Taxifahrer in Tegel pinkeln wild : Großer Ärger ums kleine Geschäft

Viele Taxifahrer am Flughafen Berlin-Tegel sparen sich die 30 Cent Toilettengebühr und gehen lieber in die Büsche am Parkplatz. Das ist peinlich, findet auch die Taxi-Innung. Alle Appelle sind aber bisher ungehört verhallt - dabei gäbe es eine Lösung.

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Taxis am Flughafen Tegel.
Taxis am Flughafen Tegel.Foto: dpa

Am Flughafen Tegel gibt es Streit um die Toilettengebühr für Taxifahrer. Sie müssen auf dem zentralen Nachrückeplatz 30 Cent bezahlen. Das sehen viele Droschkenkutscher nicht ein – und schlagen sich in die Büsche. Sehr zum Leidwesen der Flughafengesellschaft, die jetzt schriftlich von den Taxiverbänden Abhilfe verlangt hat. Eine Lücke im ohnehin nur flachen Zaun des Taxi-Nachrückeplatzes führt direkt auf die Zufahrt zum dahinterliegenden Mitarbeiterparkplatz neben dem Parkhaus P5. In Spitzenzeiten, wenn der Platz belegt ist, strebt hier alle paar Minuten ein Taxifahrer dem Mini-Wäldchen zwischen dem Parkplatz und dem Zaun des Flugzeug-Rollweges zu.

Vor vier Jahren hat die Flughafengesellschaft eine neue Taxi-Ordnung für Tegel eingeführt. Seit gut einem Jahr wird der Nachrückeplatz vom Parkhausbetreiber Apcoa betreut. Nur saubere und gepflegte Fahrzeuge, deren Fahrer auch Kreditkarten akzeptieren, erhalten den zur Einfahrt für den Nachrückeplatz benötigten Transponder. Knapp die Hälfte der rund 7400 Berliner Taxis ist nach Angaben der Innung damit ausgestattet. Pro Einfahrt wird eine Nutzungsgebühr von 50 Cent berechnet, die anschließend auf den Fahrpreis aufgeschlagen wird.

Neben der Ausfahrt des Nachrückeplatzes steht ein Toilettenhäuschen, getrennt in einen Damen- und einen Herrenbereich. Dort wird eine Nutzungsgebühr von 30 Cent erhoben, weil die Toiletten im Interesse der Sauberkeit verpachtet wurden, wie auf einem Schild zu lesen ist. Die Entscheidung, ob die Benutzung gebührenpflichtig ist, liegt beim Flughafen, sagt Apcoa-Sprecher Tilman Kube.

Wer das Geld sparen will, kann kostenlos die Toiletten im Terminal oder im Mietwagencenter nutzen. Die Argumente einiger Kollegen, dass ihnen der Weg dorthin zu weit ist und sie bei einem plötzlichen Fahrgastandrang nicht den Anschluss verlieren wollen, lässt der Vorsitzende der Innung des Berliner Taxigewerbes nicht gelten. „Das ist nahezu lächerlich“, sagt Uwe Gawehn. Er bezeichnet das Verhalten der Kollegen als „beschämend“ und „peinlich“. Durch sie werde die ganze Branche in ein schlechtes Licht gesetzt.

„Es sind einige wenige Taxifahrer, die hier eine schlechte Visitenkarte abgeben“, sagt Flughafen-Sprecher Lars Wagner. Man appelliere an deren gute Kinderstube. Die Innung hat das Schreiben der Flughafengesellschaft in der Verbandszeitschrift veröffentlicht, alle Mitglieder per E-Mail angeschrieben und Aushänge am Nachrückeplatz selbst gemacht. Darin wurden die Betreffenden aufgefordert, ein solches Verhalten künftig zu unterlassen. „Mehr als an die Leute appellieren können wir aber nicht“, so Uwe Gawehn.

Einen Einsatz des Ordnungsamtes, das wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ einschreiten könnte, lehnt das Bezirksamt Reinickendorf ab. „Da haben wir wichtigere Sachen zu tun“, so der zuständige Stadtrat Martin Lambert (CDU). Seine Mitarbeiter müssen unter anderem ständig darauf achten, dass die Busspuren und Rettungswege am Flughafen nicht zugeparkt werden. Die Pinkel-Problematik müsse auf dem kleinen Dienstweg zwischen den Beteiligten geregelt werden, so der Kommunalpolitiker. „Persönlich würde ich sagen, die Toilettengebühr müsste wie in einem Lokal inbegriffen sein, da die Taxifahrer bereits für die Nutzung des Nachrückeplatzes zahlen“, sagte Lambert.

Die Flughafengesellschaft will jetzt mit den Taxifahrern auch über die Toilettengebühr reden. „Wir halten es für sinnvoll, uns zeitnah mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen“, erklärte Lars Wagner. Das „Taxi Management System“ von Apcoa wäre eine geeignete Sanktionsmöglichkeit, sagt Unternehmenssprecher Kube. Hier werden die Taxis nach einem Punktsystem bewertet, bei Ausstattungsmängeln oder Regelverstößen der Fahrer gibt es Abzüge. Je mehr Punkte ein Taxifahrer hat, desto schneller rückt er in den Warteschlangen vor. „Aktuell haben wir jedoch keine Handlungsbefugnis“, sagt Kube.

Am künftigen Flughafen Berlin Brandenburg, wo Apcoa ebenfalls den Zuschlag für das Taxi-Management erhalten hat, wird es nach dem derzeitigen Planungsstand kostenfreie Fahrertoiletten geben, so Tilman Kube. Hier wird auch das „Taxi Management System“ eingeführt. Das sieht zudem auch noch vor, dass Fahrer, die nach langer Wartezeit nur eine wenig lukrative Kurzstreckenfahrt bekommen haben, bei einer Rückkehr zum Airport bevorzugt behandelt werden.

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