Steglitz-Zehlendorf : "Mach’s gut, Kreisel"

Nach langem Hick-Hack hat des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf das Asbest-Hochhaus geräumt. Die Verwaltung ist jetzt über den Bezirk verstreut. Zum Abschied gab's Schnittchen und Blasmusik.

Christian van Lessen
Steglitz Kreisel
Der Umzugsbeauftragte Joachim Schadeck. Die Arbeitsplätze von 700 Mitarbeitern wurden gepackt. -Foto: Uwe Steinert

Gerührt war Freitagvormittag die Stimmung im 24. Stock, beim „Leichenschmaus“ mit belegten Brötchen. „Time to say Goodbye“ spielten Bläser der Musikschule vor dutzenden von Amtsleuten. Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) sprach von der Sorge um die Zukunft des Kreisels, von der Sicht auf ein Stahlgerippe (die Asbest-Fassade muss runter), vom drohenden Abriss. „Mach’s gut, Kreisel“, rief der Personalratsvorsitzende Yusuf Atci. Sven Lemiss, als Geschäftsführer der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) neuer Hausherr, erhielt Beifall, als er sagte: „Es ist klares Ziel, das Gebäude zu erhalten.“ Es gebe Interessenten und die Aussicht auf ernst zu nehmende Verhandlungen. Das versüßte den Abschied.

Dann ging’s in den Aufzügen hinab, Norbert Kopp schloss das Rathaus Steglitz-Zehlendorf ab, gerade noch hatte er dessen bürgerfreundlichen Standort gerühmt. Stahlbauer Peter Schulz, der einst das Haus mitbaute, sprach von einem „traurigen Tag“. Aber man könne noch was Schönes aus dem Kreisel machen.

Nun aber hat die BIM das „Leerstandsmanagement“ übernommen. Aufzüge müssen in Betrieb bleiben, das Dach mit den Antennen braucht Zugänge. Letzte Möbel sind auch noch da. Wann die 17 Millionen Euro teure zweijährige Sanierung des 29-stöckigen Hauses an der Schloßstraße beginnt, ist offen, hängt von den Verhandlungen mit Interessenten ab. Vor Ende 2008 wird es nicht sein.

Der Kreisel werde jetzt dem Liegenschaftsfonds zum Verkauf angeboten, sagte Lemiss, verschiedene Unternehmen hätten angefragt, Büros, Wohnungen, Hotel – alles sei möglich. Vielleicht könnte ein Käufer auch die Asbestsanierung übernehmen. Nur so viel aber sei sicher: Das Rathaus werde nicht wieder einziehen, was sich Norbert Kopp und Yusuf Atci und viele im Bezirksamt wünschen. Kopp kritisierte den Umgang des Landes mit dem (Flachtrakt-)Miteigentümer des Kreisels, Becker & Kries. Er habe Verständnis, dass dieser auf Weiterbetrieb des Hochhauses geklagt habe.

Gut 27 Jahre dauerte die schwierige Beziehung zwischen Bezirksamt und Kreisel (Namensspender war ein früher geplanter Kreisverkehr). Vor dem Einzug war der von der Architektin Kressmann-Zschach hochgezogene Rohbau durch Pleiten, Zwangsversteigerungen und öffentliche Bürgschaften zum Sinnbild Berliner Bauskandale geworden. Schnell stellte sich heraus: Der Bau ist asbestbelastet. Der Personalrat schlug Alarm. Es gab Teilsanierungen, Stückwerk. Im Juni 2006 beschloss das Abgeordnetenhaus, den gesundheitsgefährlichen Kreisel zu räumen und 700 Bedienste auf andere Standorte zu verteilen: Vor allem aufs Rathaus Zehlendorf, das alte Rathaus Lankwitz, das einstige Gebäude des Verfassungsschutzes an der Clayallee/Auf dem Grat. Über 15 Millionen Euro kosten Umzug und Umbauten. Lemiss rechnete vor, das Land spare durch die Aufgabe des Kreisels in den nächsten Jahren 50 Millionen Euro. Statt des teuren Hochhauses könnten nun dauerhaft wesentlich günstigere Gebäude genutzt werden. Oliver Schruoffeneger, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen, erklärte dagegen, die Schließung sei keine Einsparung. „Nun fallen täglich hohe Bewirtschaftungs- und Sicherungskosten für ein leer stehendes Gebäude an, das zudem noch mehr zum städtebaulichen Schandfleck im Zentrum von Steglitz wird.“Christian van Lessen

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