Berlin : Stadt-Indianer: "Die letzte Rothaut in Berlin"

Rainer W. During

Er ist nicht der letzte der Mohikaner, sondern die letzte Rothaut in Berlin, sagt Robert Alan Packard. Er muss es wissen, denn fern der Heimat halten die Urenkel Sitting Bulls Kontakt. Der einzige Landsmann in Potsdam packt gerade seine Sachen zur Heimreise in die USA. So ist der Mann vom Stamme der Yankton-Sioux vermutlich der einzige Hauptstadt-Indianer, doch wohl der bekanntesten in Europa seit Winnetou. Der Wahlspandauer hat nicht nur als Bildhauer einen Namen, sondern auch als Fotomodell und Filmschauspieler. Zur Zeit ist er in der Western-Persiflage "Der Schuh des Manitu" in den Kinos zu sehen.

Die Karriere war nicht vorgegeben, als Bob Packard 1953 in der Yankton Sioux Indian-Reservation das Licht der Welt erblickte. Weil noch minderjährig, kam er 1970 als junger Rekrut der US Army erstmals nach Germany und diente in Augsburg. Nach dem 18. Geburtstag schickte ihn Uncle Sam dann doch noch nach Vietnam auf den Kriegspfad. Dabei schnitzt der Indianer lieber die Köpfe von Friedenspfeifen aus Catlinite-Steinen, die es nur in seiner Heimat gibt.

Nach dem Krieg verschlug es den angehenden Bildhauer nach Colorado. "Wenn Du kein Geld hast, gehst Du dahin, wo die Steine sind", erklärt Packard seinen Umzug in die Rocky Mountains. Dann die Idee, einmal die klassischen Arbeiten der Italiener zu bewundern. Nach Italien kam Bob Packard dann nicht mehr als Bildhauer, sondern als Modell. Ein Job, der ihn inzwischen um die halbe Welt geführt hat. Für jeweils ein Jahr hat der Sioux auch in Israel und in Irland gelebt. Für den "American way of life" kann er sich dagegen nicht nicht begeistern. In Europa sind die Menschen freundlicher und gelassener, hat das Multi-Talent festgestellt. So denkt er nicht an eine Rückkehr in die Vereinigten Staaten.

Seine erster Europa-Flug endete in Brüssel, der angestrebte Weg nach Rom führte die Rothaut nach Paris. "Wenn Du aus der Mitte eines Kornfeldes in Dakota kommst, haut Dich Paris um", erinnert sich der Amerikaner. Zehn Jahre blieb er in der französischen Metropole, schrieb ein Buch über seine Erfahrungen in Vietnam. In der Modestadt wurde der 187 Zentimeter große Mann mit den braunen Augen und den taillenlangen, schwarzen Haaren als der Indianer schlechthin entdeckt, als Fotomodell und Dressman verpflichtet. Sein markantes Profil warb europaweit für alle nur erdenklichen Produkte von Guinness-Bier bis Apple-Computer. Der Playboy schickte ihn für eine Fotoserie nach Marokko und auf den Laufstegen von Stockholm bis Mailand präsentierte er die neueste Männermode. In Musikvideos ist Bob Packard neben Steffi Graf ebenso zu sehen wie neben U 2 oder Heather Nova. Auch ein paar kleine Nebenrollen in Kinofilmen folgten. Zeit für seine Skulpturen blieb da nicht.

1998 verschlug es den Sioux in den "Wilden Westen" Berlins. Hier fand er wieder Muße für die Bildhauerei. Und bekam seine erste größere Filmrolle im Kult-Streifen "Sonnenallee". Hier spielte er - wie könnte es auch anders sein - den Indianer. Für "Der Schuh des Manitu" schlüpfte Packard als "Schoschonen-Berater Nr. 1" sechs Wochen lang im spanischen Almeria in den Lederschurz. Bis zum nächsten Shooting bearbeitet er im Staakener Atelier des Arbeitskreises Spandauer Künstler Alabaster- und Specksteine, die er für seine Skulpturen nicht einfach beschlägt, sondern aushöhlt. Die Werke sind bis in seine amerikanische Heimat begehrt, eine der Skulpturen steht vor dem Staatsmuseum von South Dakota.

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