Auf Kreuzberger Parkett : Große Probleme im kleinen Görlitzer Park

Es gibt Menschen, die sagen, der Görlitzer Park sei eine einzige Zumutung. Voller Müll und Drogen, bevölkert von Süchtigen und Besoffenen. Aber es gibt auch jene, die sagen, dieser Ort sei ein Geschenk.

von
Viel Gras. Der Görlitzer Park ist Treffpunkt.
Viel Gras. Der Görlitzer Park ist Treffpunkt.Foto: Caro / Muhs

Weshalb genau der Zopfträger die Frau jetzt „blöde Hexe“ schimpft, weshalb die auf einen anderen Parkbesucher einbrüllt und flucht, sie verachte Männer, weshalb der Dicke nebenan vom Osthang mit der Faust droht und wem eigentlich, lässt sich später nicht rekonstruieren. Sicher ist, was den Aufruhr auslöste: Eine zweite Frau, grauer Kapuzenpulli, hatte sich ohne Vorwarnung auf den Boden geworfen und eine Krähe gefangen. Die hielt sie dann fest, mit über Kreuz verschränkten Armen gegen ihre Brust gepresst, und versuchte, Richtung Parkausgang an der Wiener Straße zu türmen. Sofort bildete sich eine Menschentraube, die hinter der Frau her lief, auch ein paar Punks sprangen auf, wobei die einen applaudierten, die anderen lautstark die Freilassung des Vogels forderten. Am Ende war die Frau umzingelt, ihr blieb nichts anderes übrig, als die Krähe fliegen zu lassen.

Das Tier war schon den ganzen Nachmittag zwischen den Leuten, sagt einer. Vermutlich sei es von Hand aufgezogen und nun ausgesetzt worden, deshalb halte es nicht genügend Abstand. So werde es in diesem Park nicht lange überleben! Im Hintergrund brüllt die Frau immer noch. Von der Krähenfängerin ist nichts mehr zu sehen. Vom Vogel auch nicht.

Es gibt Menschen, die sagen, dieser Park in Kreuzberg sei eine einzige Zumutung. Mit seinem Müll, dem ungepflegten Rasen, der in den Sommermonaten wie eine Steppe wirken kann, aber eine mit vielen Kippenresten und anderem Unrat, dazu den Dealern, Süchtigen und Besoffenen, und den Jugendbanden, die gezielt Junkies ausrauben, die gerade auf Droge sind und kaum was merken. Dieser Park sei nicht mehr zu retten, glauben viele.

Der Görlitzer Park in Kreuzberg
Der Görlitzer Park: An schönen Tagen ist der Park mitten in Kreuzberg sehr belebt.Alle Bilder anzeigen
1 von 6Foto: dapd
31.05.2012 15:50Der Görlitzer Park: An schönen Tagen ist der Park mitten in Kreuzberg sehr belebt.

200 Meter nordwestlich vom Tumult um die Krähe entfernt steht Elias* auf dem Gehweg und wirkt verloren. Abwechselnd sieht er in alle Richtungen, er hofft, dass jetzt keiner vorbei kommt, der eine Dienstmarke trägt. Vor allem hofft er, dass Bob gleich zurückkommt. Oder jedenfalls der dunkelhäutige Mann mit Baseballkappe, der sich eben als Bob vorgestellt hat. Dem gab er nämlich 20 Euro, bevor der ins Gebüsch verschwand.

Dealen im Görlitzer Park, das sei ziemlich „lässig“, findet Elias. Gar nicht so ruckzuck wie in Fernsehserien, wo einer das Geld nimmt und ein zweiter Sekunden später das Marihuana übergibt. Nein, hier wird bezahlt, dann verschwunden – und gewartet. Elias hat die Hände in den Taschen seiner Shorts versteckt. Als Bob tatsächlich wieder auftaucht und das versprochene Tütchen übergibt, bittet er noch, Elias solle wiederkommen und das nächste Mal gezielt nach ihm fragen. Zur Verabschiedung stoßen sie ihre Fäuste gegeneinander. Das wirkt jetzt aber schon wie im Fernsehen.

58 Kommentare

Neuester Kommentar