Teufelsberg : Abhöranlage soll Ausflugsort werden

21.03.2012 00:00 Uhrvon
  • Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das lange verbotenes Gelände war. Foto: AFP
    Der Teufelsberg ist eine der höchsten Erhebungen der Stadt. Laut einer Neuvermessung misst er nicht nur knapp 115, sondern 120,1 Meter. Auf ihm zu sehen ist ein Stück Berlin, das... - Foto: AFP
  • Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. Foto: AFP
    Die weißen Türme der Anlage auf dem Berg im Grunewald sind von weither zu sehen. - Foto: AFP
  • In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. Foto: AFP
    In ihnen befanden sich bis 1991 die Antennen, mit deren Hilfe US-Amerikaner und Briten den militärischen Funkverkehr in der DDR und anderen damaligen Ostblockstaaten verfolgten. - Foto: AFP

Die ehemalige Abhöranlage der Alliierten soll zum Ausflugsort werden. Zum ersten Mal sind sich Bezirk, Senat und Investor einig.

Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg soll nicht mehr hinter Zäunen verrotten, sondern ein öffentlicher Ort werden. Die Kölner Investorengemeinschaft um den Architekten Hartmut Gruhl plant jetzt eine Aussichtsplattform mit Café, ein Ausflugslokal, Veranstaltungssäle für Events, Kongresse und Hochzeiten, ein Museum und einen „historischen Parcours“. Und anders als bei seinen gescheiterten Neubauprojekten auf dem rund 115 Meter hohen Trümmerberg stehen Gruhls Chancen diesmal gut.

Am Montag traf sich Gruhl rund zwei Stunden lang mit Stadtentwicklungs-Staatssekretär Ephraim Gothe und dem Charlottenburg-Wilmersdorfer Baustadtrat Marc Schulte (SPD) in den Ruinen der Anlage, in der Amerikaner und Briten einst den Funk der Warschauer-Pakt-Armeen belauscht hatten.

Das Denkmalamt prüft noch einen Denkmalschutzantrag, den Gruhl 2011 gestellt hatte. Die Mehrheit in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützt ihn dabei.

Die markanten weißen Kuppeltürme seien „ein Wahrzeichen“ und als Relikte des Kalten Kriegs historisch bedeutsam, sagten Staatssekretär Gothe und Stadtrat Schulte übereinstimmend am Dienstag. Schulte zeigte sich den Ideen gegenüber „sehr aufgeschlossen“. Ein Problem sei nur die Lage mitten im Naturschutzgebiet Grunewald: Lärm und Verkehrsprobleme dürfe es nicht geben.

Bis Ende August wollen alle Beteiligten gemeinsam ein Konzept erarbeiten, um es der BVV und dem Abgeordnetenhaus vorzulegen. Vor einer neuen Nutzung muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Gothe sagte, der Verfall der Abhörstation sei „auf Dauer nicht zu ertragen“. Es gehe um eine „verträgliche und wirtschaftlich tragfähige“ Nutzung.

Große Pläne. Derzeit steht die ehemalige Abhörstation leer. Foto: Mike Wolff
Große Pläne. Derzeit steht die ehemalige Abhörstation leer. Foto: Mike Wolff

Erste Details hat sich Gruhl schon überlegt: Im größten Gebäude will er die zerfetzte Bespannung der beiden Kuppeln reparieren und die zweite Etage verglasen – darin sollen die Veranstaltungsräume entstehen. Das Museum zur Geschichte des Bergs plant er im alten Kantinengebäude. Besucher sollen ihre Autos auf einem Parkplatz an der Teufelsseechaussee abstellen und per Elektro-Shuttlebus nach oben gebracht werden. Ein in den Altbauten wohnender Hausmeister könnte die Anlage schützen. Dafür soll der Zaun verschwinden, der ungebetene Gäste ohnehin nicht abhält und häufig aufgeschnitten wird.

Drei bis fünf Millionen Euro will Gruhl investieren, er rechnet mit starkem Interesse der Berliner. Schließlich sind die Führungen, die es seit einem Jahr gibt, meistens ausgebucht. Gefragt ist die verfallene Anlage außerdem schon jetzt für exklusive Firmenpartys und Filmdreharbeiten.

Die Führungen durch die Abhörstation bietet das Unternehmen Berlin Sightout an.

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