Tag der langen Stadtnatur : Biologie-Expedition mit dem Smartphone

Mit dem Handy die Natur entdecken – eine von 500 Aktionen beim Langen Tag der Stadtnatur. Ob Rinder im Wald oder Bienen auf dem Mensadach - am Sonnabend entdecken Berliner, was ihnen meist verborgen bleibt.

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Was ist denn das für ein Kraut? Biodiversitätsinformatiker Falko Glöckler zeigt eine App für Smartphones, mit der man Infos zu Tieren und Pflanzen bekommt. Wie hier zum Gilbweiderich im Botanischen Garten in Dahlem. Sonntag veranstaltet er damit Führungen beim langen Tag der Stadtnatur. Foto: Thilo Rückeis
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Die Köpfe gesenkt, die Finger immer in Bewegung. E-Mail, Spiele, Facebook. Ohne Handy können die meisten Berliner nicht mehr. Nun sollen sie damit sogar die Natur um sich herum entdecken. Mit einer App, einem Handyprogramm. Das wünscht sich jedenfalls Falko Glöckler vom Naturkundemuseum. „Wir wollen die Leute dazu animieren, in die Natur zu gehen, um Tiere und Pflanzen mittels moderner Technik kennenzulernen“, sagt Glöckler. Er zeigt am Sonntag im Botanischen Garten, wie das geht.

„Naturbeobachtung mit dem Smartphone“ ist nur eine von 500 Veranstaltungen am 6. Langen Tag der Stadtnatur. Der hat Überlänge, beginnt am Sonnabend um 16 Uhr und endet am Sonntag um 18 Uhr. Mit nur einer Eintrittskarte kann man entdecken, welche Pflanzen im Hinterhof wachsen oder welche Tiere sich beim Joggen im Park im Gebüsch verstecken. In Spandau grasen Wasserbüffel auf den Tiefwerder Wiesen. Auf dem Wannsee geht es im Kanu zu Graureihern und Kormoranen. Auf dem Dach der HU-Mensa in Mitte summen Bienen. Einen Schwerpunkt legen die Veranstalter der Stiftung Naturschutz Berlin und die vielen freiwilligen Helfer auf „Urban Gardening“, also das Gärtnern in der Stadt.

Glöckler konzentriert sich im Botanischen Garten auf die heimische Natur, Eichhörnchen, Rotbuche, Knoblauchrauke. „Damit man die wiedererkennt in der Nachbarschaft“, sagt der Biodiversitätsinformatiker. Biodiversität bedeutet biologische Vielfalt. Und die ist in der Großstadt Berlin reichlich vorhanden. Hier leben Waschbären, Biber, unzählige Vogelarten.

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Die Idee zur App hatte der Physiker Daniel Zitterbart von der Universität Erlangen. Er zähle mittlerweile 5000 aktive Nutzer am Tag und 45 000 Downloads, sagt er. Mit GPS-fähigen Mobiltelefonen gibt es Infos über die Artenvielfalt in der Umgebung. Ob wieder Habichte am Roten Rathaus nisten und ob in der Nähe Bärlauch für das selbstgemachte Pesto wächst. Das ist jedenfalls der Plan. Noch sind wenige Tiere und Pflanzen in Berlin erfasst. Beim Klick auf integrierte Links zum Onlinelexikon Wikipedia gibt’s detaillierte Infos.

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Um zu wissen, welche Tiere durch die Nachbarschaft kriechen, greift die App auf die Datenbank GBIF zu. Dort sind etwa 1,3 Millionen Arten weltweit gelistet, mitsamt Orten, an denen sie entdeckt wurden. Es gibt auch von Nutzern zusammengestellte Listen wie „Schlangen Mitteleuropa“ und „Vögel Deutschland“. Die informieren dann unabhängig vom genauen Standort des Nutzers. Die Freizeitforscher können auch mithelfen, die Datenbank zu vergrößern: Pflanzen oder Tiere fotografieren, benennen und das Bild hochladen. Dann diskutiert die Gemeinschaft, ob der Kolkrabe nicht doch eine Saatkrähe ist. Ist man sich einig, fließen die Daten ins Projekt. Die App gibt’s vorerst nur für Android-Geräte, iPhone und Windows sollen bald folgen.

Entwickler Zitterbart arbeitet derweil am nächsten Schritt: In ein paar Jahren, so ist der Plan, erkennt das Programm automatisch, was der Naturfreund da fotografiert und welcher Vogel da gerade singt.

Sonntag 11-12 Uhr, 14-15 Uhr, Treffpunkt: Königin-Luise-Straße 6-8, Eingangshalle Botanisches Museum, Anmeldung erforderlich unter Telefon 2639 4141. Die kostenlose Handy-App „Tiere und Pflanzen bestimmen“ gibt es im Google Play-Store, Infos auf www.anymals.org

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