Start-up-Boom : Berlin ist das Silicon Valley Europas

19.10.2011 15:49 Uhrvon
Platz für „6Wunderkinder“. Das Büro der Internet-Start-up-Firma befindet sich in diesem Haus in Berlin-Mitte. Das Unternehmen entwirft und entwickelt plattformunabhängige Produktivitätssoftware, seine App „Wunderlist“ ist für die „Web App of the Year“ bei den .net Awards nominiert worden. Foto: picture alliance / dpa
Platz für „6Wunderkinder“. Das Büro der Internet-Start-up-Firma befindet sich in diesem Haus in Berlin-Mitte. Das Unternehmen entwirft und entwickelt plattformunabhängige... - Foto: picture alliance / dpa

In Berlin-Mitte hat sich ein Zentrum für junge Internetfirmen mit viel Gründergeist und Innovationskraft entwickelt. Die Stadt gilt international als hip und cool, beliebter als London.

Noch vor kurzem galt London als das europäische Mekka für Internetgründer. Jetzt ist Berlin mit über 60 Start-ups der absolute Hotspot. Hier mischt sich kreative Brainpower mit technischem Know-how. Das Ergebnis: erfolgreiche Internetunternehmen. Warum sonst würden Venture Capitalists wie Marc Andreessen, Mitbegründer von Netscape, oder Hollywood-Schauspieler Ashton Kutcher ihr Geld in Berliner Start-ups stecken?

Kutchers aktuelles Interesse gilt dabei dem Social Media Unternehmen Amen. Hier darf jeder seine Meinung posten und die Meinungen anderer bewerten. Amen kommt unserem Bedürfnis nach, unsere Ansichten über Gott und die Welt öffentlich kundzutun, eine wilde Mischung aus Twitter, Facebook und Meinungsbarometer mit dem Potenzial, Menschen aus aller Welt miteinander zu vernetzen.

Online ist die englischsprachige Plattform allerdings noch nicht. Bis auf Screenshots, die zeigen, wie alles wird, ist noch nichts zu sehen. Und trotzdem: In der Szene ist der Hype schon da.

Kein Wunder, denn die Gründer sind keine Neulinge: Felix Peterson gründete 2004 in Berlin den Internetdienst Plazes, der Usern ermöglicht, Freunden und Bekannten virtuell zu zeigen, wo sie sich gerade befanden. Ziemlich innovativ in einer Zeit, als es noch keine Smartphones gab. 2008 verkaufte Peterson sein Unternehmen an Nokia und heuerte dort als Führungskraft an. Auch Amen-Mitbegründerin Caitlin Winner ist keine Unbekannte in der Branche. Sie ist Absolventin des renommierten MIT Media Labs und Gründerin des Softwareentwicklers Plum. Auch Plum wurde von Nokia gekauft. Das war 2010. Und Winner wurde ebenfalls Nokia-Mitarbeiterin. Jetzt aber haben sie genug von der Corporate-Welt und starten erneut als Gründer.

Nur zwei von vielen Start-up-Biografien, die man in der Spree-Metropole findet. „Was für Berlin spricht, ist eine Kombination verschiedener Faktoren“, sagt Ralph Kunz, Geschäftsführer von Catagonia, einem Software- und Serviceunternehmen, das in Online- und Mobiltechnologie investiert, ein sogenannter Inkubator. „Die Stadt zieht aufgrund der niedrigen Lebenshaltungskosten junge, kreative Menschen an, die Etabliertes infrage stellen. Außerdem ist Berlin offen, sehr international, und Büroräume sind vergleichsweise günstig. Ideale Bedingungen für Start-ups.“ Etablierte Firmen dienen dabei als Brutkästen, wo schon Praktikanten oder Werkstudenten alles lernen, was sie benötigen, um sich mit einer eigenen Idee selbstständig zu machen. Aber auch aus dem Management spalten sich immer wieder Gründer ab. Manche sind dabei vollkommen branchenfremd. So wie Regine Harr.

Bevor sie nelou.com gründete, war sie Investmentbankerin. Während ihrer Zeit in Bangladesch, wo sie im Micro-Financing tätig war, kam sie mit der Modeindustrie in Berührung. „Mir wurde klar, dass junge Labels keine Chance haben, ihre Kollektionen produzieren zu lassen oder überhaupt eine Präsenz auf dem Markt aufzubauen“, sagt sie. Alles werde von den Großen der Branche dominiert. Aus dieser Erkenntnis und ihrer Liebe zur Mode heraus wurde eine Geschäftsidee geboren: eine Verkaufsplattform für junge Designer, die sich von DaWanda absetzen sollte. Vorbild waren eher hochwertige Designer-E-Commerce-Seiten wie Net-A-Porter, Yoox oder Mytheresa. „Mir war wichtig, dass sich unsere Kunden, die nicht tagein, tagaus im Internet leben, von der Webseite angesprochen fühlen“, sagt Harr.

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