Subventionen : Staatsoper: Teure Kultur

Die niedrigen Ticketpreise für Bühnen und Orchester werden mit hohen Landeszuschüssen erkauft. Pro Karte für die Staatsoper gibt das Land 186,10 Euro dazu.

Die Berliner Kultur ist ein wichtiger Standortfaktor. Sie zieht Touristen an und hält Menschen dauerhaft in der Stadt, die Theater- und Konzertbesuche, den Bummel durch Gemäldegalerien und Museen für ein gutes Lebensgefühl brauchen. Aber: Viele Kultureinrichtungen werden vom Land Berlin hoch subventioniert, und nicht jeder ist damit einverstanden, dass die Staatsoper Unter den Linden für jeden zahlenden Besucher einen staatlichen Zuschuss von 186,10 Euro (2009) erhält.

Die Staatsoper liegt damit an der Spitze. Gefolgt von der Volksbühne (Zuschuss pro Ticket: 184 Euro), der Komischen Oper (181,10 Euro), der Deutschen Oper (171,40 Euro), der Schaubühne (161,90 Euro), dem Konzerthaus (141,60 Euro), dem Deutschen Theater (120 Euro) und dem Maxim-Gorki-Theater (117,40 Euro). Mit deutlich geringeren Subventionen kommen die Kinder- und Jugendbühnen aus. Das Theater an der Parkaue bekommt je zahlendem Zuschauer 88,70 Euro und das Grips-Theater nur 40,40 Euro. Die Philharmoniker erhalten 64,70 Euro pro Kopf, die Neuköllner Oper erhält lediglich 44 Euro, und der Friedrichstadtpalast begnügt sich mit einer Finanzspritze des Landes von 24,20 Euro je Zuschauer.

Nach einem Bericht der Kulturverwaltung über die finanzielle Entwicklung der Berliner Theater und Orchester hilft die öffentliche Förderung den Kultureinrichtungen, die Preise für die Eintrittskarten niedrig zu halten. In jedem Fall niedriger als beispielsweise in München oder Hamburg. So kostet ein Ticket für die Sprechbühnen im Durchschnitt zwischen 9,80 Euro in der Volksbühne und 17,50 im Deutschen Theater. Die Preise der Kinder- und Jugendtheater liegen sogar nur bei 5,30 Euro (Parkaue) und 8,60 (Grips). Spitzenreiter sind die Staatsoper, die von jedem Besucher durchschnittlich 44,10 Euro nimmt, der Friedrichstadtpalast (40,40 Euro) und die Philharmoniker (40,20 Euro). Wer viel Gesang für weniger Geld haben will, sollte in die Neuköllner Oper (12 Euro) oder die Komische Oper (21,50) gehen. Auch das Konzerthaus ist mit 20,60 Euro je Ticket recht preiswert.

Die private Konzertveranstalterin Jutta Adler glaubt aber nicht, dass die Hauptstädter international übliche Preise nicht zahlen könnten. „Sie sind es einfach nicht gewohnt.“ Dahinter stecke „altes West-Berliner Mauerdenken und Subventionsmentalität“. Man müsse sich doch nur einmal anschauen, was freiwillig für Auftritte von Popstars ausgegeben werde. Die Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus, Alice Ströver (Grüne), beklagt, dass es in Berlin seit vielen Jahren keine nachvollziehbaren Kriterien für die öffentliche Förderung der Berliner Kultureinrichtungen gebe. „Dieses Problem rückt immer stärker in den Fokus.“ Auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) kritisiert in einer neuen Tagesspiegel-Serie, dass „in Berlin alles immer billig sein soll“. Diese Erwartung überfordere das Land. za/FH

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