Stadtleben : „Oh nein, der Siegfried!“

Michael Banzhaf erhält Theatergemeinden-Preis

Sandra Luzina

Als der große Maurice Béjart 2004 eine Wiederaufnahme seines Wagner-Spektakels „Ring um den Ring“, das 1990 in der Deutschen Oper uraufgeführt wurde, vorbereitete, mussten die Damen und Herren des Staatsballetts erst mal vortanzen. Béjart selbst wählte dann Michael Banzhaf für den Siegfried aus. Diese Rolle ist wie ein Hauptgewinn – eine Riesen-Chance. Dem Auserkorenen aber schoss als Erstes durch den Kopf: „Oh nein, der Siegfried! Wie geh ich denn den an?“ Das ist charakteristisch für Banzhaf. Der 29-Jährige erarbeitet sich Rollen sehr gewissenhaft. Besonders liegen ihm die tiefgründigen Charaktere. Siegfried, den Draufgänger und Hoffnungsträger, begreift er dagegen als einen kindlich-naiven Protagonisten. „Er wird zum Helden, weil die anderen das Heroische in ihn hineinprojizieren.“

Am Samstagabend sollte Banzhaf in der Deutschen Oper den Daphne-Preis der Theatergemeinde Berlin verliehen bekommen – und sich erst mal auf der Bühne verausgaben: als Siegfried. Der Recke ist längst seine Glanzrolle – auch weil er eine feine Ironie ins Spiel bringt. Etwa beim Tanz mit dem Schwert, unverkennbar ein Phallussymbol.

Mit Banzhaf wurde ein Tänzer ausgezeichnet, der tänzerische Eleganz mit darstellerischer Intelligenz verbindet. Die Geschichte, wie er zum Ballettstar wurde, klingt fast ein wenig kitschig – das findet er selbst. Parallelen zu dem Ballett-Film „Billy Elliot“ sind nicht zu übersehen: Der in Friedrichshafen geborene Banzhaf nahm erst mit 16 Jahren Ballettunterricht – und weckte sogleich den Ehrgeiz seiner Lehrerin. Die erkannte in ihm das einzig wahre Talent, das ihr bislang begegnet war. Ihre Intuition hat sie nicht getrogen. Als ihr Schützling sich ein Jahr später an den besten Ballettschulen Deutschlands, in München, Stuttgart und Berlin, bewarb, wollten alle drei ihn aufnehmen.

Banzhaf entschied sich für die Ballettakademie München/Heinz-Bosl-Stiftung. Nach der Ausbildung wurde er gleich beim Ballett der Staatsoper Unter den Linden engagiert. „Oliver Matz, der Erste Solist, hat mich damals unter seine Fittiche genommen. Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, erzählt Banzhaf. Heute ist er einer der profiliertesten Tänzer-Darsteller in Malakhovs Compagnie.

Bald ist es Zeit für einen Rollenwechsel: Ab 27. Juni kann man Banzhaf als Clubtänzer in Friedrichhain bewundern. Die jungen Choreografen des Staatsballetts zeigen „Shut up and dance! – Updated“ im Berghain. Banzhaf tritt zweimal auf, besonders gefordert wird er in „Wake Up“ von Nadja Saidakowa – die Russin ist seine Lieblingsballerina und bevorzugte Partnerin. Ihre Choreografie ist eine Feier männlicher Energie. Und Banzhaf – so viel ist sicher – wird sich in eine neue Dimension vorwagen. Sandra Luzina

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