• Stasi-Akte des Berliner Staatssekretärs: Andrej Holm besuchte Schulungskurs für seine Stasi-Laufbahn

Stasi-Akte des Berliner Staatssekretärs : Andrej Holm besuchte Schulungskurs für seine Stasi-Laufbahn

Die Stasi-Akte des umstrittenen Berliner Staatssekretärs Andrej Holm ist freigegeben. Deutlich wird, dass er wusste, auf welche Karriere er sich einlässt.

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Der wegen seiner Stasi-Vergangenheit umstrittene Linken-Politiker Andrej Holm.
Der wegen seiner Stasi-Vergangenheit umstrittene Linken-Politiker Andrej Holm.Foto: dpa

Im Fall des wegen seiner Stasi-Vergangenheit umstrittenen Bau-Staatssekretärs Andrej Holm werden neue Details bekannt. Die Stasi-Unterlagen-Behörde gab am Mittwoch die 197 Seiten umfassende Stasi-Akte von Holm für die Medien frei. Schlüsse auf seine Tätigkeiten als Offiziersschüler bei der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin (BV Berlin) lassen sich aus den Unterlagen, die dem Tagesspiegel vorliegen, nicht ziehen. Für die Frage der Glaubwürdigkeit Holms im Umgang mit seiner Biografie finden sich aber interessante Indizien.

Neben der handschriftlichen Verpflichtungserklärung Holms für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gibt es viele interne Berichte über die Vorbereitung auf seine Offizierslaufbahn. So wird erstmals offensichtlich, dass Holm eine Art Schulungskurs für seine Stasi-Tätigkeit bei der staatlichen Jugendorganisation FDJ durchlaufen hat. Die Stasi notierte dazu: „Im Rahmen der Aktivitäten im FDJ-Bewerberkollektiv der BV Berlin, der Betreuung und Schulung, zeigte er kontinuierlich großes Interesse und machte sich mit den außerordentlich hohen Anforderungen an einen Tschekisten vertraut.“ Tschekist war der interne Begriff für Stasi-Angestellte.

Von der Prüfung der Uni hängt auch seine politische Karriere ab

Holm, dessen Vater ebenfalls bei der Stasi tätig war, dürfte also von Anfang an gewusst haben, auf welche Karriere er sich einlässt. Wie berichtet, hatte Holm in der Wendezeit im Herbst 1989 als Offiziersschüler bei der DDR-Geheimdienstpolizei begonnen. Nach einer militärischen Grundausbildung hat er nach eigenen Angaben in einer Schreibstube Betriebsberichte zusammengefasst und verfasst. Dabei hat er, so beteuert Holm, keine Berichte über Oppositionelle geschrieben.

In die Kritik geriet Holm wegen des Umstands, dass der Stadtsoziologe bei seiner Einstellung an der Humboldt-Universität 2005 seine hauptberufliche Stasi-Laufbahn verneint und stattdessen die falsche Angabe gemacht hatte, lediglich Wehrdienst beim Stasi-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ absolviert zu haben. Dies führte zu einem ersten Koalitionskrach im neuen rot-rot-grünen Bündnis. Die Linke, deren Bausenatorin Katrin Lompscher Holm als ihren Staatsekretär durchgesetzt hatte, beharrte aber trotz Rücktrittsforderungen seitens SPD und Grünen auf der Personalie. In einer Krisensitzung verständigte sich die Koalition darauf, die erneute personalrechtliche Überprüfung von Holm durch die Humboldt-Uni abzuwarten. Sollte diese negativ ausfallen, dürfte Holm auch politisch nicht zu halten sein, heißt es aus Senatskreisen.

Die Stasi-Unterlagen-Behörde will weiter nach Akten forschen

Die Stasi-Akten-Behörde forscht indes weiter nach Unterlagen, die Holms genaue Tätigkeit bis zum Untergang des MfS 1990 erhellen. Bisher erlauben die (vielfach geschwärzten) Akten eher einen Blick hinter die Kulissen der Stasi, die Offiziersbewerber peinlich genau durchleuchtete; etwa nach Kriterien wie: „Wurden Freundschaften zum anderen Geschlecht vom Elternhaus befürwortet?“; oder: „Welche Trinkgewohnheiten dominieren: allein/mit Freunden/bei sich bietenden Gelegenheiten/bei Problemen und Konflikten?“. Zudem wird deutlich, dass die Stasi die Offizierslaufbahn von Holm zu verschleiern suchte. So wurde seine begonnene Stasi-Zeit in seiner Bewerbung für ein Journalistik-Studium nur als Wehrdienst im Ministerium des Innern gekennzeichnet.

Der Humboldt-Uni liegen die Stasi-Akten zu Holm vor; ebenso Senatorin Lompscher. Holm, der sich am Freitagabend einer öffentlichen Debatte mit Stasi-Experten stellen will, hat von der Uni eine Frist gesetzt bekommen: Bis Montag muss er Stellung nehmen. Danach will die Uni zeitnah entscheiden – und dann der Senat.

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