Tegel-Architekt am BER : Gerkan: Von Flughafen zu Flughafen

Meinhard von Gerkan, Architekt von Tegel und BER, schimpft in Tegel vor allem über den Hauptbahnhof – und muss sich in seinem alten Gebäude erst mal wieder zurechtfinden.

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Friede, Freude, Flughafen. Im Juni 2011 waren Meinhard von Gerkan, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (von links) in Tegel noch optimistisch, BER ein Jahr später eröffnen zu können. Foto: dpa
Friede, Freude, Flughafen. Im Juni 2011 waren Meinhard von Gerkan, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs...Foto: dpa

Es ist sein Werk. Und er zeigt es auch. Lässig hat er die Tasche um die Schulter gehängt. Wichtig ist die Aufschrift: „I love Tegel“. Und er liebt ihn wirklich – den Noch-Flughafen, den er vor mehr als 40 Jahren konzipiert hat. „Bitte die Taschen kaufen und damit auf die Straßen gehen“, fordert Meinhard von Gerkan am Sonntag auf dem Frühjahrsempfang des Bundes Deutscher Architekten, der, wie könnte es bei diesem Gast anders sein, im Flughafengebäude Tegel stattfand.

Zusammen mit seinem Partner Volkwin Marg hatte Gerkan kurz nach Abschluss des Studiums den Flughafen der kurzen Wege entwickelt. Seit gut 30 Jahren sei er nicht mehr in den Obergeschossen des Gebäudes gewesen, sagt er dem Tagesspiegel. Und da habe er den Weg zu den Toiletten schon etwas suchen müssen.

Kein Wunder, inzwischen plant sein Büro gmp fast weltweit meist große Bauten. In Berlin hat es zuletzt den BER-Flughafen entworfen. Zum Desaster, das zum Rauswurf des Büros geführt hat, will Gerkan am Sonntag nichts sagen. Schließlich will er die Gespräche mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn nicht belasten, die zu einer Rückkehr eines Teils der gmp-Mitarbeiter führen sollen – in dem von Mehdorn gegründeten „Sprint“-Team, das den Abschluss der Arbeiten beschleunigen soll. „Der Flughafen ist so gut wie fertig“, sagt von Gerkan lediglich. Es sei aber nur eine Frage der Zeit, wann er sich detailliert äußern werde.

Doch ob er und Mehdorn, der auch eingeladen war, aber abgesagt hatte, noch einmal im Leben Freunde werden, ist zumindest zweifelhaft. Ihre Zusammenarbeit beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs führte zu Klagen vor Gericht. Und auch am Sonntag wetterte von Gerkan erneut gegen das von Mehdorn damals veranlasste Kürzen des Glasdaches und den Einbau einer einfachen Flachdecke statt einer Gewölbekonstruktion im Untergeschoss. Auf Fotomontagen zeigt von Gerkan dann, was ihn immer noch so wurmt: Das abgeschnittene Dach vergleicht er mit einem Segelschiff, dem einfach am Bug und Heck Masten gekappt werden. Und bei der Decke ersetzt er ein von Säulen getragenes historisches Gewölbe durch eine Flachkonstruktion, bei der von den Pfeilern nur noch ein Stumpf bleibt. Das Publikum ist amüsiert. Mit der Decke habe er sich abgefunden, sagt von Gerkan. Aber beim Dach hoffe er, dass die Bahn die für 2015 vorgesehene dreimonatige Sperrung der Ost-West-Gleise wegen Reparaturarbeiten nutze, um die Anlage doch noch zu verlängern. „Technisch ist es möglich, man muss nur wollen.“

Dass draußen in Tegel weiter Flugzeuge starten und landen, stimmt von Gerkan „nicht traurig“. Die Nachnutzung, bei der gmp erneut mitplant, werde „durch uns“ behindert, weil BER noch nicht am Netz sei, meint er selbstironisch. Mehr will er ja noch nicht sagen.

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