Stadtverkehr : Hermannplatz soll zur Hälfte verkehrsfrei werden

Das Bezirksamt Neukölln plant für die nächsten Jahre eine "Verkehrsbündelung", um das Areal für Fußgänger attraktiver zu machen.

Christian van Lessen
Hermannplatz
Mehr Platz für Fußgänger soll es künftig auf dem Hermannplatz geben. -Foto: Mike Wolff

BerlinDer vielbefahrene Hermannplatz – zur Hälfte eine verkehrsfreie, fußgängerfreundliche Zone, vielleicht mit netten Straßencafés? Wie das mit den Bussen funktionieren soll, sei noch nicht klar, da müsse man mit der BVG sprechen, sagt Manuela Damianakis von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Aber ansonsten habe man nichts gegen die „Idee“.

Sie stammt aus dem Bezirksamt Neukölln: Der Straßenverkehr soll „gebündelt“ werden, um den Platz für Fußgänger attraktiver zu machen. Jetzt gibt es zu beiden Seiten des Hermannplatzes je drei Spuren in entgegengesetzter Richtung. Künftig könnte es nur auf der westlichen Seite, vor Karstadt, eine Fahrbahn mit je zwei Spuren pro Richtung geben.

Dirk Faulenbach vom Stadtplanungsamt spricht von einem „extrem frühen Planungsstadium“, die Umgestaltung werde sich vor 2010 nicht verwirklichen lassen. Der Hermannplatz, bislang eine von Fahrzeugen umtoste Insel, müsse als Großstadtplatz von der Dominanz des Verkehrs befreit werden. „Wir wollen kein Traumidyll“, sagt er. Aber der Platz, der eine Visitenkarte für Neukölln sei, müsse vielseitiger genutzt werden, das Verkehrsaufkommen nehme ohnehin ab, eröffne neue Spielräume für die Planung, etwa für die südliche Karl-Marx-Straße, die künftig im Rahmen des Stadtumbaus West in jeder Richtung auf eine Spur verengt werden solle. Aber der Bezirk habe noch vieles zu klären und abzustimmen, über Verkehrsanbindungen am Platz müsse mit den Nachbarn Friedrichshain-Kreuzberg geredet werden, es gehe um viel Geld. Das Projekt Hermannplatz werde bis zu acht Millionen Euro kosten.

Es herrscht stets Unruhe auf dem Platz - das soll sich ändern

Karstadt-Geschäftsführer Horst Bergmann findet die Idee der Verkehrsbündelung gut, weil es hier täglich viele Unfälle gibt. Noch aber sei nichts abgesegnet, noch habe er ohnehin den Eindruck, es sei nicht endgültig klar, welche Seite des Platzes verkehrsberuhigt werden sollte. Gut ein halbes Dutzend Buslinien queren den Platz, es gibt in beiden Richtungen acht Haltestellen. Unten kreuzt die U-Bahn, dreimal in der Woche ist Markt. Es herrscht stete Unruhe. Leute hetzen von Bushaltestellen zur U-Bahn oder lungern an deren Eingängen herum. Arno Finkelmann, der hier in dritter Generation ein Modegeschäft führt und die Gegend kennt, ist skeptisch, dass der Platz zum Flanieren einladen und interessant für Straßencafés werden könnte. In der Apotheke nebenan ist zu hören, den Verkehrsfluss mit den vielen Bussen könnte man hier nicht aufhalten, die Markthändlerinnen Rosemarie Grotter und Birgit Michler stimmen dem zu, und Anwohner Günter Schönfeld sieht schon ein Chaos heranrollen und auf nur einer Straßenseite „die Autos übereinanderstehen“.

Marktbetreiber Rainer Perske wiederum verspricht sich von einer neuen Verkehrsführung mit mehr Raum für Fußgänger eine Aufwertung des Platzes. Gegenwärtig verbreite er als Eingangstor Neuköllns „keine schöne Atmosphäre“. Der Markt in der Mitte sei auf allen Seiten von schnell fahrenden Autos eingekreist, die Lärmbelästigung sei hoch. Ein verkehrsfreier Platz, mit beispielsweise einem Café in der Mitte, könne belebend und beruhigend zugleich wirken.

Mit mehr Menschen auf dem Platz, meint Perske, gebe es auch mehr „soziale Kontrolle“, um die sich heute kaum jemand kümmere. 

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