Stromunfall am BER : "Festhalten an Imtech ist unverantwortlich"

Am BER wird ein Arbeiter bei einem Stromunfall verletzt. Die Firma Imtech gerät erneut ins Zwielicht – nach dem Korruptionsfall und der Insolvenz.

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Die Helmpflicht gilt am BER noch ziemlich lange, mindestens bis Herbst 2017 - sofern alles glatt läuft. Doch daran gibt es mal wieder Zweifel.
Die Helmpflicht gilt am BER noch ziemlich lange, mindestens bis Herbst 2017 - sofern alles glatt läuft. Doch daran gibt es mal...Foto: Patrick Pleul/dpa

Die Ingenieure am BER waren schwer verärgert – und alarmiert: „Wir haben leider erst gestern Nachmittag durch Dritte und den ,Baustellen-Buschfunk’ erfahren, dass es am 29.06.2015 zu einem Elektrounfall mit Personenschaden durch Lichtbogeneinwirkung gekommen ist“, heißt es in einem Schreiben vom 30. Juni an das Unternehmen Imtech, und weiter: „Sollten wir nicht umgehend von Ihnen hören, müssen wir den Bauherren empfehlen, den Betrieb einzustellen.“

Einen Tag später platzt den BER-Ingenieuren der Kragen: Der „unendlich geführte E-Mail Verkehr“ sei „nicht zielführend“, beschwert sich der Geschäftsleiter des Ingenieurbüros, „gemäß der Architektenvollmacht ordnen wir hiermit an, kompetente und aussagefähige Mitarbeiter ... zu entsenden, um ... einen Maßnahmenplan zur Sicherstellung des Flugbetriebs der Start- und Landebahn Süd zu erarbeiten.“

"Gefahr im Verzug"

Die internen Schreiben, die dem Tagesspiegel vorliegen, sind in mehrfacher Hinsicht brisant. Demnach wurde ein Unfall am BER mit einem verletzten Arbeiter nicht ordnungsgemäß gemeldet – der Mann soll Verbrennungen an der Hand erlitten haben, als er einer Stromleitung zu nahe kam. Zudem gerät abermals die umstrittene Firma Imtech ins Zwielicht – zusätzlich zum bekannten Korruptionsfall und der Insolvenz.

Drittens drängt sich die Frage auf: Wie kann ein Unfall im noch nicht für den Betrieb zugelassenen Terminal ein Sicherheitsrisiko für den laufenden Flugbetrieb bedeuten? Die Ingenieure erkennen jedenfalls am 1. Juli auf „Gefahr im Verzug“ und ordnen an, dass Imtech „ab sofort“ jeweils am Vortag eine exakten Plan einzureichen hat – inklusive „Schaltberechtigung des entsprechenden Mitarbeiters“.

Ist der Unfall für den Flugbetrieb relevant?

An den beiden darauffolgenden Tagen finden zwei Besprechungen statt, beteiligt sind Mitarbeiter vom TÜV, der Flughafengesellschaft, von Imtech und des Ingenieurbüros. Das Ergebnis laut Protokoll ist, dass „Gefahr im Verzug nicht besteht“. Die Begründung für diese Einschätzung ist allerdings rein formell. Die Beteiligten haben sich lediglich darauf verständigt, dass nicht sein kann, was nicht sein darf („... keinen Einfluss auf den Flugbetrieb haben kann und darf“.) Der TÜV verlangt eine Klärung – „unverzüglich“.

Klar ist, dass es „Schnittstellen“ gibt zwischen dem nicht abgenommenen Terminal und der in Betrieb genommenen, neuen südlichen Startbahn – auch solche, die „betriebsnotwendig“ sind. Klar ist auch, dass der Unfall Schäden angerichtet hat – und dass es im betroffenen Abschnitt nur einen Trafo gibt. Die Ingenieure befürchten bei Überlastung auch eine „Abschaltung“, die für den Flugbetrieb relevant ist – genannt werden der Mobilfunk und die Flugwarnbefeuerung.

"Festhalten an Imtech ist unverantwortlich"

Die Flughafengesellschaft erklärte am Sonnabend, der Unfall habe keinerlei Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Ein Imtech-Sprecher wies darauf hin, dass es sich um einen „selbstverschuldeten Unfall eines Arbeiters eines Subunternehmens“ gehandelt habe. Der Untersuchungsausschuss-Vorsitzende Martin Delius sagte, „angesichts der Art und Weise, wie sich Imtech gegen Transparenz und Zusammenarbeit auf der Baustelle wehrt“, sei „ein Festhalten an der Firma durch die FBB unverantwortlich“.

Wegen der Imtech-Insolvenz hatte Karsten Mühlenfeld, Chef der Flughafengesellschaft, von einer Verzögerung von zwei bis drei Wochen gesprochen. Allerdings waren die Rückstände auf der Baustelle schon zuvor größer als bisher bekannt. In der letzten Aufsichtsratssitzung Anfang Juli bezifferte Technikchef Jörg Marks nach Tagesspiegel-Informationen die Rückstände in einigen Bereichen auf bis zu sechs Wochen, für andere sogar auf bis zu drei Monate. Die größten Rückstände gibt es demnach bei der Planung und dem Umbau der Entrauchungsanlage. Bis September soll ein neuer Meilenstein-Plan vorgelegt werden.

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