Tempelhof-Besetzung : Polizist zog plötzlich seine Waffe

Bei einer Festnahme während der Besetzer-Aktionen am Flughafen Tempelhof hat ein Zivilpolizist seine Dienstwaffe gezogen. Er sah eine Bedrohung durch heranstürmende Demonstranten. Aktivisten bestreiten das.

Tanja Buntrock
gezogene Waffe
Ein Zivilpolizist zieht seine Waffe; ein Polizeisprecher hilft ihm bei der Festnahme, ein weiterer läuft telefonierend herbei. -

Hat der Polizist, der während der Besetzer-Aktionen am Sonnabend am Columbiadamm seine Dienstwaffe zog, angemessen gehandelt oder nicht? Nachdem ein Foto dieser Festnahme-Szene auftauchte, bewegt diese Frage nicht nur die Organisatoren von „Squat Tempelhof“, sondern wird auch im Internet ausführlich diskutiert und kommentiert.

Was war passiert? Laut Polizei beobachteten zwei Zivilfahnder gegen 15.20 Uhr einen Mann, der dabei war mit einer Zange den Maschendrahtzaun am Columbiadamm aufzuknipsen. Einer der Zivilbeamten nahm den Aktivisten fest. Bei der Festnahme sollen rund 20 in schwarz gekleidete Täter „in aggressiver Haltung“ auf den Beamten zugerannt sein, wie es bei der Polizei hieß. Dies sei auf dem Foto nicht zu sehen gewesen. Zu seinem eigenen Schutz habe der Fahnder dann seine Dienstwaffe gezogen, dabei aber nicht auf Menschen gezielt, „sondern sie demonstrativ auf den Boden gerichtet“. Der Festgenommene liegt dabei am Boden. Es gibt aber auch Bilder, die vermuten lassen, dass der Polizist auf die auf ihn Zustürmenden zielte und die Waffe in dem Moment senkt, als die Autonomen die Hände heben.

Auf den Fotos ist auch ein Beamte in Uniform – es ist der Pressesprecher der Berliner Polizei – zu sehen: Er kniet ebenfalls halb auf dem am Bodenliegenden Tatverdächtigen. „Dass der Pressesprecher bei der Festnahme beteiligt ist, hat damit zu tun, dass er dem Beamten zur Hilfe kam“, hieß es bei der Polizei. Der Kompagnon des Zivilbeamten habe im Zivilfahrzeug gesessen und über Funk Verstärkung geholt.

„Mit Erschrecken haben wir den Vorfall zur Kenntnis genommen“, kommentiert ein Sprecher von Squat Tempelhof die Szene. „Wir verurteilen das Vorgehen aufs Schärfste“, sagte er. Das Zücken der Dienstwaffe sei völlig unverhältnismäßig gewesen in jener Situation hätten ihm Aktivisten berichtet, die anwesend waren. „Das wird aufgearbeitet werden müssen“, sagt der Sprecher. Auch die Grünen wollen das Thema am heutigen Montag im Innenausschuss ansprechen.

Ebenso befassen sich etliche Kommentare auf www.tagesspiegel.de mit dem Foto. So heißt es beispielsweise: „Das rechtfertigt nie und nimmer die Androhung des Einsatzes der Schusswaffe. Schusswaffengebrauch nur, wenn das eigene Leben bedroht ist, was hier überdeutlich nicht gegeben war.“ Die Polizei widerspricht dem. Alle Kollegen hätten richtig gehandelt. Der Fahnder habe so gehandelt, wie es im Einsatztraining geübt wird. Zudem sei zu sehen, dass er den Finger neben dem Abzug habe und nicht am Abzug. Tanja Buntrock

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