Inglourious-Basterds-Premiere : Quentin Tarantino: „Das ist verdammter Mist!“

Diese vier deutschen Wörter hat US-Regisseur Quentin Tarantino also bei den Drehs für „Inglourious Basterds“ gelernt. Am Dienstagabend lud er zur Premiere am Potsdamer Platz.

 Eva Kalwa
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Kinder, ist das schön hier. Quentin Tarantino stößt mit seinem Produzenten Lawrence Bender (rechts) in den Filmstudios Babelsberg...Foto: dpa

Puh! Was für eine Aufregung für die vielen hundert Fans, die da am Dienstagabend ein Autogramm von Brad Pitt haben wollten. Oder einen tollen Schnappschuss mit dem Fotohandy. Oder gar ein Lächeln. „Und ich“, sagte US-Regisseur Quentin Tarantino, 46, vorm Theater am Potsdamer Platz, gar nicht weit entfernt vom Kollegen Brad Pitt, „ich bin total aufgeregt, meinen Film hier in Berlin vorzustellen“. Schließlich habe er, Tarantino, in dieser Stadt so viele Monate gedreht, dass es sich für ihn anfühle, „als würde ich nach Hause kommen“.

Und so standen sie da, Hollywood-Star Brad Pitt mit markantem Bärtchen, seine Kollegin Diane Kruger, Til Schweiger, Daniel Brühl – so viel deutsche und internationale Prominenz. Auch Ex-Außenminister Joschka Fischer saß mit seiner Frau Minu Barati mit 1000 anderen Gästen vor der Leinwand. Michi Beck von den Fantastischen Vier kam wie Christoph Schlingensief zum Premierenfest. Martin Wuttke und Schauspiel-Kollege Christian Berkel hatten sich besonders auf den Abend gefreut, denn sie hatten den Film noch nicht gesehen. Sylvester Groth, der Goebbels verkörperte, hatte ebenfalls am Roten Teppich Filmfans zugewunken. Es waren viele, ja, sehr viele Promis, und für die meisten ging es nach dem Film gleich weiter in den Loewe-Saal nach Moabit, zur großen Aftershow-Party, wo die Nacht durchgetanzt werden sollte.

Die Aufregung hatte schon am Mittag begonnen, im „Hotel Adlon“ am Pariser Platz. Gelöst, gut gelaunt und überaus gesprächsbereit wirkte Regisseur Tarantino, als er mit seinen Hauptdarstellern Diane Kruger, Christoph Waltz, Daniel Brühl und August Diehl den neuen Film vorstellte. Vielleicht, weil er, wie Tarantino da schon sagte, so gern in Berlin ist: Am Sonntagabend hatte er bereits einige seiner Schauspieler zu einer Sondervorstellung von „Inglourious Basterds“ ins Delphi an der Charlottenburger Kantstraße eingeladen, danach soll es noch eine ausgelassene Party mit viel Pizza im „Tarantino’s“ in der Brunnenstraße in Mitte gegeben haben. Kinostart des Films ist allerdings erst der 20. August.

Besonders hat es Tarantino bei den Dreharbeiten zu seiner märchenhaften Nazi-Satire im Fort Hahneberg in Staaken gefallen: „Das war cool – dieser tiefe, wilde Graben im Wald dort. Es sah alles wirklich aus wie im Krieg.“ Doch auch in den Filmstudios in Babelsberg, wo große Teile des Films entstanden sind und seit Montag sogar eine Straße nach ihm benannt ist, habe er sich sehr wohl inspiriert gefühlt. Gut, andere waren darüber nicht so froh. Durch die Namensänderung seit die Würdigung des legendären Defa-Regisseurs Heiner Carow getilgt worden, deshalb sei er „entsetzt und wütend“, sagte etwa Linken-Bundeschef Lothar Bisky. Von dem Zwist wird Tarantino nicht so viel mitbekommen haben.

Stimmt es, dass er am Ende der Dreharbeiten unbemerkt von allen Schauspielern einfach von einer Sekunde auf die andere verschwunden ist? „Ja“, sagte Tarantino im Adlon. „Ich bin sehr emotional in diesen Dingen und hatte Angst, in Tränen auszubrechen.“ Wer beobachtet hat, mit welcher Freude der doch nicht zuletzt für seine Gewaltszenen berühmte Regisseur seinen „Basterds“-Schauspieler Daniel Brühl auf dem Hotelflur umarmte („So gut, dich zu sehen, Mann!“), kann sich das tatsächlich gut vorstellen.

Auch Christoph Waltz, der im Film den charmant-skrupellosen „Juden-Jäger“ Oberst Landa spielt, lobte Tarantinos Feinfühligkeit: „Dieser Regisseur hat so feine, unglaublich sensible Antennen – er ‚liest‘ im Verhalten der Schauspieler.“ Dass Tarantino selbst die deutsche Sprache nicht gut verstehe, habe bei den Dreharbeiten überhaupt nichts ausgemacht. Immerhin, ein bisschen Deutsch hat Tarantino in den Monaten in Berlin gelernt: „Das ist verdammter Mist!“ brüllte er plötzlich halblaut – ein Satz, der für einen Regisseur sehr nützlich seien könnte, sagte er augenzwinkernd.

Doch so ungestüm scheint der wahre Tarantino nicht zu sein: Alle Schauspieler äußern sich begeistert über die Zusammenarbeit mit dem besessenen Cineasten. „Ich bin überzeugt, dass ich einen Freund fürs Leben gefunden habe“, sagt Diane Kruger, die den deutschen Filmstar Bridget von Hammersmark spielt. Auch Waltz, der für seine Rolle des Oberst Landa in Cannes den Darstellerpreis erhielt, ist spürbar immer noch tief beeindruckt von den gemeinsamen Dreharbeiten in Babelsberg, im Café Einstein oder Clärchens Ballhaus. Auf die Frage, wie denn eine Zeit nach Tarantino für ihn als Schauspieler aussehen könnte, antwortet Waltz: „Ich weiß es noch nicht: Aber diese Erfahrung wiederholen zu wollen – so stelle ich mir Sucht vor!“

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