Tierschutz in Berlin : Blitzerfalle für Eichhörnchen

Im März wurde ein Seil gespannt, damit Eichhörnchen lebend über den Müggelseedamm kommen. Nun soll der Erfolg per Videobeweis geprüft werden. Außerdem wird über weitere solche Querungshilfen nachgedacht.

von
Auf dem Sprung. Schilder weisen Passanten auf das Seil hin, das etwa sechs Meter über dem Müggelseedamm gespannt ist. Foto: Stefan Jacobs
Auf dem Sprung. Schilder weisen Passanten auf das Seil hin, das etwa sechs Meter über dem Müggelseedamm gespannt ist.Foto: Stefan Jacobs

Infrastrukturprojekte sind immer umstritten, zumal solche in öffentlich-privater Partnerschaft. Aber dieses hier scheint ein echter Erfolg zu sein: Vor vier Monaten wurde Berlins erste Eichhörnchenbrücke eröffnet. Jetzt berichtet Derk Ehlert, Wildtierexperte des Senats, von der Resonanz: „Es gibt glaubhafte Meldungen von Bürgern, die mehrfach Eichhörnchen auf dem Seil gesehen haben.“ Das vom Verein „Aktion Tier“ bezahlte und mithilfe des Bezirksamts Treptow-Köpenick montierte Tau überspannt den Müggelseedamm am Wasserwerk Friedrichshagen. Ein Mitarbeiter des benachbarten Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei hatte an der Stelle mehrfach überfahrene Eichhörnchen gesehen und das Thema zu Tierschützern und Behörden getragen. Die bauten am Seil auch Futterstellen, um den Hörnchen den Weg zu weisen.

„Das Futter wird eifrig herausgefressen“, berichtet die Biologin Ursula Bauer von der Aktion Tier. „Nun wollen wir eine Kamera mit Bewegungsmelder installieren, damit wir endlich ein schönes Beweisfoto bekommen.“ Um den vom Autoverkehr dezimierten Bestand zu päppeln, solle auch eine „Auswilderungsvoliere“ für junge Hörnchen errichtet werden.

Ein Seil für Eichhörnchen
Vorbeifahrende Autos werden diesen kleinen Nager und seine Artgenossen künftig wohl nur noch wenig beeindrucken. Für Eichhörnchen wurde am 07. März 2014 ein Seil über den Müggeldamm gespannt – damit können sie sicher die Straßenseite wechseln. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
1 von 7Foto: dpa
07.03.2014 12:33Vorbeifahrende Autos werden diesen kleinen Nager und seine Artgenossen künftig wohl nur noch wenig beeindrucken. Für Eichhörnchen...

Ehlert sagt, vor wenigen Tagen habe ein Anwohner von regelmäßiger Benutzung des Seils berichtet. Er sieht die Brücke auch „als freundliche Erinnerung daran, dass man als Verkehrsteilnehmer nicht allein auf der Straße ist“. Damit es jeder bemerkt, weisen Schilder auf das Seil hin. Nach Auskunft von Ehlert werden für Clayallee und Heerstraße ähnliche Projekte geprüft. Allerdings gilt Letztere wegen ihrer Breite als problematisch, weil den Eichhörnchen dort mehr als nur ein paar Meter zwischen den Baumkronen fehlen.

Am Eichhörnchenseil führt der zweite Ausflug unserer Radtourenserie vorbei. Sie erscheint am Dienstag im gedruckten Tagesspiegel. Den ersten Teil können Sie hier nachlesen.

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben