Stadtentwicklung : Yorckstraße: Baumarkt, Brache oder Wohngebiet?

Die Anwohner streiten über die Zukunft des sogenannten Yorckdreiecks – genauso wie die Kreuzberger Politiker.

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Sandlandschaft. Auf der Brache am U- und S-Bahnhof Yorckstraße gab es früher eine Tankstelle und Kfz-Betriebe. Über den geplanten Baumarkt wird noch gestritten. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Sandlandschaft. Auf der Brache am U- und S-Bahnhof Yorckstraße gab es früher eine Tankstelle und Kfz-Betriebe. Über den geplanten...

Ob an der Kreuzberger Yorckstraße ein Baumarkt entsteht oder der Bebauungsplan im letzten Moment gekippt wird, bleibt auch nach einer Einwohnerversammlung mit etwa 200 Bürgern und Bezirkspolitikern fraglich – denn die Meinungen lagen am Dienstagabend weit auseinander. Die jüngste Forderung der SPD, das sogenannte Yorckdreieck als Wohngebiet auszuweisen, überzeugte anscheinend nur wenige Bürger. Doch auch im Baumarkt sahen verschiedene Redner nur das „geringste Übel“.

Ein Anwohner aus der nahen Bautzener Straße sagte, ihm wäre „die jetzige Brache am liebsten“. Für andere Bürger ist diese dagegen seit Jahren ein Aufreger. Die Vorentscheidung über das Baumarkt- Projekt fällt am 20. Februar im Stadtplanungsausschuss Friedrichshain-Kreuzberg, eine Woche später soll der Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) folgen.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) verteidigte den Baumarkt als vergleichsweise ökologische Lösung. Hellweg wolle nur zwölf Meter hoch bauen, was das Stadtklima kaum beeinträchtige. Zudem argumentierte Schulz erneut mit der Zusage des Investors, einen Sportplatz auf dem Dach anzulegen. Darüber hinaus sei ein acht Hektar großer Teil des Gleisdreieck-Parks die Folge eines Grundstückstauschs. In dem Parkstück sei die Berliner Stadtentwicklungsverwaltung bereits mit fast 700 000 Euro teuren Arbeiten in Vorleistung gegangen und warte nun sehnlichst auf die Ausgleichszahlung der Baumarkt-Firma Hellweg.

Anwohner forderten, die Baumarktfassade um 16 Meter von der Grundstücksgrenze nach Norden zu verschieben und die Fläche davor als Garten zu gestalten. Dabei ging es nicht nur um städtebauliche Aspekte, sondern auch um den Lärm. Denn Bewohner naher Wohnhäuser in der Yorckstraße fürchten zusätzlichen Straßenlärm durch Schall, den der Neubau reflektieren könnte. Aus diesem Grund sprachen sich Redner auch gegen Wohnhäuser aus, weil diese noch höher als der Baumarkt würden.

SPD-Vertreter sagten, fünf- bis sechsgeschossige Wohnbauten könnten genügen. Trotz der Lage an der verkehrsreichen Yorckstraße und zwischen mehreren Bahnlinien sei es „möglich, den Lärm in den Griff zu kriegen“. Grünen-Politiker entgegneten, es gebe noch gar keinen Investor für Wohnungsbau.

Tatsächlich gehört das Yorckdreieck seit Jahren Hellweg. Der Eigentümer der Baumarktkette, Reinhold Semer, zeigte sich kompromissbereit hinsichtlich einer eventuellen Verlagerung der Fassade. Diese Möglichkeit „werden meine Leute ab morgen prüfen“, sagte er. Nach der bisherigen Planung will Hellweg die Filiale mit 120 Mitarbeitern schon ab März bauen und im Herbst eröffnen.

Gestritten wurde auch über ein benachbartes Projekt knapp hinter der Bezirksgrenze zu Tempelhof-Schöneberg, das eigentlich nicht das Thema des Abends sein sollte. Aber Semer besitzt an der Bautzener Straße eine weitere Brache, die er mit 250 Wohnungen bebauen will. Und dagegen kämpft seit Monaten eine Bürgerinitiative, die das Grün retten will. Die Tempelhof-Schöneberger Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) kündigte an, zur „Bautzener Brache“ werde es noch eigene Bürgerversammlungen geben.

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