Badehaus Szimpla : Kein ungarisches Ghetto

Ungarns neuer Botschafter Jòzsef Czukor würde den neuen Club "Badehaus Szimpla" gern als Hort ungarischer Volksmusik sehen. Doch die Betreiber führen ganz anderes im Schilde.

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Badehaus Szimpla. Neuer Club auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.
Badehaus Szimpla. Neuer Club auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain.Foto: Bálint Meggyesi

Ungarns neuer Botschafter Jòzsef Czukor fremdelte etwas. Ob er überhaupt mit Krawatte willkommen sei? Und Reichsbahnausbesserungswerk, das sei eine „für ungarische Ohren sehr interessante Zusammensetzung“. Aber dann eröffnete Czukor doch frohgemut das "Badehaus Szimpla", dort auf dem RAW-Gelände an der Revaler Straße in Friedrichshain, wo sich zu DDR-Zeiten die Arbeiter nach ihrer Schicht duschten.

Das Szimpla versteht sich als Musiksalon, will Konzerte, Filme und Tanzabende anbieten, an der Bar gibt es unter anderem die Weine des Berliners Horst Hummel, der im ungarischen Dörfchen Villány einen Weinberg gekauft hat. Betreiber Attila Kiss lebt seit vier Jahren in Berlin, bald darauf hat er das Kaffeehaus Budapest am Boxhagener Platz eröffnet.

Szimpla hat ein Vorbild, schon vor zehn Jahren wurde in der ungarischen Hauptstadt ein gleichnamiger Klub eröffnet. Botschafter Czukor meint, es sei „wahrscheinlich kein Zufall“, dass dieser im jüdischen Viertel entstand. Auch in Berlin könne das Szimpla beitragen, das Bild von Ungarn zu korrigieren. Schließlich sei sei Land „bunt, sehr multi, sehr alternativ“, so der Diplomat, den die rechtsgerichtete Regierung nach Berlin entsandt hat. Er erwartet sich von dem neuen Klub „keine Weltmusik, sondern die Welt der ungarischen Volksmusik“.

Da will Attila Kiss dann doch widersprechen. „Das Badehaus soll kein ungarisches Ghetto werden“, sagt er. Auf dem Konzertplan der nächsten Wochen stehen unter anderem Bands aus Serbien, Rumänien, Mazedonien und Tschechien. Und der Geiger András Tiborcz, der 1995 in Berlin die Speedfolk-Band Transsylvanians gegründet hat, prüfte gemeinsam mit der Sängerin Isabel Nagy schon mal, ob hier ein neuer spannender Ort für osteuropäische Kultur am Entstehen ist.

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