• Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf: Güterbahnhof Grunewald soll zur Wohnsiedlung werden

Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf : Güterbahnhof Grunewald soll zur Wohnsiedlung werden

Bewohner der Siedlung Eichkamp hatten seine Möbelhäuser verhindert – nun hält Kurt Krieger Wohnungsbau auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald für möglich. Auf Wunsch der Bürger gab es jetzt eine Planungswerkstatt.

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Relikte des Güterbahnhofs. Eines der alten Betriebsgebäude, die zu Wohnhäusern werden könnten.
Relikte des Güterbahnhofs. Eines der alten Betriebsgebäude, die zu Wohnhäusern werden könnten.Foto: promo/Urbanitas Berlin Barcelona

Seine Pläne für zwei Möbelhäuser der Marken Höffner und Sconto auf dem einstigen Güterbahnhof Grunewald hatte der Unternehmer Kurt Krieger, entnervt vom Widerstand im Bezirk, bereits im Frühjahr aufgegeben – unklar blieb aber, was stattdessen entstehen könnte. Nun zeichnet sich für das 14-Hektar-Areal neben der Avus eine Wohnbebauung ab, die durch Freizeitangebote und kulturelle Nutzungen ergänzt werden könnte.

Zu diesem Ergebnis führte soeben eine dreitägige Planungswerkstatt, der eine intensive Bürgerbeteiligung vorangegangen war. Der Vorschlag stammte von der Initiative „Zwischen den Gleisen“, in der Bewohner der nahen Siedlung Eichkamp gegen die Möbelhäuser gekämpft und die Ablehnung durch die BVV erreicht hatten.

Ideengeber. Johannes Wätzmann vom Bildungswerk der Böll-Stiftung, Stadtplaner Florian Schmidt (mit seinem Sohn Gabriel), Golfplatz-Chef Jörn Rohde und Architekt Robert Slinger
Ideengeber. Johannes Wätzmann vom Bildungswerk der Böll-Stiftung, Stadtplaner Florian Schmidt (mit seinem Sohn Gabriel),...Foto: Cay Dobberke

Im September startete das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung ein sogenanntes Charette-Verfahren, das der beteiligte Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) als „gelungenes Experiment konsequenter Bürgerbeteiligung“ lobt.

Laut Projektleiter Florian Schmidt vom Planungsbüro Urbanitas Berlin-Barcelona plädierten die Teilnehmer, darunter ein Vertreter der Firma Krieger, für eine „kleinteilige Bebauung mit Wohn- und Gewerbenutzungen“ und große Freiflächen für Sport, Freizeit und Kultur.

Als Bauherren der Wohnhäuser könnten Genossenschaften und Baugruppen fungieren, auch ein Studentenquartier sei denkbar. So würde man an die „Selbstbautradition“ der Siedlung Eichkamp anknüpfen, die in den 1920er Jahren als Genossenschaftsprojekt entstanden war.

Die Firma Krieger hatte sich erst einen Tag vor dem Workshop für einen Wohnstandort entschieden. Projektleiter Schmidt wertet dies als überraschenden Erfolg des besonderen Abstimmungsprozesses, der für die Böll-Stiftung ein Pilotversuch war. Ende Januar will man eine Dokumentation vorstellen.

Wann und wie es danach weitergeht, steht noch nicht fest. Stadtrat Schulte freut sich darüber, dass auf dem Bahngelände bisher kein bestimmtes Baurecht gelte und man weitgehend freie Hand habe.

Mehrere alte Bahngebäude waren trotz Bürgerprotesten abgerissen worden. Einige aber blieben stehen, sie sind denkmalgeschützt und könnten modernisiert werden. Weichen muss der Golfplatz: Krieger hatte diesem 2011 gekündigt, wogegen Betreiber Jörn Rohde klagte. Per Vergleich habe man sich auf die Räumung zum Jahresende geeinigt, sagt Rohde. Er plant einen Ersatzstandort am Fürstenbrunner Weg in Charlottenburg.

Krieger konzentriert sich derweil auf sein Projekt „Pankower Tor“, wo er nicht nur ein Möbelhaus, sondern ein ganzes Stadtquartier bauen will.

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