Steglitz : Techno-Party im Bierpinsel

An der Schlossstraße wird am Wochenende getanzt. Und bis Ostern kommen dann die Maler.

Nana Heymann
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Noch ist er rot. Doch Larissa Laternser gestaltet ihren Bierpinsel um. Foto: Heerde

An ihren ersten Besuch im Bierpinsel erinnert sich Larissa Laternser noch sehr genau. Fünf Jahre war sie alt und besuchte das Steglitzer Wahrzeichen an der Schlossstraße mit ihren Eltern. Frühlingskartoffeln mit Quark gab’s damals zum Mittag, und zum Dessert den tollen Ausblick durch die großen Fenster. Den genießt die gebürtige Steglitzerin heute noch. Mittlerweile ist sie Geschäftsführerin des Bierpinsels, den sie vor drei Jahren mit ihrer Mutter übernommen hat. Seither laufen die Sanierungsarbeiten, mehrere hunderttausend Euro wurden investiert, um das berühmte Gebäude aus den 70er Jahren von seinem „heruntergekommenen Image zu befreien“, wie Laternser, 28, sagt.

Bis der Bierpinsel saniert und für die Öffentlichkeit zugänglich ist, wird er an private Veranstalter vermietet. In der dritten Etage, der „Retro-Lounge“, finden geschlossene Partys statt. Am Sonnabend steigt hier ein Abend mit dem Titel „Reclaim the Bierpinsel“, ab 22 Uhr werden DJs wie Kenny White und Alex Dean Techno und House auflegen. Für die Gäste wird es eine der letzten Gelegenheiten sein, den Raum in seiner angestaubten Schönheit zu bewundern. Denn 2010 wird er in neuem Glanz erstrahlen.

Moderner soll der Bierpinsel dann werden, dank neuer Technik, die derzeit schon verlegt wird. Und schöner, innen wie außen. Die Idee: Der Bau soll einen neuen Anstrich bekommen. Dafür haben drei international renommierte Street-Art-Künstler Entwürfe eingereicht. Sie wollen die rote Fassade hinter einem bunten Acryl-Lack verschwinden lassen. Zu Ostern 2010 soll das Ergebnis ihrer Arbeit präsentiert werden, der Bierpinsel als Veranstaltungsort wieder komplett für die Öffentlichkeit zugänglich sein. „Die Idee mit der neuen Fassade kam mir bei einem Gespräch mit einer Freundin“, sagt Larissa Laternser. Fünf Monate lang hat sie mit Spezialisten verschiedene Techniken ausprobiert, wie man Farbe auf die Oberfläche aufbringen kann, ohne dabei die Substanz anzugreifen. Die Lösung kam ausgerechnet von einer Firma, die auf die Beseitigung von Graffiti spezialisiert ist. Ihr Vorschlag: Man trägt zunächst eine dünne Wachsschicht auf und dann erst den bunten Lack. Somit ist auch sichergestellt, dass die Verzierung wieder entfernt werden kann. „Unser Ziel ist es nicht, den Bierpinsel für immer zu verändern“, sagt Laternser. Ein Jahr lang sollen die Kunstwerke das Gebäude schmücken.

Kuratiert wird die Aktion von der Hamburger Vicious Galerie, bei der unter anderem der spanische Street-Art-Künstler Pablo „Sozyone“ Gonzalez unter Vertrag ist. Er hat sich mit seinen Entwürfen um die Teilnahme beworben. Wenn der Bezirk sein Okay gibt, wird er im Dezember nach Berlin kommen, um erste Studien zu dem Projekt zu machen. Sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen. Sehen, wie man die Farbe am besten auf die Oberfläche auftragen kann. „Darauf muss man sich gut vorbereiten“, sagt Larissa Laternser. Den Bierpinsel bemalt man halt nicht eben so.

Voraussichtlich im März wird die Wachsschicht aufgetragen. Vorher ist das nicht möglich, weil die Außentemperatur konstant mindestens zehn Grad betragen muss. Am April werden die Künstler dann nach Berlin kommen, um mit der Arbeit zu beginnen. Zwei bis drei Wochen wird es dauern, bis das Rot des 46 Meter hohen Turms unter der Farbe verschwunden ist. Die Motive sollen sich am Thema Wissenschaft orientieren, weil 2010 in Berlin das „Jahr der Wissenschaft“ gefeiert wird. Nana Heymann

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