt. Klaus Wowereit und Michael Müller sollen aussagen.

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