Tadshikische Teestube : Auf ein letztes Glas

Seit 1974 gibt es die „Tadshikische Teestube“ im Palais am Festungsgraben, ursprünglich ein Geschenk der Sowjetunion Jetzt wird der märchenhafte und traditionsreiche Ort, angepriesen in vielen Reiseführern, geschlossen.

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Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie in Zentralasien.Weitere Bilder anzeigen
Doris Spiekermann-Klaas
25.02.2013 14:36Pelmeni und Piroggi. Nach einem Jahr Abstinenz kann man in Mitte nun bei der neuen Inhaberin Olga Schöning trinken und essen wie...

Im ersten Stock des Palais am Festungsgraben im Kastanienwäldchen hinter der Neuen Wache stehen Dutzende Schuhe vor den hellen Flügeltüren. Durch die gelangt man, barfuß oder auf Strümpfen, in die weithin bekannte „Tadshikische Teestube“. Im größeren Teil des hohen, von geschnitzten Sandelholzsäulen flankierten Raumes liegen kuschelige Sitzkissen und bunte Decken vor niedrigen Tischen, an denen die Gäste lässig lagern, sofern sie nicht den Schneidersitz bevorzugen. Dann kommt Igor, der Oberkellner aus Litauen, mit der Karte. Wenn schon, denn schon: Wir ordern die „Russische Teezeremonie für zwei“, daran hatten, nehmen wir mal an, schon Zar Nikolaus und Wladimir Uljanow, genannt Lenin, ihre Freude. Hier kommt ein großer silberner Heißwassersamowar, darauf thront ein Kännchen mit Teesud, dazu gibt’s fünf Sorten Zucker, Konfitüre, Fondant, Rumrosinen, Orangeade, Zitronat, Gebäck und einen eiskalten Wodka für 7,50 pro Nase. Nasdarowje!

Wir hätten auch 15 weitere Sorten Tee bestellen können, dazu Borschtsch, Soljanka, Piroggen, Bliny und Pelmeni – Russlands Sattmacher und Seelentröster. Denn die braucht man: Die orientalische Trinkzeremonie im Herzen Berlins wird jäh beendet. Ab 1. Mai bleibt die Teemaschine kalt und die Teestube geschlossen – eine Tradition verduftet und verdampft.

Vor 38 Jahren, 1974, war die Restauration eine Attraktion im sowjetischen Pavillon auf der Leipziger Messe, wo man sie am Ende komplett der DDR-Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft (DSF) schenkte. Die baute sie in ihr Zentrales Haus am Kastanienwäldchen, das frühere Preußische Finanzministerium, ein, und da steht sie noch heute. Ist beliebt bei Gästen aus aller Welt, wie Igor sagt, weil sie in jedem Reiseführer als kulinarische Insel und Attraktion für Leute gepriesen wird, die sich einfach mal hinlümmeln wollen. Oder die nach dem Besuch im „Theater im Palais“ noch ein Glas trinken möchten.

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