Stadtleben : Die Rückkehr der Kissen-Schlacht

Zeichen setzen durch Liegen: Berliner Künstler wollten gestern das berühmte „Bed In“ nachstellen

Sebastian Leber

Für John Lennon und Yoko Ono war es eine Demonstration für den Frieden, ein Zeichen gegen den US-Militäreinsatz in Vietnam. Die beiden Berliner Musiker Robert Defcon und Vulkhan Khan wollten gestern ebenfalls ein Zeichen setzen, irgendwie. Und nebenbei auch noch ein bisschen Werbung machen für ihr heutiges Konzert.

Robert Defcon ist ein Alleskönner. Macht Musik, am liebsten Elektro-Pop, schreibt regelmäßig für das Musik-Magazin „Spex“ und hat ein Buch verfasst über Blixa Bargelds Band Einstürzende Neubauten. Jetzt versucht er sich mit seiner Kollegin Vulkhan Khan, mit der er gelegentlich unter dem Namen „Das Amt“ Konzerte gibt, an einer gewagten Kunstaktion: Gestern und heute haben sie sich in eine Lounge im Luxushotel Ritz Carlton am Potsdamer Platz einquartiert und stellen dort das berühmte „Bed In“ von Lennon und Ono aus dem Jahr 1969 nach. Soll heißen: Sie liegen im Bett und unterhalten sich mit Journalisten. Sonst nichts.

Ihre Botschaft dürfte etwa die sein, die sie vorab auf ihrer Internetseite veröffentlicht haben: „Die Erde versinkt im Chaos. Gewalt, Sinnlosigkeit und Wut machen sich breit. Doch Das Amt bringt Ordnung in die wirren Vorstellungen der sogenannten Menschheit.“ Das klingt hart, aber es geht noch weiter: „Auch die Künstler müssen sich nun endlich ihren eigenen Grenzen, ihren faulen Kompromissen mit Szene-Logiken, Publikumserwartungen und vermeintlichen Freunden stellen.“ Was genau damit gemeint ist, kann man dann heute Abend bei ihrem Auftritt im angesagten Szene-Club L.U.X. in der Schlesischen Straße in Kreuzberg sehen.

Dass sie mit ihrer Aktion soviel Aufsehen erregen wie einst der Beatles-Sänger und seine Künstler-Gattin, glauben die zwei Berliner natürlich nicht. Ursprünglich sollte das Original-„Bed In“ in einem Wolkenkratzer in New York stattfinden, aber weil beide dort bereits wegen Marihuana-Missbrauchs vorbestraft waren, wurde ihnen die Einreise verweigert. Deshalb verlegten Lennon und Ono ihre Aktion ins kanadische Montreal, im heutigen Fairmont The Queen Elizabeth fanden sie Unterschlupf. In der Suite 1742 im 17. Stock, zu dem Zimmer pilgern heute noch Beatles-Fans. 150 Journalisten berichteten täglich aus dem Hotelzimmer, keine Regung und kein Satz der beiden prominenten Gäste entging ihnen. Und vor dem Hotel warteten tausende Fans auf Autogramme.

Bei Robert Defcon und Vulkhan Khan sollten es gestern deutlich weniger Journalisten sein, und Fans waren gar keine gekommen. Aber das störte sie nicht. Es ging ja um das Zeichen. Und so gesehen war es ein Erfolg.

Das Konzert beginnt heute um 22 Uhr im LU.X. in der Schlesischen Straße 41 in Kreuzberg. Probehören kann man unter www.myspace.com/defconundkhan.

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