Streit um Ferienwohnungen : Airbnb kündigt angeblich Vermietern in Berlin

Airbnb wirft Anbieter von Ferienwohnungen in Berlin hinaus - das meldet "Die Zeit". Demnach könnte das verschärfte Gesetz zu Ferienwohnungen erste Wirkung zeigen.

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Zimmervermittler. Die Berlin-Zentrale von Airbnb.
Zimmervermittler. Die Berlin-Zentrale von Airbnb.Foto: Jenas Kalaene/dpa

Schluss mit Urlaubslaune: Ende April läuft die zweijährige Übergangsfrist für die Vermietung von Ferienwohnungen ab. Danach dürfen Wohnungen nur noch mit dem Okay der Bezirksämter Touristen überlassen werden.

Der Ferienwohnungsvermittler Airbnb zieht daraus offenbar erste Konsequenzen: Wie die "Zeit" berichtet, bereinigen die Betreiber des Internetportals das Angebot. Zahlreichen Vermietern sei gekündigt worden. Die Wochenzeitung beruft such auf eigene Recherchen und die des Portals airbnbvsberlin.de, das Daten von Airbnb ausgewertet hat.

Gesetz verschärft

Das Gesetz selbst ist gerade noch einmal verschärft worden: Jetzt drohen Geldbußen von bis zu 100.000 Euro (früher 50.000 Euro). Außerdem müssen Betreiber von Online-Portalen wie Airbnb auf Verlangen der Ämter ihre Daten zu den Vermietern herausgeben. Kunden müssen obendrein darauf hingewiesen werden, dass fürs Vermieten eine Erlaubnis notwendig ist. Außerdem können Ferienwohnungen seit kurzem auch anonym gemeldet werden. Unter www.berlin.de/zweckentfremdung ist ein Hinweisformular zu finden, in das nur die Straße der betreffenden Wohnung und die Hausnummer eingegeben werden müssen.

Weniger komplette Wohnungen

Insgesamt sei die Zahl komplett vermieteter Wohnungen von 11.000 im Februar 2016 auf um die 6700 im März gesunken, heißt es in dem Vorabbericht. Die Anzahl komplett vermieteter Wohnungen von vermutlich kommerziellen Betreibern, die mehr als nur eine Wohnung anbieten, habe sich sogar mehr als halbiert - von weit über 2000 auf weniger als 1000. Der Anteil am Gesamtangebot soll sich demnach von 21 auf 15 Prozent verringert haben. Vor zwei Jahren waren es noch 30 Prozent.

Wie die "Zeit" weiter berichtet, habe Airbnb vielen Anbietern gekündigt. Die Mails, die an die Vermieter verschickt wurden, gingen auf eine Entscheidung „automatisierter Systeme“ zurück, ließ das Unternehmen wissen: Airbnb führe routinemäßig „Initiativen zur Qualitätssicherung“ durch.

Kritik am Gesetz zu Ferienwohnungen

In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel hatte Airbnb-Manager Chris Lehane das Berliner Zweckentfremdungsverbot kritisiert. Es sei nicht zeitgemäß. Er verwies zudem auf eine von seinem Unternehmen in Auftrag gegebene Umfrage, wonach die Mehrheit der Berliner das Home Sharing über Airbnb begrüße und sich klare und einfache Regeln wünsche, um das eigene Zuhause auch in Zukunft mit Gästen teilen zu können.

Airbnb ist in 192 Ländern und in über 35.000 Städten vertreten. Profitabel ist das Geschäft für die Firma, die mittlerweile an der Börse mehr wert ist als so mancher Hotelkonzern, allerdings noch nicht. Schätzungen zufolge machte der Zimmervermittler im vorigen Jahr etwa 150 Millionen Euro Verlust.

Unter haeuserkampf.tagesspiegel.de gibt es ein Dossier des Tagesspiegels über das Thema Ferienwohnungen: Wir erzählen, wie Firmen die Stadt als Spekulationsmasse nutzen. Und wie ganz normale Berliner versuchen, sich dagegen zu wehren.

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