Berlin : Suche nach dem Münzturm

Archäologen warten auf den Palast-Abriss

Helmut Caspar

Unter Archäologen hält sich die Trauer über den Abriss des Palastes der Republik in Grenzen. Stück für Stück wird Erich Honeckers ehemaliger Prestigebau abgetragen – und während noch über die Herrichtung der Brache diskutiert wird, freuen sich die Berliner Archäologen schon auf die neue Grabungssaison: Sobald der Palast verschwunden ist, werde man mit der Suche nach den Fundamenten des Münzturms beginnen, sagt Karin Wagner, leitende Bodendenkmalpflegerin im Landesdenkmalamt.

Vor 300 Jahren stürzte der Turm in sich zusammen und wurde dann nie wieder aufgebaut. Bisherige Grabungen nach dem ehemals zum Berliner Schloss gehörigen und nach einer hier untergebrachten Geldfabrik benannten Turm hätten zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt. Sollten Spuren des Münzturms gefunden werden, würde man sie auch der Öffentlichkeit präsentieren, so wie jetzt bereits Reste der Schlosskeller besichtigt werden können. Übrigens: Schlossbaumeister Schlüter wurde wegen der verkorksten Konstruktion des Münzturms 1706 unehrenhaft aus dem Amt des Hofbaumeisters entlassen.

Die Münzturmfundamente sind laut Wagner nicht die einzigen Grabungsziele der Berliner Archäologen. So haben jetzt Untersuchungen in den Kellern und im Hofbereich der Alten Börse in der Köpenicker Altstadt begonnen. Bei der Börse handelt es sich um einen palaisartigen Bau aus dem 18. Jahrhundert. Die Wissenschaftler versprechen sich von den Arbeiten neue Einsichten in die Entstehungsgeschichte der ehemals selbstständigen Stadt vor den Toren Berlins.

Fortgeführt wird auch die „Spatenforschung“ auf dem Spandauer Burgwall, in dessen Umkreis Reste einer mittelalterlichen Handwerkersiedlung ausgemacht wurden. Die Funde lassen darauf schließen, dass hier schon in einer sehr frühen Periode Holz und Eisen verarbeitet wurden.

Interessante Grabungen gibt es auch in Biesdorf-Süd. Sie belegen die Existenz einer germanischen Siedlung im ersten und zweiten Jahrhundert. Karin Wagner zufolge liefern die freigelegten Pfostengruben und zahlreiche Brunnenreste wertvolle Hinweise zum Aussehen germanischer Dörfer.

Die vielen Grabungsfunde aus dem Berliner Raum seit dem Fall der Mauer werden, sorgsam restauriert und beschriftet, bis zum 7. Januar 2007 im Museum für Vor- und Frühgeschichte gezeigt. Dort sind auch Terrakottaplatten und Schmuckziegel von Schinkels Bauakademie in der Nähe des Berliner Stadtschlosses zu sehen. Sie erhalten Bedeutung, wenn es irgendwann einmal an den originalgetreuen Wiederaufbau des Hauses gehen sollte. Danach sieht es allerdings im Moment nicht aus.

Die Sonderausstellung „Vom Rand und aus der Mitte“ im Langhansbau des Charlottenburger Schlosses, Spandauer Damm 22, ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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