Steglitzer Shoppingmeile : Mieter wechsle dich an der Schlossstraße

Die Steglitzer Schlossstraße ist Berlins zweitgrößte Einkaufsstraße mit vier Shoppingcentern. Doch allmählich scheint der Markt gesättigt: Damit jedes Center ausreichend Publikum anziehen kann, wechseln die Läden munter zwischen den Standorten. Jetzt zieht der größte Markt um und eröffnet am Donnerstag.

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Der neue „Foodcourt“. Die Center-Gastronomie hat jetzt 1000 Sitzplätze, zum Teil auf Terrassen im Grünen.
Der neue „Foodcourt“. Die Center-Gastronomie hat jetzt 1000 Sitzplätze, zum Teil auf Terrassen im Grünen.Foto: Thilo Rückeis

Die Steglitzer Schlossstraße ist im Umbruch. Bei den Shoppingcentern nimmt Berlins zweitgrößte Einkaufsstraße mit vier Standorten sogar bundesweit den Spitzenplatz ein. Doch offensichtlich gab es nicht genügend anziehende Läden für alle Center: Die Läden wechseln von einem Einkaufszentrum ins andere.

In dem vor einem halben Jahr eröffneten „Boulevard Berlin“ auf dem ehemaligen Wertheim-Kaufhausgelände standen anfangs viele Läden und Lokale leer. Doch am Donnerstag eröffnet dort um 6 Uhr früh ein Saturn-Markt, und auch eine Gastronomie-Etage mit 1000 Sitzplätzen in Cafés und Restaurants ist neu.

Saturn ist der bislang größte Umzügler in der Straße. Zwölf Jahre lang war der Elektronikmarkt schräg gegenüber im Geschäftshaus Schlossstraße 110 ansässig. Am neuen Standort belegt er 11.000 Quadratmeter in drei Etagen. Die Verkaufsfläche sei „vergleichbar etwa mit dem Saturn am Alexanderplatz oder im Europa-Center“, sagt Geschäftsführer Jens Seemann.

Dass seine Filiale sich sogar als die größte bewirbt, begründet er mit der „besonderen Architektur“ der Räume. Diese ermögliche es, auf 4,6 Regal-Kilometern „mit Abstand am meisten Ware zu präsentieren“. Durch ein Shop-in-Shop-Konzept mit Verkaufsstellen von mehr als 70 Markenanbietern „gleicht der Markt einer Technikmesse“, sagt Seemann. Die Mitarbeiterzahl sei um 80 auf 200 gewachsen.

Bildergalerie: Die Steglitzer Schlossstraße im Wandel

Steglitzer Schlossstraße im Wandel
Wahrzeichen der Schlossstraße. Der „Bierpinsel“-Turm ist seit einer Kunstaktion im Jahr 2010 nicht mehr rot, sondern bunt. Links im Hintergrund: Das wegen Asbestbelastung leer stehende Hochhaus des Steglitzer Kreisels.Weitere Bilder anzeigen
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26.09.2012 19:16Wahrzeichen der Schlossstraße. Der „Bierpinsel“-Turm ist seit einer Kunstaktion im Jahr 2010 nicht mehr rot, sondern bunt. Links...

Der Wechsel ins neue Center lag vor allem im Interesse von dessen Bauherr Multi Development. Dem Investor „ging es darum, Saturn als Ankermieter herüberzuziehen“, sagt der Steglitz-Zehlendorfer Bürgermeister und Wirtschaftsstadtrat Norbert Kopp (CDU). Saturn zahle im Boulevard Berlin „sicherlich nicht die gleiche Miete“ wie am alten Standort.

Tatsächlich läuft der alte Mietvertrag des Elektronikmarkts an der Schlossstraße 110 noch bis 2015, und Saturn zahlt bis dahin weiter. Der dortige Vermieter Terra-Contor beklagt einen „Verdrängungskampf“. Auch die Sportkette Intersport hat das Geschäftshaus verlassen und verkauft nun im Forum Steglitz. Intersport ersetzt dort Karstadt Sport, das wiederum seit dem Frühjahr im Boulevard Berlin ansässig ist.

An der Schlossstraße 110 verbleiben unter anderem Hugendubel, die Postbank und ein Fitnessstudio. Zur künftigen Nutzung der frei gewordenen Flächen sagt der Vermieter wegen „laufender Verhandlungen“ zurzeit nichts.

Elektronikmärkte und große Modemarken gelten als unverzichtbar für eine hohe Kundenfrequenz in Centern. Das wissen auch die Betreiber des 2007 eröffneten „Schloss-Strassen-Centers (SSC)“ am Walther-Schreiber-Platz. Es hatte sich nie gut etabliert, viele Läden standen leer – bis im Juli der irische Textildiscounter Primark Hauptmieter in zwei Etagen wurde. Dafür mussten kleinere Geschäfte weichen, manche von ihnen zogen in den Boulevard Berlin.

SSC-Centermanagerin Ilona Krautwald spricht von einer „sehr erfolgreichen Revitalisierung“. Das Einkaufszentrum locke viel mehr Touristen an – und mehr Kunden aus dem Berliner Umland. Das sehe sie an den Autokennzeichen im Parkhaus. Auch insgesamt finde die Straße eine größere Akzeptanz.

Aus Sicht von Bürgermeister Kopp ist „der Markt für Verkaufsflächen in der Schlossstraße gesättigt“. Es komme jetzt darauf an, „mit neuen Marken mehr Publikum anzuziehen“ – und das scheine in jüngster Zeit gut zu gelingen. Genügend Potenzial habe die Straße jedenfalls, nicht zuletzt wegen der guten Verkehrsverbindungen.

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