Domino-Aktion : Die Mauer muss fallen

Der Immobilien-Unternehmer Michael Weise sponsert die „Domino-Aktion“ zum 20. Jubiläum des Mauerfalls.

Annette Kögel
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Der Mann und die Kunst. Michael Weise mit Dominosteinen auf dem Gelände der künftigen Engelgärten-Wohnanlage. Foto: promo

Damals hätte Michael Weise es sich nicht träumen lassen, dass er im neuen Millennium einmal mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Brandenburger Tor stehen und als erfolgreicher Unternehmer aus der Immobilienbranche eine Kunstaktion zum 20. Jahrestag des Mauerfalls verkünden würde. Damals war der 59-Jährige noch DDR-Bürger. Heute macht er sich als Bauträger des innovativen Wohnprojektes Engelgärten samt Biogas-Blockheizkraftwerk einen Namen – und als Förderer der Dominostein-Aktion am 9. November.

Weise hat, wie berichtet, als erster Berliner Unternehmer sowohl die öffentliche Mal-Aktion mit Musik und Catering auf seinem Gelände an der Dresdener Straße in Mitte gesponsert als auch den Domino-Styropor-„Mauer“-Stein, den ein vierköpfiges Künstlerteam der Sophie-Scholl-Gesamtschule für den Tagesspiegel bemalte. Weise ermöglichte insgesamt sieben Kunst-Segmente als Pate.

Früher – in der DDR – nahm Weise 1986 sein Schicksal in die Hand. „Da flüchtete ich in den Westen.“ Erst kam er im Aufnahmelager Gießen unter, später vermittelte ihm ein Bekannter einen ersten Job in der Immobilienbranche. „So kam ich eigentlich per Zufall in diese Branche“, sagt Weise, Vater von fünf Kindern. Nach seiner Flucht konnte er drei lange Jahre keinerlei Kontakt zu seiner Familie in der DDR mehr aufnehmen. Alles einschneidende Erinnerungen, die ihn mit der Zeit des Mauerfalls verbinden. Deshalb entschloss sich der 59-Jährige auch sofort, als er von der Kunst-Gedenkaktion der „Kulturprojekte Berlin“ hörte, als Pate mitzumachen. „Mir ist wichtig, dass Jugendliche sich ein eigenes Bild machen von der Zeit durch die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Mauer.“

Einige der Engelgärten-Nachbarn protestierten jetzt demonstrativ, weil sie den Blick auf den brachliegenden Grünstreifen – vormals Todesstreifen – verlieren; Reihenhaus-Besitzer hatten befürchtet, dass ihr Eigentum nun an Wert verlieren würde. Doch Ökobau-Unternehmer Weise hält dagegen, es handele sich doch nun mal um ein urbanes Baugelände, man habe sich auch längst geeinigt, habe sogar die Geschosszahl reduziert – und plane eine lockere, familiengerechte Bebauung mit 76 Wohnungen und einer geschützten grünen Piazza in der Mitte als Kommunikationsort für alle. Das hauseigene Bio-Blockheizkraftwerk soll die Kosten für Heizung, Warmwasser und Energie für künftige Eigentümer um bis zu 40 Prozent senken. Im April ist Baubeginn.

Alle Infos zum Dominostein-Projekt: www.mauerfall09.de

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