Stadtentwicklung : Willkommen im isländischen Sektor

07.11.2012 00:00 Uhrvon

Die Eigentümer des RAW-Geländes in Friedrichshain sind zerstritten. Während die einen gerne Wohnungen auf dem Areal bauen würden, wollen die isländischen Mehrheitseigner die bunte Mischung aus Subkultur und Kleinbetrieben erhalten. Nun könnte das Gelände sogar geteilt werden.

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Subkultur: Die Band "Whitest Boy Alive" im Astra auf dem RAW-Gelände. - Davids

Mehr als 71 000 Quadratmeter in bester Lage, S- und U-Bahn nebenan, Tram sowieso, außerdem Kneipen und Läden: Das RAW-Gelände in Friedrichshain ist eines der lukrativsten noch bebaubaren Grundstücke in der Innenstadt. Die bebaubaren Flächen allein sollen zehn Millionen Euro wert sein. Vielleicht wird deshalb seit fünf Jahren darum gestritten, was mit dem Areal an der Revaler Straße passieren soll. Und der Streit schwelt nicht nur zwischen den Pächtern, die dort allerlei Kulturzentren betreiben, und den Eigentümern des Geländes. Vielmehr liegen nach Tagesspiegel-Informationen die Besitzer des Areals untereinander im Clinch.

Der Zwist ist so groß, dass das Gelände geteilt werden könnte.

Demnach soll das Areal, auf dem die DDR-Reichsbahn bis 1994 ihre Güterwaggons reparierte, geteilt werden. Die Ostseite könnte an die zwei deutschen Eigentümer gehen, die zuletzt rund 25 Prozent am RAW-Gelände hielten und mit den isländischen Mehrheitseignern bislang noch ein Konsortium bilden. Doch während die Deutschen auf dem Areal auch Wohnungen und Geschäfte wollen, haben die Isländer dem Vernehmen nach nichts gegen die bestehende Mischung aus Subkultur und Kleinbetrieben: Von Cafés über Konzerthallen bis zum Sportverein – mehr als 30 Mieter sind auf dem Gelände untergebracht. Tausende strömen jedes Wochenende ins „Cassiopeia“, „Mikz“, „Suicide Circus“ oder ins „Astra“. Weder die Minderheitseigner noch der Anwalt der Isländer waren am Dienstag für eine Stellungnahme zu erreichen.

Neubauten würden – angesichts massiver Wohnraumnachfrage in Berlin – den Wert des Grundstückes steigern. Die Chancen für Wohnungsbau dürften deutlich besser sein als die für ein Einkaufszentrum. Das Bezirksamt will kein „großflächiges Gewerbe“, Anträge für den Bau von Discountern wurden bereits abgelehnt. „Wir wollen eine Stadtentwicklung von unten“, sagte der Bürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz (Grüne), am Dienstag. Die beiden Berliner Eigentümer verwiesen im März dieses Jahres darauf, dass der Bezirk bis 2007 nichts gegen die Ansiedlung von Gewerbe auf dem Gelände hatte. Und die Unterscheidung zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Gewerbe sei nicht nur moralisch problematisch, sondern auch juristisch. Der Bezirk könne nicht die Geschäfte der Konzerthallen und Cafés unterstützen, sich aber sonst gegen Kommerzielles aussprechen.

Diejenigen RAW-Nutzer, die auf der Westseite residieren, freuen sich, dass sie im „isländischen Sektor“ gelandet sind. Immerhin dürfe man bleiben, sagte Torsten Brandt vom Astra. Die Stadt habe aber die Chance vertan, ein einzigartiges, vielseitiges Areal als Ganzes zu erhalten. Beispielsweise das Mikz, dessen Betreiber sich an diesem Mittwoch mit den deutschen Vertretern des noch bestehenden Konsortiums vor Gericht trifft: Sie wollen das Konzerthaus vom Gelände haben, dessen Mietvertrag bis 2019 läuft. „Der Druck wird erhöht“, sagte der Mikz-Betreiber. Er habe von sich aus den Tüv um ein kostenpflichtiges Gutachten gebeten, es soll belegen, dass sein Laden allen Anforderungen entspricht.

In den vergangenen Monaten war die Stimmung so schlecht, dass sich RAW-Pächter und Eigentümer gegenseitig mit der Polizei drohten, es hagelte Klagen und Gegenklagen. Gegen einen der beiden deutschen Eigentümer ermitteln außerdem Umweltspezialisten der Polizei, weil er unerlaubt Teermüll entsorgt haben könnte.

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