Boulevard der Stars : "Ein Stern in Berlin? Wahnsinn!"

Auf dem Mittelstreifen am Potsdamer Platz werden Filmgrößen geehrt. Jeder Star erhält einen Stern – von Loriot bis Romy Schneider.

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Ach, Marlene. Auch die Dietrich wird geehrt – wie 39 weitere Stars und Macher aus der Film- und Fernsehbranche. Am 10. September soll alles fertig sein.Foto: promo
Ach, Marlene. Auch die Dietrich wird geehrt – wie 39 weitere Stars und Macher aus der Film- und Fernsehbranche. Am 10. September...

Der Anruf erreichte Margarethe von Trotta in Paris. Am Hörer war Georgia Tornow, die ihr mitteilen wollte, dass sie mit einem Stern auf dem „Boulevard der Stars“ für ihre Regiearbeit geehrt wird. Die Auserwählte war von der Nachricht überrascht: „Ein Stern in Berlin? Wahnsinn!“ Und Wolfgang Petersen, der ebenfalls verewigt wird, griff gleich zu seinem Terminplan: Im September stehen keine Drehs an – und seiner persönlichen Anwesenheit zur Eröffnung des Boulevards somit nichts im Wege.

Trotta und Petersen sind zwei von insgesamt 39 Namen, die Jurymitglieder und Initiatoren des Boulevards – darunter Publizistin Georgia Tornow und Berlinale-Chef Dieter Kosslick – am Dienstag im Bundespresseamt bekannt geben. Ein weiterer steht schon seit Februar fest, als anlässlich der 60. Berlinale der erste Stern des künftigen Glamour-Laufstegs Marlene Dietrich gewidmet wurde. Am 10. September wird der „Boulevard der Stars“ eröffnet, auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße. Dann sollen die ersten 40 Sterne der Öffentlichkeit übergeben werden.

Boulevard der Stars
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1 von 13Bild: Graft/Art+Com
05.02.2010 13:14Während der Berlinale 2010 wurde der Grundstein für den "Boulevard der Stars" an der Potsdamer Straße gelegt. Der erste Stern ist...

Man habe mit der Auswahl der ersten Geehrten eine Bandbreite abzudecken versucht, die das Verhältnis zwischen Ost und West sowie zwischen Film und Fernsehen beachtet, sagt Jury-Sprecher Hans Helmut Prinzler. Er betont, dass die Auswahl nicht im Sinne einer Rangfolge zu verstehen sei. Auf der Liste stehen unter anderem Vicco von Bülow alias Loriot, Rainer Werner Fassbinder, Angelica Domröse, Fritz Lang, Hans-Joachim Kulenkampff, Romy Schneider, Hildegard Knef und Helga Hahnemann, aber auch weniger geläufige Namen wie die von Filmarchitekt Jan Schlubach und Wegbereiter Max Skladanowsky. Letzterem gelang es 1895 erstmals, kurze Filmsequenzen auf eine Leinwand zu projizieren. Auf der Liste, die die Jury verteilen lässt, ist sein Name am Ende jedoch fälschlicherweise mit i geschrieben.

Der „Boulevard der Stars“ wird 320 Meter lang sein, der dazugehörige Vertrag mit der Stadt beläuft sich zunächst auf 15 Jahre. In den rot gefärbten Asphalt werden Messingsterne mit den Namen, Lebensdaten und Autogrammen der Auserwählten eingelassen. Dazu gibt es mannshohe Kameras, die beim Durchgucken die Geehrten virtuell erscheinen lassen. Einen Hindernisparcours braucht aber keiner zu befürchten, verspricht Georgia Tornow: „Niemand wird stolpern und sich stoßen, das wird alles geregelt.“

Die Finanzierung des ersten Abschnitts erfolgt durch EU-Wirtschaftsfördermittel, die Kosten betragen knapp eine Million Euro. Für alle weiteren Messingsplatten sollen Sponsoren aufkommen. Die Gespräche hierfür liefen gut, sagt Georgia Tornow. Konkrete Namen will sie jedoch noch nicht nennen. Künftig sollen pro Jahr, jeweils im Sommer, zehn neue Sterne enthüllt werden.

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