Ticket am Arm : Flüchtlinge fahren nicht mehr schwarz

Armbändchen des Lageso gelten jetzt als Fahrkarte für die BVG. Eine gute Lösung, findet nicht nur die BVG.

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Neuangekommene Flüchtlinge erhalten jetzt am Lageso graue Armbändchen.
Neuangekommene Flüchtlinge erhalten jetzt am Lageso graue Armbändchen.Foto: Annette Kögel

Flüchtlinge ohne Fahrschein sollen künftig nicht mehr von BVG-Kontrolleuren belangt werden – ihre Armbändchen gelten ab sofort als Fahrkarte. Darauf einigten sich die BVG und der Senat am Freitag. Zuvor hatte es Kritik unter anderem von „Moabit hilft!“ gegeben, dass Flüchtlinge als Schwarzfahrer verfolgt würden und die BVG für die Durchsetzung ihrer Forderungen sogar Inkasso-Unternehmen losschickt.

„Was soll der Kontrolleur denn machen?“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz am Sonnabend. „Er kann ja nicht an manchen Menschen einfach vorbeigehen. Deshalb ist es gut, dass jetzt die Lösung mit den Armbändern gefunden wurde.“ Da es diese Einigung nun gibt, müsse geprüft werden, inwieweit bereits eingeleitete Inkasso-Vorgänge gestoppt werden könnten. Wenn die Heimleitungen von Flüchtlingsunterkünften Zahlungsaufforderungen bekämen, sollten sie sich an die BVG wenden, und man finde eine Lösung. Die Regelung gilt laut Senat nur für unregistrierte Flüchtlinge. „Wenn sie registriert sind, gilt das nicht mehr, denn dann haben sie den Berlin-Pass und Anspruch auf ein Sozialticket“, erklärte Monika Hebbinghaus von der Sozialverwaltung.

Neuankömmlinge bekommen in der Turmstraße beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) graue Armbändchen, mit denen sie dann zur Bundesallee können, um sich dort registrieren zu lassen. Altfälle, die bisher nur im Besitz einer Wartemarke sind, bekommen blaue Bändchen. „Wer nicht registriert ist, hat keinen Berlin-Pass und kein Taschengeld, und so sind die Armen notgedrungen schwarzgefahren“, sagte Lageso-Sprecherin Silvia Kostner am Sonnabend. Sie war noch gar nicht über die Neuerung informiert worden.
Bei „Moabit hilft!“ nahm man die Entscheidung erfreut zur Kenntnis. Mitarbeiter Laszlo Hubert regte es schon lange auf, wie die BVG die Flüchtlinge verfolgt. „Ich habe den Überweisungsträger selbst gesehen und auch selbst das Geld überwiesen“, sagte Hubert. „Gut, wenn das jetzt vorbei ist.“

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