Neukölln : Sozialbier "Quartiermeister" - Zechen für den Kiez

Sebastian Jacob hat eine gute Idee verzapft: das Sozialbier „Quartiermeister“. Von jedem Kasten gehen drei Euro an soziale Projekte.

Laura Blecken
Serviert. Sebastian Jacob hat eine Biermarke erfunden, mit deren Kauf man soziale Projekte unterstützt. Foto: dpa
Serviert. Sebastian Jacob hat eine Biermarke erfunden, mit deren Kauf man soziale Projekte unterstützt. Foto: dpaFoto: dapd

Es gibt Bier, das kauft man und hilft damit dem Regenwald im 5000 Kilometer entfernten afrikanischen Dzanga Sangha. Und es gibt Bier, das kauft man und dafür bekommen die Nachbarskinder aus Neukölln gratis Hilfe bei ihren Hausaufgaben. „Quartiermeister“ heißt das Pils. Erfunden hat es Sebastian Jacob, nach Eigenbekunden ein „leidenschaftlicher Biertrinker“. Das Konzept vom Kiezbier ist einfach: Die Leute sollen selbst von dem Geld profitieren, das sie in Kneipen lassen. Zehn Euro kostet der Kasten Quartiermeister, drei Euro davon gehen an soziale Projekte im Kiez. Nach einem Monat Bierverkauf konnte Jacob schon 750 Euro an den gemeinnützigen Verein Bildung ohne Grenzen im Neuköllner Richardkiez spenden.

Man könnte hinter Jacob einen alteingesessenen Neuköllner Kneipenkönig vermuten, aber weit gefehlt: Der 30-Jährige ist erst vor drei Jahren nach Neukölln gezogen und arbeitet als Rechtsreferendar. Die Idee zu dem Sozialbier ist Jacob vor gut einem Jahr gekommen, damals saß der Jurastudent an seiner Examensarbeit. „Ich habe nach einem leichten Weg vom trägen Verbraucher zum sozialhaltigen Produkt gesucht“, sagt Jacob und klingt so gar nicht nach Kneipenkönig. Kneipenköniglich fügt er dann aber hinzu: „Die eigentliche Idee kam mir, als ich im Bett lag.“ Im September klapperte Jacob noch mit seinem Fahrrad die Neuköllner und Kreuzberger Kneipen ab, um die Kästen auszuliefern, inzwischen hat das ein Getränkedienst übernommen. Schon 15 Kneipen verkaufen Quartiermeister in Neukölln, Kreuzberg und Wedding. Um der Philosophie vom „Bier für den Kiez“ gerecht zu werden, will Jacob demnächst auch soziale Projekte in Kreuzberg und Wedding unterstützen, dem Kiezbier sind also keine Kiezgrenzen gesetzt. Sogar treue Bierfreunde aus Holland und England haben Jacob schon gebeten, ihnen ein oder zwei Kästen zu liefern, „sehr charmant“ findet Jacob, aber leider wäre der Versand teurer als das Bier.

Sein Pils wollte Jacob unbedingt bei einer inhabergeführten Brauerei kaufen und reiste deshalb 150 Kilometer nach Gardelegen in Sachsen-Anhalt. Es habe gedauert, bis er endlich mit dem Inhaber sprechen konnte, sagt Jacob, „am Anfang war ich für die nur der Typ aus Berlin mit irgend ’ner komischen sozialen Idee“. Inzwischen läuft die Zusammenarbeit gut, Jacob erhält das Pils aus regionalen Zutaten sogar zum ermäßigten Preis.

Jacob selbst verdient eigenen Angaben zufolge nichts am „Quartiermeister“. In seinem Keller lagern Bierkästen, die er bei Lieferlücken noch mit seinem Fahrrad zu den Kneipen karrt. Warum er sich die ganze Mühe macht? „Ich finde die Idee wichtig, dass es hier einen Apparat gibt, der jeden Monat für die gute Sache sammelt“. Auch auf Partys wird Jacobs Bier immer beliebter, ab einer Abnahmemenge von zehn Kästen liefert Jacob direkt nach Hause. Wenn seine Freunde feiern, werde selbstverständlich nur noch die Marke Quartiermeister getrunken, sagt Jacob lachend, „alles andere verbitte ich mir“. Laura Blecken

Mehr Informationen unter

www. quartiermeister.org

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