Berlin : SUPER AUSREDEN

Dicker Hund. Hat er die Pläne für den Flughafen gefressen? Sieht fast so aus. Foto: dpa
Dicker Hund. Hat er die Pläne für den Flughafen gefressen? Sieht fast so aus. Foto: dpaFoto: picture-alliance / dpa

Sehen wir den Realitäten ins Auge: Es ist völlig unmöglich, noch Witze über den Flughafen BER zu machen – zu traurig das Ganze. Es ist zugleich völlig unmöglich, keine Witze über den BER zu machen – zu lustig das Ganze. Was machen wir da? Wir horchen noch mal in uns. Was hören wir? Mitleid mit den Machern. Ja, die haben versagt. Aber haben wir das nicht alle mal? Wir wollen helfen. Ausreden müssen her, überzeugende. Wo gibt es die? Im Internet. In Schülerforen. Wir haben da mal was zusammengetragen:

1. Der Hund hat die Pläne gefressen.

Der Klassiker unter den Ausreden. „Sorry, Frau Meier, ich habe zwei Stunden an Mathe gesessen, ich schwör’, aber dann kam Blacky und hat das ganze Heft ...“ Ist im Angesicht eines Großprojekts nicht völlig überzeugend, aber hey: Schlimmer werden kann’s eh nicht.

2. Meine Mutter ist krank.

Angesichts der Zahl der am Flughafendesaster Beteiligten müsste es natürlich eher heißen „Unsere Mütter sind krank“. Unglaubwürdig? I wo. Das sind ja alles Männer in den besten Jahren, die Erzeugerinnen, so noch auf dieser Welt, ergo etwas darüber hinaus. Top-Manager, die ihre alten kranken Mütter pflegen? Damit ist der Sprung aus der Skandalberichterstattung zur Homestory gesichert.

3. Der Bus hat sich verfahren ...

... weil der Busfahrer zugekokst war. Obwohl das keine mehrjährigen Verspätungen bei Flughafenbauten rechtfertigt – schön ist die Ausrede allemal. Und punktuelle Schönheit ist das Einzige, was bleibt, wenn alles in Trümmern liegt.

4. Die Straßenbahn hatte einen Platten.

„Und die musste ich nehmen, weil der Bus sich verfahren hatte ...“ Ach ja.

5. Ach, Sie wissen schon, das Cern ...

Eine Variation der Hundeausrede, nur diesmal mit dem alles verschlingenden schwarzen Loch. Denn das wird kommen. Und einen Flughafen braucht hier dann eh keiner mehr.

6. Meine Hand steckt im Automaten fest.

Ob wegen Zigaretten oder Getränken – höhere Gewalt zieht immer.

7. Mein Flugzeug durfte nicht landen.

Im Klassenzimmer originell, auf der Pressekonferenz anlässlich der neunten Aufschiebung der BER-Eröffnung auf Spätherbst 2023 schlicht „der Oberbringer“, wie die jungen Leute von heute zu sagen pflegen. PR-Strategen könnten es sich nicht besser ausdenken – wer eh der Depp der Nation ist, fährt gar nicht so schlecht damit, sich schließlich freiwillig die Clownsmaske aufzusetzen. A propos „setzen“ – jetzt nochmal ganz im Ernst, ihr Lieben: Setzen, 6.

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