Stadtleben : Beckers best-of-Bibel

Der Künstler bringt das Buch der Bücher auf die Bühne. „Spaß und ein bisschen Trickkiste“ soll auch dabei sein, sagt er

G,a Bartels

Zu merken ist schon was. Obwohl Ben Becker mit seinem Bibelprojekt erklärtermaßen weder andere noch sich selbst bekehren will, färbt der ständige Kontakt mit dem Buch der Bücher doch auf ihn ab. Wieso? Im Juli geriet er als friedliebendes Opfer eines Schlägers in einer Strandbar in Mitte unverschuldet in die Gazetten. Ganz anders noch vor einem Jahr: Da stand er als Rowdy drin, der einen Rollerfahrer verhauen haben soll, der ihn beim Fußballspielen störte. So bekommt die Bergpredigt selbst Wüteriche handzahm.

Das wilde Image hat der singende Theater- und Filmschauspieler Ben Becker, 42, lange erfolgreich gepflegt. Guido Westerwelle bot er im Fernsehen Hasch an und bohrte auch gerne mal Löcher in Hotelwände. Von nahem besehen ist Becker jedoch ein kleiner, kompakter Mann mit dickem Totenkopfring am Finger, der überraschend nett die Hand gibt und vorsichtig lächelt. Man traue ihm ja eh alles zu, sagt er, da dürfe er auch die Bibel machen.

Die hat er sich in der Tat passend gemacht und Bibelhits aus dem Alten und Neuen Testament zur saft- und kraftvollen Becker-Bibel zurecht gestutzt. Darunter Adam und Evas Sündenfall, die Sintflut, Kain und Abels Bruderzwist und als Höhepunkt nach der Verzehrpause Jesus feindesliebendes Leben, sein dramatisches Sterben und die Wiederauferstehung mit bombastischem Orchestertutti.

„Ich bin ja nur Gaukler. Ich mach’ ja nur Hui buh“, schätzt Becker seine Fachkompetenz in aller Demut ein. Geistlicher Beistand musste her. Mit dem Hamburger Theologen Markus Reinhard habe er sich nächtelang am Küchentisch über’s Kürzen gekabbelt, erzählt Becker. Natürlich auf Grundlage der Bibel Martin Luthers, den Becker – Zufall oder göttliche Fügung? – im Dezember auch noch in einem ZDF-Dokudrama spielt.

Uraufführung von „Die Bibel – eine gesprochene Symphonie“ ist am 12. Oktober im Berliner Tempodrom. 75 Leute mischen bei der Rezitationsshow mit eigens komponierter sinfonischer Filmmusik mit: das Deutsche Filmorchester Babelsberg, die Zero Tolerance Band, ein Gospelchor, Videoanimateure und natürlich Ben Becker, dessen mächtiger Bass als Soloinstrument über dem Bibelzauber schwebt, wie der Geist Gottes über dem Wasser der Schöpfungsgeschichte. „Spaß und ein bisschen Trickkiste wie bei Siegfried und Roy mit Licht und Feuer soll auch dabei sein“, sagt Becker, der in einem edlen Showpastorendress von Modeschöpferin Fiona Bennett auftritt. Seine Inspiration sei schließlich James Brown als Prediger im Kultfilm „Blues Brothers“. „Die Bibel ist Kino auf Großbildleinwand. Wäre ja furchtbar, wenn das furztrocken ist.“

Seine persönliche Erleuchtung hat der Künstler, der sich trotz seiner Hingabe ans religiöse Wort als nicht religiös bezeichnet, durch den Jesus-Song „He’s alive“ von Countryheroine Dolly Parton erfahren. „Der ist ganz große Oper, den wollte ich unbedingt singen und da bin ich auf die Idee mit der Bibel gekommen.“ Überdies covert er „spirituelle Klassiker“ von Johnny Cash und Elvis Presley.

Dass die Bibelgeschichten jeden ansprechen, weiß Ben Becker ganz genau. „Es ist ein blutiges Buch und sehr real, was unsere Geschichte und auch die Globalisierung angeht.“ Und dann sagt er, er wolle die Worte Gottes vorlesen, wie er sie verstünde. Was Gott für ihn ist? „Das Sein an sich. Nicht der alte Mann mit dem weißen Bart.“

3000 Menschen passen ins Tempodrom. Mal sehen, ob so viele auf Beckers biblische Musik-und-Wort-Reise mitgehen wollen. Medial vorbereitet wird sie sicherheitshalber ab dem 14. September durch die CD und das Buch zur Show. Ben Becker, der „irgendwo auch Kommunist ist“, hat aber nicht nur Unterhaltung, sondern Gottgefälligeres im Sinn. „Das Ziel ist, Liebe mitzuteilen“, sagt er und sieht inzwischen fast wie ein Pastor aus.

Die Premiere von Ben Beckers Bibelshow ist am 12. Oktober im Tempodrom. Der Vorverkauf läuft.

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