Synchronsprecher : Der Quaksalber

Ein Berliner leiht Donald Duck seit Jahrzehnten seine Stimme. Diesen Freitag erklärt er im BKA-Theater, wie das genau geht.

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Kein Grünschnabel. Peter Krause, 54, übte den Entenlaut schon als Kind. Foto: Mike Wolff
Kein Grünschnabel. Peter Krause, 54, übte den Entenlaut schon als Kind. Foto: Mike Wolff

Es hört sich eigentlich ganz einfach an: Man presst die Zunge an den Gaumen, sammelt viel Spucke in einer Wange und bläst kräftig Luft hindurch. Bei Peter Krause klingt das Ergebnis wie Donald Duck. Bei anderen Menschen klingt es ... na ja, auf jeden Fall nicht nach dem berühmten schnatternden Enterich. Krause erklärt auch, warum: „Einige Jahre muss man das Quaken schon üben.“ Der 54-Jährige muss es wissen. Im Alter von zehn Jahren fing er an, wie Donald zu sprechen, seit 23 Jahren ist der Schöneberger dessen deutsche Synchronstimme.

An diesem Freitagabend erzählt der Duck-Experte im BKA-Theater in Kreuzberg aus dem spannenden Leben des Enterichs, das nun schon 77 Jahre währt. So verrät Krause unter anderem, warum Donald nie eine Hose trägt und warum die beliebteste Cartoon-Figur der Welt immer ein wenig, aber nie ganz zu verstehen ist. Außerdem zeigt Krause zahlreiche seltene Filmausschnitte in fünf Sprachen, darunter Teile des mit einem Oscar prämierten, im deutschen Fernsehen nie gezeigten US-amerikanischen Propaganda-Cartoons „Der Fuehrer‘s Face“ von 1943. Quaken und schnattern wird Krause auch, allerdings nicht immer, denn sonst ist rasch die Stimme weg. Wenn Krause aber quakt, ist es, als würde der kleine Choleriker und liebenswerte Pechvogel Donald in seinem Matrosenanzug direkt vor den Zuschauern einen seiner Wutausbrüche bekommen. „Ich bin doch auch nur ein Mensch“, sagt Enterich Donald mal. Es ist Krauses Lieblingssatz.

Schon früh kommt Krause zur Ente, doch lange sieht es nicht so aus, dass er aus seinem Talent jemals einen Broterwerb machen wird: Als Kind lebt er in den 60er Jahren in New York, sieht dort im Fernsehen Zeichentrickfilme. Zurück in Deutschland verbringt der damals Zehnjährige die Sommerferien bei einem Cousin, der ihn in die Geheimnisse des Quakens einweiht. Bald schon erfreut Krause seine Eltern morgens im Schlafzimmer und seine Lehrer und Mitschüler im Klassenzimmer mit fröhlichem Entisch. Später wird Krause freier Rundfunkjournalist, seine Passion für Donald und Entenhausen bleibt ein Hobby. Das ändert sich erst, als er 1982 von München nach Berlin zieht, hier zufällig einen lieblos synchronisierten Cartoon im SFB sieht und dem Sender daraufhin anbietet, Donald neues Leben einzuquaken. Doch das Interesse ist gleich null – Anfang der 80er befindet sich die internationale Cartoon-Branche in einem großen Tief.

Das ändert sich 1988 mit dem Riesenerfolg „Roger Rabbit“ schlagartig. Plötzlich will Walt Disney alle Zeichentrickfilme neu synchronisieren und möchte auch, dass Donald nun – anders als zuvor – überall auf der Welt gleich klingen soll. Krause besinnt sich nicht lange und schlägt beim Vorquaken in den Synchronstudios in Westend ein wie eine Comic-Bombe: Das Studio füllt sich mit immer mehr Mitarbeitern, alle sind begeistert vom neuen Donald.

Seitdem hat Krause Hunderte Donald- Filme synchronisiert und im Laufe der Jahre auch einige Kollegen aus anderen Ländern getroffen: den französischen Donald zum Beispiel und auch den hebräischen. Der niederländische wird von einer Frau gesprochen. „Wenn sich zwei Donalds treffen, wird es immer sehr lustig. Denn beide wissen: Der andere ist genauso bekloppt wie man selbst“, erzählt Krause. Auch heute im BKA-Theater will er nicht allein schnattern, sondern die Zuschauer auf ihr Quak-Vermögen testen. – Bis zum Abend ist zum Glück noch ein bisschen Zeit zum Üben. Eva Kalwa

Ab 20.30 Uhr, Mehringdamm 34. Eintritt 11-17 Euro. Infos unter Tel. 20 22 007.

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