Potsdam Babelsberg : "Russendisko" von Wladimir Kaminer wird verfilmt

Das Buch "Russendisko" von Wladimir Kaminer wird derzeit in Babelsberg verfilmt – mit Stars wie Matthias Schweighöfer.

Jana Haase
Draußen nur Kännchen. Vor stilechter Kulisse posieren Peri Baumeister (l.) und Matthias Schweighöfer. Sie spielt Olga, er Wladimir. Der Kinostart des Films ist für das Frühjahr 2012 angekündigt.
Draußen nur Kännchen. Vor stilechter Kulisse posieren Peri Baumeister (l.) und Matthias Schweighöfer. Sie spielt Olga, er...Foto: dpa

Dieses Berlin gibt es gar nicht mehr: Vor dem Café Sperrgebiet stehen Gartenstühle mit abgeplatzter Farbe, drinnen baumeln Bastlampen über den Tischen, der Friseur gegenüber heißt „Die Frisur“, die Bewohner haben ihre baufälligen Balkone mit Plastikplatten verkleidet, nur ins Schaufenster des Konsum-Ladens haben sich erste Spuren der westlichen Warenwelt verirrt – ein leuchtender Weihnachtsmann komplettiert die Festtagsdeko mit Kunstbaum und grünen Kugeln. Die Straße, in der Prenzlauer Berg aussieht wie vor 20 Jahren, steht auf dem Gelände der Filmstudios in Babelsberg.

Dort stehen derzeit Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke und Christian Friedel vor der Kamera: Unter Regie von Oliver Ziegenbalg bringen sie Wladimir Kaminers populäres Buch „Russendisko“ auf die Leinwand. Erzählt wird die Geschichte der drei russischen Freunde Wladimir, Mischa und Andrej, die im Sommer 1990 nach Berlin ziehen, um hier ihr Glück zu machen.

Einen russischen Akzent und dunkle Haare wie sein Alter Ego hat sich Schweighöfer alias Wladimir dafür nicht zulegen müssen, wie er am Rande der Dreharbeiten erzählte: Kaminer habe dem Filmteam einen künstlerischen „Freifahrschein“ gegeben – „Hauptsache, diese Energie und Lust am Leben kommt rüber“. Am Set herrsche deshalb ein permanenter „Energie-Amok“. Auch Christian Friedel, der mit seiner Rolle als Lehrer im „Weißen Band“ international bekannt wurde, wirkte angesteckt. Der Dreh sei spontan, es werde viel improvisiert: „Das macht mir unglaublich viel Spaß“, schwärmte er.

Neun Jahre trug sich Produzent Christoph Hahnheiser mit der Idee für eine Verfilmung von „Russendisko“. Zehn Autoren versuchten sich daran, die 52 Kurzgeschichten aus dem Buch in eine Filmhandlung zu stricken – und dabei dem Kaminer-Kosmos mit seinen liebevoll-skurrilen Figuren treu zu bleiben. Auch einen Regiewechsel hat es gegeben: Nach fünf Drehtagen trennte sich Hahnheiser von Regisseur Oliver Schmitz („Türkisch für Anfänger“) und fand Ersatz in Drehbuchschreiber Oliver Ziegenbalg. „Wir hatten eine unterschiedliche Vision vom Film. Ich möchte eine emotionale Komödie, ein Großstadtmärchen für großes Publikum erzählen, eine Art ,Amelie‘ für Berlin.“

Damit das auch überzeugend aussieht, verpflichtete er den japanisch-französischen Kameramann Tetsuo Nagata, der unter anderem für das Edith-Piaf-Biopic „La vie en rose“ und „Micmacs“ von Amelie-Regisseur Jean-Pierre Jeunet filmte. Mit 6,5 Millionen Euro ist „Russendisko“ für eine deutsche Produktion recht großzügig finanziert.

Dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist, sei spätestens beim Bergfest vor wenigen Tagen klar geworden, berichtete Hahnheiser: Olga Kaminer, Wladimirs Ehefrau und „kritischer Geist“ der Familie, habe vor Rührung geweint, als sie die ersten Szenen gesehen habe: „Sie sagte: Genau so war es.“

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