Süßes Verlangen in Berlin : Zuckerskulpturen verstecken sich im Berghain

Nichts ist süßer als Zucker - das weiß auch der australische Künstler Joseph Marr seit seiner Kindheit. Erinnerungen an verbotene Süßigkeiten haben ihn inspiriert, Kunst aus seinem Verlangen zu machen. Die Ausstellung seiner süßen Skulpturen liegt nun in Berlins bekanntestem Club.

Alison Haywood
Schön süß. Der australische Künstler Joseph Marr fertigt Skulpturen aus Zucker.
Schön süß. Der australische Künstler Joseph Marr fertigt Skulpturen aus Zucker.Foto: dpa

Auf seinem berühmtesten Kunstwerk haben viele Berliner schon mal ihre Ellenbogen abgelegt. Oder ihren Drink abgestellt. Zumindest diejenigen, die es ins Berghain geschafft haben. An der sogenannten Klobar des Clubs schlängeln sich orangefarbene Figuren durch den Tresen, verschlungene nackte Körper. Was viele nicht wissen: Die Figuren sind aus Zucker. „Togetherness“ heißen die Skulpturen des Künstlers Joseph Marr.

Der Australier, der seit 2007 in Deutschland lebt, spielt mit dem Verlangen. Früher war das Zucker, heute sind es eher nackte Körper. Die Erinnerungen an die verbotenen Süßigkeiten, nach denen er sich als Kind sehnte, haben ihn dazu inspiriert, das erwachsene mit dem kindischen Verlangen zu Kunstobjekten zu kombinieren. Die Figuren symbolisieren das hinduistische Verständnis von Verlangen: eine Falle, die schön aussieht, aus der man jedoch nicht so leicht wieder entkommt. Wer sie anfasst, bleibt am Zucker kleben.

Die Skulpturen im Berghain sind Männern nachempfunden, die gerne in dem Club tanzen – oder Mitarbeitern. „Alle meine Skulpturen sind echte Menschen“, sagt Marr, der wegen der Liebe aus Sydney nach Deutschland zog und ein Atelier in Neukölln hat. Mit einem 3-D-Scanner scannt der 33-Jährige sie ein und macht daraus eine Silikonform, die wie ein Negativ fungiert. Dann gießt er eine Masse aus Zucker und Kunstharz hinein. Zum Abschluss trägt er Lack auf, damit die Skulptur fest wird und nicht schmilzt. So können Betrachter der Versuchung nicht erliegen.

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