• Tempelhofer Feld und mehr: Wahlen in Berlin: Wowereit: Bürgerwille gilt, Planungen sind einzustellen

Tempelhofer Feld und mehr: Wahlen in Berlin : Wowereit: Bürgerwille gilt, Planungen sind einzustellen

Die Berliner haben am Tag der Europawahl auch über das Tempelhofer Feld entschieden - und gegen den Vorschlag des Abgeordnetenhauses gestimmt. Auch die Kleingärtner haben gesiegt. Unser Blog zum Nachlesen.

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Gute Nacht auf dem Tempelhofer Feld. Zumindest für die Bebauungsgegner.
Gute Nacht auf dem Tempelhofer Feld. Zumindest für die Bebauungsgegner.Foto: dpa

Unsere Reporter waren für Sie den ganzen Tag über in der Stadt unterwegs und berichten auch in der Wahlnacht über Freude, Enttäuschung und Unterhaltsames vom Rande. Außerdem können Sie in unserem Blog noch einmal nachlesen, wer beim Tempelhofer Feld was genau will, wie die Pläne des Senats aussehen und was in der Laubenkolonie Oeynhausen passiert. Für Sie berichten unter anderem die Tagesspiegel-Redakteure Frank Bachner, André Görke, Axel Gustke, Ulrich Zawatka-Gerlach, Markus Hesselmann, Sabine Beikler, Karin Christmann, Sidney Gennies, Werner van Bebber, Mohamed Amjahid und Tilmann Warnecke.

00.59 Uhr: Auch das Ergebnis für den Volksentscheid zur Bebauung des Tempelhofer Feldes steht nun fest, um kurz vor ein Uhr waren 99,9 Prozent der Stimmen ausgezählt.:

Insgesamt haben 64,3 Prozent für die Initiative "100 Prozent Tempelhofer Feld" gestimmt, 35,7 Prozent stimmten gegen einen Erhalt der Freifläche. Für den Entwurf des Abgeordnetenhauses stimmten 40,8 Prozent der Berliner, 59,2 Prozent hingehen lehnten die Randbebauung ab. Die Aufschlüsselung für die einzelnen Bezirke erfahren Sie hier. Die Wahlbeteiligung in Berlin betrug 46,1 Prozent.

Das vielfältige Treiben auf dem Tempelhofer Feld
Das Tempelhofer Feld: Faszinierend und polarisierend zu gleich. Die Fotografin Andrea Ramsteck hat uns erlaubt, ihre Impressionen zu teilen
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1 von 106alle Fotos: Andrea Ramsteck
28.01.2014 14:17Das Tempelhofer Feld: Faszinierend und polarisierend zu gleich. Die Fotografin Andrea Ramsteck hat uns erlaubt, ihre Impressionen...

00.25 Uhr: Die Landeswahlleiterin hat das amtliche Endergebnis für die Europawahl in Berlin bekanntgegeben. In Prozent erzielten die Parteien in der Hauptstadt folgende Werte:

CDU 20,0 (-4,3); Grüne 19,1 (-4,5); SPD 24,0 (+5,3); Linke 16,2 (+1,5); FDP 2,8 (-5,9); Piraten 3,2 (+1,8); AfD 7,9 (+7,9); Sonstige 6,8 (-1,7). Die genauen Zahlen für die einzelnen Bezirke können Sie hier einsehen.

23.51 Uhr: Beim Bürgerentscheid Oeynhausen wird es noch dauern, bis alle Stimmen ausgezählt sind. Aber so viel lasse sich jetzt feststellen, teilte der Sprecher des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf, Karl-Heinz Metzger, dem Tagesspiegel mit: "Das Bürgerbegehren zur Rettung der Kleingartenkolonie Oeynhausen war erfolgreich. Das erforderliche Quorum von mindestens 10 Prozent der Stimmberechtigten wurde erreicht. 77 Prozent haben mit "ja" gestimmt, 23 Prozent mit "nein"." Das endgültige Ergebnis können Sie später hier einsehen.

23.45 Uhr: Mit dem Volksentscheid ist das Thema für Sie noch nicht beendet? Dann diskutieren Sie mit! „Scheitert die Stadtentwicklung am Sparkurs des Senats?“, ist an diesem Montag das Thema einer gemeinsamen Veranstaltung von Architektenkammer Berlin, Urania und Tagesspiegel. Es diskutieren Andreas Geisel, Bürgermeister von Lichtenberg (SPD), Stefan Evers, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, und Engelbert Lütke Daldrup, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Moderiert wird die Veranstaltung von Gerd Nowakowski, Leitender Redakteur des Tagesspiegels. Beginn: 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Berliner und die Europawahl. Das Ergebnis scheint sich deutlich von dem im Bund zu unterscheiden.
Berliner und die Europawahl. Das Ergebnis scheint sich deutlich von dem im Bund zu unterscheiden.Foto: dpa

23.40 Uhr: In Brandenburg haben die Sozialdemokraten zumindest die Europawahl klar gewonnen – gegen den Bundestrend. Die von Ministerpräsident Dietmar Woidke geführte SPD kam auf 26,9 Prozent, nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen. Es folgt die CDU, die letzten Herbst Sieger bei der Bundestagswahl war, mit 25 Prozent. Die Linken, Sieger der Europawahl 2009, stürzten auf 19,6 Prozent ab. Auf Anhieb kam die eurokritische Alternative für Deutschland auf 8,5 Prozent, weit über dem Bundesdurchschnitt. Die Grünen holten 6,1 Prozent, die FDP fiel auf 2,1 Prozent. Bei den Kommunalwahlen lieferten sich CDU und SPD dagegen ein knappes Rennen, wobei nach Auszählung von 93 Prozent der Stimmen die Union mit 24,9 Prozent vor der SPD ( 24,5 Prozent) und den Linken (20,2 Prozent) lag. Das Endergebnis wurde erst nach Mitternacht erwartet.

In Potsdam, regiert von SPD-Oberbürgermeister Jann Jakobs, bleiben die Linken im Stadtparlament stärkste Kraft. Und zwar mit rund 26 Prozent, vor der SPD mit 23,5 Prozent und der CDU mit knapp 16 Prozent. Das Regieren wird nicht einfacher, sagte Jakobs. Er schloss auch ein rot-rotes Bündnis nicht aus. In Dahme-Spreewald, wo in Schönefeld der Flughafen BER gebaut wird, wurde die SPD stärkste Kraft, ebenso im Havelland und in Teltow-Fläming. In Potsdam-Mittelmark,der Prignitz und der Uckermark, in Brandenburg an der Havel und Cottbus siegte die CDU. Der Ausgang der Kommunal- und Europawahlen gilt als wichtiger Test für die Landtagswahl am 14.September.

23.30 Uhr: Betroffen vom Volksentscheid ist auch der geplante Neubau einer Zentral- und Landesbibliothek – ein vom Regierenden Bürgermeister Wowereit initiiertes und gefördertes Projekt. Wegen drohender Kostensteigerungen auf mehr als 300 Millionen Euro war der Neubau auch ohne Volksentscheid stark gefährdet.

23.22 Uhr: Die CDU sieht das Ergebnis nicht anders als Senator Müller und der Regierende Bürgermeister Wowereit: „Wir haben schon vor der Abstimmung gesagt, dass wir den Bürgerwillen respektieren. Das ist eine Selbstverständlichkeit, und das gilt unverändert“, sagte Henkel. Er habe sich „dennoch ein anderes Ergebnis gewünscht“. Es sei eine Chance vertan worden, Berlin eine Perspektive für neuen und bezahlbaren Wohnraum in der Innenstadt zu geben, sagte Henkel. Für die CDU sei es wichtig, dass die Berliner Mischung erhalten bleibe. Das heißt, dass sich auch Menschen mit geringerem Einkommen Wohnen in der Innenstadt leisten können sollten.

23.02 Uhr: Warten auf die Endergebnisse. In der Kleingarten-Kolonie Oeynhausen und im Südblock feiern die Sieger ausgelassen. Die endgültigen Zahlen sind da fast schon nebensächlich.

22.49 Uhr: Noch mehr gute Nachrichten in der Kleingarten-Kolonie Oeynhausen: Am späten Abend tritt Christian Otto auf, er ist Jurist am Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität (TU). Die Entschädigungssumme für die Investoren, die der Bezirk zuvor auf 25 Millionen beziffert hat, liege wesentlich niedriger, sagt er. Otto geht von einer Million aus, im Höchstfall vom 2,5 Millionen. Das ist ein Zehntel der Summe ursprünglich veranschlagten Summe. Die Gutachten seien überholt, als Stichtag dürfe man auch nicht von 2014 ausgehen. Als das Grundstück 2008 verkauft wurde, sei es noch kein Baugrundstück gewesen.

22.40 Uhr: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sagte in einer ersten Reaktion, der „Volksentscheid zum Tempelhofer Feld hat ein klares Ergebnis, das akzeptiert werden muss“. Es sei bedauerlich, dass eine „moderate Randbebauung im Interesse des Wohnungsbaus“ nun nicht möglich ist. „Aber der Bürgerwille gilt, und dieses Votum darf nicht in Frage gestellt werden. Alle anderen Planungen sind einzustellen“, sagte Wowereit. Der Senat werde gleichwohl an anderen Orten weiter versuchen, Wohnungsneubau für alle Einkommensgruppen möglich zu machen und umzusetzen. Das bleibe eine der zentralen Aufgaben der Berliner Politik, sagte Wowereit.

„We are the Champions“, singen die Mitglieder der Kleingarten-Kolonie Oeynhausen am Sonntagabend.
„We are the Champions“, singen die Mitglieder der Kleingarten-Kolonie Oeynhausen am Sonntagabend.Foto: Cay Dobberke

22.30 Uhr: "Die Berlinerinnen und Berliner haben sich entschieden. Das nehme ich mit Respekt zur Kenntnis", gesteht der Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller, die Niederlage des Abgeordnetenhauses ein. "Dennoch bedaure ich die vergebene Chance, 4.700 dringend in der Innenstadt benötigte städtische Wohnungen auch für kleine und mittlere Einkommen bauen zu können." Der Senat werde aber nicht nachlassen, neuen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. "Berlin wächst, unabhängig vom heutigen Ergebnis, auch weiterhin", sagte Müller. "Das kann man nicht wegbeschließen." Es bleibe das Potential von rund 3.800 Wohnungen, die innerhalb des Innenstadtrings noch auf landeseigenen Flächen von den Wohnungsbaugesellschaften gebaut werden könnten und werden.

22.10 Uhr: Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf soll nicht gebaut werden: Die Bezirksstadträtin für Bürgerdienste, Dagmar König, bestätigt die Zahlen der Bürgerinitiative der Kleingarten-Kolonie Oeynhausen. "Es sind keine riesigen Veränderungen mehr zu erwarten", sagt König. "We are the Champions", stimmen die Kleingärtner gemeinsam an. Kleine ganz groß.

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