Berlin : Taxifahrer drohen mit Boykott des Flughafens Streit um Tarife immer noch nicht gelöst

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Langstrecke. Foto: dpa
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Kein Taxi zum neuen Flughafen in Schönefeld? Was unglaublich klingt, könnte Wirklichkeit werden. Auch fünf Monate vor der Eröffnung des Flughafens Berlin Brandenburg ist immer noch nicht geregelt, unter welchen Vorgaben Taxifahrten stattfinden werden. Sollte es keine Einigung geben, schließt das Berliner Gewerbe sogar einen Boykott des neuen Flughafens nicht aus. Jetzt hat die Senatsverkehrsverwaltung einen neuen Anlauf gemacht und dem Landkreis Dahme-Spreewald einen geänderten Entwurf vorgelegt. Die Antwort werde in dieser Woche erwartet, sagte die Sprecherin der Verkehrsverwaltung, Daniele Augenstein. Sollte sie für die Berliner nicht zufriedenstellend ausfallen, kann es auch hier zu Protestaktionen kommen.

Die Crux liegt an der Lage des neuen Flughafens. Er ist im Prinzip der Flughafen Berlins, liegt aber auf Brandenburger Gebiet. Und dort ist für das Taxigewerbe der Landkreis Dahme-Spreewald zuständig, der die Interessen der rund 200 Taxifahrer aus dem LDS-Gebiet vertritt, die am Flughafen auf Kunden warten.

Schon heute sollten Fahrgäste darauf achten, in welches Taxi sie steigen. Wählen sie ein Fahrzeug mit LDS-Kennzeichen, sind längere Fahrten nach Berlin teurer als bei den Berliner Kollegen, weil unterschiedliche Tarife gelten. Durchgesetzt haben die LDS-Fahrer, dass sie sich in Schönefeld derzeit nicht in die Schlange einreihen müssen, sondern sich an der Spitze einordnen dürfen. Fahrgäste können aber auch in der Schlange das Taxi frei wählen und gezielt mit dem – derzeit noch – billigeren Berliner Kollegen fahren.

Nach den bisherigen Vorstellungen sollte in Zukunft generell bei Fahrten vom Flughafen nach Berlin der LDS-Tarif gelten, bei Fahrten aus der Stadt zum Flughafen aber die Berliner Preise gezahlt werden. Dagegen wehrt sich das Berliner Gewerbe vehement. Weil viele Taxameter nur zwei Tarifsysteme aufnehmen können, müsste in Berlin die Kurzstrecke entfallen. Außerdem könne der Fahrgast leicht betrogen werden, wenn ein Fahrer auch innerhalb Berlins den teureren LDS-Tarif einschalte, heißt es.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Ortskundeprüfung, die LDS-Fahrer auch für Berlin im Landkreis ablegen sollen. Die Vorgaben dort seien erheblich leichter zu erfüllen als in Berlin, heißt es im Berliner Gewerbe. Es gebe bereits Fälle, dass Fahrer, die in Berlin gescheitert seien, die Prüfung im Landkreis erfolgreich absolviert haben und nun ohne große Ortskenntnis in Berlin unterwegs seien.

Der stellvertretende Landrat Wolfgang Schmidt verteidigt die Linie des Landkreises mit dem Hinweis, bisher seien die Schönefelder Fahrer den Berlinern entgegengekommen und hätten zugelassen, dass diese Fahrgäste am Flughafen aufnehmen dürfen. Allein hätten die Schönefelder die Nachfrage auch gar nicht befriedigen können, kontern die Berliner. Sie wollen am neuen Flughafen zwei getrennte Halteplätze schaffen – für Fahrten nach Berlin mit den Berliner Regelungen und für alle anderen Ziele mit den LDS-Bestimmungen.

Fest steht, dass Fahrten zum künftigen Flughafen etwas teurer werden als bisher, denn der Weg zum künftigen Abfertigungsgebäude ist knapp drei Kilometer länger als derzeit zum Terminal. Nach sieben Kilometern beträgt der Kilometerpreis in Berlin derzeit 1,28 Euro.

Dass die Berliner Fahrer dadurch mehr Umsatz machen, bezweifelt man im Gewerbe, weil man annimmt, dass viele Passagiere mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren werden. Anders als Tegel ist der neue Flughafen auch auf der Schiene bestens zu erreichen, und die Fahrt kostet beim derzeitigen Tarif nur drei Euro.

Taxifahrten nach Schönefeld kosten heute aus der City-West etwa 34 Euro, aus der City-Ost rund 30 Euro. Die Fahrt nach Tegel ist vom Bahnhof Zoo für etwa 18 Euro zu haben, vom Alexanderplatz für rund 22 Euro. Klaus Kurpjuweit

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