Streit um Schulschließung in Forst : Drei Kinder der vierten Klassen an Krebs erkrankt

Zufall oder Umweltskandal? Bei Viertklässlern in Forst in der Lausitz wurden Tumore festgestellt. Der Standort ihrer Grundschule gilt als schadstoffbelastet. Die Brandenburger Behörden haben nun Untersuchungen veranlasst. Sie sehen aber keinen Grund, den Unterricht zu verlagern.

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Schule dicht wegen Schadstoffbelastung? Nach drei Krebsfällen an der gleichen Schule wird darüber in Forst gestritten.
Schule dicht wegen Schadstoffbelastung? Nach drei Krebsfällen an der gleichen Schule wird darüber in Forst gestritten.Foto: dpa, Peter Endig

„Mindestens elf Kinder werden nach den Ferien nicht in die Schule zurückkehren“, sagt Bernd Schneider. „Ihre Eltern haben genau wie ich große Angst, dass die Schule kontaminiert ist.“ Bernd Schneiders Tochter besucht die erste Klasse der Grundschule Nordstadt in der Grenzstadt Forst im Spree-Neiße-Kreis. Sie ist eine von rund 300 Schülern: Drei von ihnen, alle aus der Klassenstufe 4, sind in den vergangenen Monaten an Krebs erkrankt.

Eltern finden es unverantwortlich, dass der Unterricht weitergehen soll

„Wir finden es unverantwortlich, dass der Unterricht weitergehen soll, bevor nicht geklärt ist, ob die Krankheiten in Zusammenhang mit der Verseuchung des Bodens am Standort der Schule steht“, meint Schneider. „Wir handeln nicht unverantwortlich“ sagte der stellvertretende Forster Bürgermeister Sven Zuber (CDU) am Samstag dem Tagesspiegel. „Wir haben Ende Februar von den drei Krebsfällen erfahren und sofort die zuständigen Behörden informiert. In Abstimmung mit Schul- und Gesundheitsamt des Landkreises wurden Raumluftuntersuchungen angeordnet, zudem wurden die Schadstoffbelastungen überprüft.“

Eine DDR-Textilreinigung hinterließ am Standort der Schule Bodengifte

Denn der Standort, das weiß man in Forst, ist tatsächlich seit vielen Jahren belastet. Die DDR-Firma „Lausitzer Textilreinigung Forst“ hatte Schadstoffe hinterlassen, die schon 2003 zur Sperrung mehrerer Spielplätze in der Neißestadt führten. Damals hatten sich unterirdische Bodengifte ausgebreitet, wahrscheinlich durch leicht flüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) hervorgerufen, die von der Reinigungsfirma jahrzehntelang als Lösungsmittel genutzt wurden.

Der Landkreis habe sich damals um die Beseitigung der Umweltschäden gekümmert, soweit das möglich war, sagt Vize-Bürgermeister Zuber: „Außerdem gibt es seither ein ständiges Monitoring, und wir haben gemeinsam mit dem Umweltamt sofort geprüft, ob Grenzwerte überschritten wurden. Das war nicht der Fall.“ Im Übrigen sei die Schule erst vor zehn Jahren grundlegend saniert worden.

Im Rathaus spricht man von einer "unglücklichen Krankheitshäufung".

Dennoch hätten sich in der Woche vor den Osterferien alle zuständigen Behörden und Experten an einen Tisch gesetzt und nach eingehender Beratung entschieden, die Schule vorerst nicht zu schließen. „Wir gehen davon aus, dass es sich um eine unglückliche Häufung der Krankheitsfälle handelt.“ Dass alle Kinder am gleichen Krebs erkrankt sind, wollte Zuber nicht bestätigen.

Für Bernd Schneider ist das kein Argument – im Gegenteil. Er habe selbst von 2005 bis 2009 an der Schule als Hausmeister gearbeitet, sagt er. Weil er bei den zuständigen Behörden immer wieder großflächigen Schimmelbefall angemahnt habe, sei eine Be- und Entlüftungsanlage gebaut worden, vielleicht habe die das Gift quasi in die Schule gesaugt, befüchtet er.

Für den stellvertretenden Bürgermeister sind das alles reine Spekulationen. „Es gibt bislang keinerlei Hinweise auf irgendwelche Schadstoffe in der Schule“, sagt er. „Wenn die Messungen etwas anderes ergeben, würden wir natürlich sofort handeln“. Darüber seien alle Eltern am 26. März in einem Brief informiert worden. Sobald die Ergebnisse der Luftuntersuchung vorliegen, werde es eine Informationsveranstaltung mit verschiedenen Experten geben, kündigt er an.

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