Mit Hut und Reisepass : Botschaften in Berlin laden Bürger ein

Zahlreiche Botschaften öffnen am Sonnabend ihre Türen. Wer das All Nations Festival besucht, erfährt viel über Kopfbedeckungen

Daniela Martens
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Als der Bürgerkrieg tobte und die Menschen vor Hunger zu Kannibalen wurden, flüchtete der König auf einen Berg. Es klingt wie ein grausames Märchen, wenn Yvette Wrigley von der Geschichte des Landes Lesotho spricht, das vollständig von Südafrika umschlossen ist. Am Sonnabend werden sie und die anderen Botschaftsmitarbeiter dieses wahre Märchen sehr vielen Besuchern erzählen – beim All Nations Festival, dem Tag der offenen Tür der Botschaften.

Von Irak bis Madagaskar: 25 Botschaften sind dabei und das Europäische Haus. Zwischen 11 und 18 Uhr haben die Berliner Gelegenheit zu einer städtischen Weltreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Motto des Festivals in diesem Jahr: „Mit Hut und Haar! Internationaler Kopfschmuck und was dahintersteckt“. Das sei ein „Thema, das harmlos daherkommt, aber auch politische und wirtschaftliche Bezüge“ herstelle, sagt Veranstalter Carsten Diercks von der Berliner Gesellschaft für internationale Begegnungen.

In den meisten Botschaften werden traditionelle Kopfbedeckungen gezeigt, manche dürfen die Besucher sogar anprobieren: Bunt gewebte Mützen mit Ohrenklappen aus Bolivien – seit den Inkas Tradition. Zusammengerollte Tzute-Kopftücher aus Guatemala. Das „Yahul“ aus El Salvador – ein geflochtenes Rad aus Bananenstauden, auf dem dort noch heute Waren auf dem Kopf transportiert werden.

Aber es gibt wohl kein Land, in dem sich so viel Geschichte unter einem Hut verbirgt wie in Lesotho. Der „Mokorotlo“, ein kegelförmiger Strohhut mit einer doppelten geflochtenen Schlaufe an der Spitze, ist das nationale Symbol. Er ist auf der Flagge zu sehen und auf allen Nummernschildern des Landes. Das liegt an jenem König aus Yvette Wrigleys Geschichte: Qiloane hieß der Berg, auf den er floh. „Und der wurde damals im 19. Jahrhundert zu einem Schutzsymbol“, sagt Yvette Wrigley. Der König, Moshoeshoe I., wurde dort begraben, wie auch seine Nachfolger. Das Volk begann einen Hut in der Form des Berges zu tragen. Demnächst wird auch ein Berliner mit einem Mokorotlo herumlaufen: Es gibt ihn bei einer Tombola am Sonnabend zu gewinnen. Der Tombola-Erlös geht an ein SOS-Kinderdorf in Lesotho. Die Kinderdörfer sind beim Festival in vielen Botschaften mit dabei.

Der Mokorotlo wird nicht das einzige Souvenir sein, dass die Besucher mit nach Hause nehmen: In jeder Botschaft bekommen sie einen Stempel des Landes – in ihren Festival-Pass, der auch Eintrittskarte ist und Wegweiser. Es gibt ihn im Voraus gratis im Hauptbahnhof, im Neuen Kranzler-Eck, am Brandenburger Tor, im Alexa-Einkaufszentrum und in den Museen Dahlem. Am Sonnabend ist der Pass auch in den Botschaften zu haben, allerdings in begrenzter Auflage. Einen richtigen Ausweis sollten die „Weltreisenden“ trotzdem dabeihaben: In manchen Botschaften gibt es Sicherheitskontrollen in die fremden Welten. Wenn man dann stilecht „eingereist“ ist, gibt es in den fremden Welten viel zu entdecken: Die Malaien zeigen zum Beispiel eine traditionelle Hochzeitszeremonie. Und die Jamaikaner lassen ihre Gäste Limbo tanzen. Vor allem aber gibt es überall viel zu essen. So dass keiner vor hungrigen Kannibalen auf einen Berg flüchten muss.

Mehr zum Thema im Internet unter

www.allnationsfestival.de

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