Festival of Lights : Die Stadt in neuem Licht

Ab Mittwoch bringt das Festival of Lights Berlin erneut zum Strahlen. Beim vorigen Mal gab es Ärger für Klaus Wowereit.

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Strahlen des Herbsts. Lila Bäume, farbige Gehwege und bunte Fassaden.
Strahlen des Herbsts. Lila Bäume, farbige Gehwege und bunte Fassaden.Foto: dpa

Den Zauber des Lichts entdeckte Philipp Geist als Jugendlicher für sich. Mit 13 begann er zu fotografieren, wie der 1976 geborene Künstler erzählt, und schon damals interessierte ihn besonders das Spiel von Licht und Schatten, das er auf abstrakten Bildern festhielt. Ab diesem Mittwoch ist seine Leinwand der Potsdamer Platz: Geist ist einer der Lichtkünstler, deren flüchtige Arbeiten ab diesem Mittwoch zehn Tage lang die Berliner Nacht erleuchten. Bis zum 21. Oktober läuft das 8. Festival of Lights, 70 Illuminationen und rund 20 weitere Lichtkunstaktionen sowie zahlreiche Nebenveranstaltungen sind quer durch die Stadt geplant, die meisten zwischen 19 und 24 Uhr.

„Time Drifts – Words of Berlin“ heißt die Installation von Philipp Geist: Ein flächendeckendes, begehbares Kunstwerk, wie er ankündigt. Auf den Boden und auf die Besucher des Spektakels werden Begriffe projiziert, die mit Berlin und dem Vergehen von Zeit zu tun haben, weitere Worte erscheinen in Nebelwolken – von „Vergänglichkeit“ oder „Baustelle“ bis zu „Magnetbahn“ und „Sendepause“, in zahlreiche Sprachen übersetzt.

„Mich fasziniert die Möglichkeit, einen öffentlichen Raum zu verändern und umzudefinieren“, sagt der in Berlin und Weilheim lebende Künstler, der sich mit ähnlichen Installationen rund um die Welt einen Namen gemacht hat. Zusätzlich zu den von ihm ausgewählten Begriffen, durch die die Besucher wie durch ein großes Buch wandeln können, will Geist nach und nach weitere Worte einbauen, die das Publikum ihm mitteilt.

Neben Geists Installation zählen sogenannte 3-D-Video-Mappings zu den Höhepunkten des diesjährigen Festivals – Lichtinstallationen, die dreidimensionale Effekte auf Gebäudefassaden erzeugen, wie Veranstalterin Birgit Zander erklärt. So sollen auf dem Hotel de Rome am Bebelplatz Märchenmotive und ein „Architektur-Ballett“ gezeigt werden, auf dem Brandenburger Tor gibt es Inszenierungen zur 775-jährigen Stadtgeschichte, auf dem Adlon-Hotel ist ein visuelles Spiel mit den Naturelementen angekündigt.

Die schönsten Bilder aus dem vergangenen Jahr:

Festival of Lights
Nicht nur etwas für nachts: Das Brandenburger Tor beim Festival of Lights ist auch in der untergehenden Abendsonne schon spektakulär.Weitere Bilder anzeigen
1 von 34Foto: Doris Spieckermann-Klaas
07.10.2012 16:28Nicht nur etwas für nachts: Das Brandenburger Tor beim Festival of Lights ist auch in der untergehenden Abendsonne schon...

„Das Festival of Lights verleiht Berlin einen besonderen Glanz und hat sich zu einem international bedeutenden Publikumsmagneten entwickelt“, schwärmt Burkhard Kieker, Geschäftsführer des Tourismuswerbers Visit Berlin. Er erwartet dank des Lichtspektakels rund 600 000 zusätzliche Übernachtungen von Berlinbesuchern während der zehn Tage: „Ein glanzvoller Auftakt für die Wintersaison.“

Klaus Wowereit, der als Regierender Bürgermeister erneut Schirmherr der Veranstaltung ist, lobt das Festival als eine der für die Stadt wichtigen Veranstaltungen, „die eingesessene Berliner ebenso wie die vielen Gäste der Stadt immer wieder überraschen“. Zuletzt hatte das Festival Wowereit allerdings nicht nur Freude beschert: Im März war bekannt geworden, dass bei einem der vorigen Festivals auch der Eventmanager und gute Wowereit-Bekannte Manfred Schmidt mit einer eigenständig organisierten Installation auf dem Adlon-Hotel viel Geld verdient hatte. Die Opposition nahm das zum Anlass, Wowereit Vorhaltungen zu machen. Wowereit hatte damit dagegengehalten, dass Schmidt – anders als von der Opposition behauptet – keine Geschäftsbeziehungen mit dem Land gehabt hätte, da das Festival von einer privaten Agentur organisiert wird und Wowereit es lediglich durch seine Schirmherrschaft unterstützt.

Beim aktuellen Festival sei Manfred Schmidt nicht mehr mit von der Partie, wie Direktorin Birgit Zander sagt. Auch 2010 sei der nur „einer von circa 60 Teilnehmern“ gewesen, die öffentliche Diskussion und die damalige Medienberichterstattung habe lediglich „die persönlichen Geschäfte von Manfred Schmidt“ betroffen. In der Rückschau ist Veranstalterin Zander heute vor allem eines wichtig: „Dass das Festival of Lights keinerlei Schaden genommen hat.“

Das Festival wird am 10. Oktober um 19 Uhr am Potsdamer Platz neben dem Kollhoff-Hochhaus eröffnet. Mehr Informationen online: www.festival-of-lights.de, telefonisch unter 030-250025

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