• Tödliche Fahrerflucht in Berlin-Reinickendorf: Polizei ermittelt auch den mutmaßlichen Fahrer des Lastwagens
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Tödliche Fahrerflucht in Berlin-Reinickendorf : Polizei ermittelt auch den mutmaßlichen Fahrer des Lastwagens

Nach dem tödlichen Unfall in Reinickendorf hat die Polizei das Unfallauto gefunden und auch den Fahrer ermittelt. Der Firmenwagen wurde beschlagnahmt und wird jetzt kriminaltechnisch untersucht. Am Freitagnachmittag war eine 22-Jährige angefahren und tödlich verletzt worden. Der Fahrer war geflüchtet.

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Ein Krankenwagen war vor Ort. (Symbolbild)
Ein Krankenwagen war vor Ort. (Symbolbild)Foto: dpa

Einen Tag nach dem schrecklichen Unfall in Reinickendorf hat die Polizei eine heiße Spur. Ein Zeuge meldete sich bei der Polizei und wies auf einen Lastwagen hin, auf den die Beschreibung passt. Dieser wies zudem Beschädigungen auf. Die Polizei beschlagnahmte das Fahrzeug einer Berliner Baustofffirma am späten Samstagabend, es wird jetzt kriminaltechnisch untersucht. Der verantwortliche Fahrer des Gespanns wurde ebenfalls ermittelt, teilte die Polizei am Montag mit. Möglicherweise habe er den Unfall nicht bemerkt, hieß es weiter. Die Auswertung der gesicherten Spuren und der Obduktionsergebnisse der Gerichtsmediziner dauern vermutlich noch mehrere Wochen an.

Der Unfall beendete das Leben einer 22-Jährigen von einem Augenblick zum nächsten. Ein Kind hat keine Mutter mehr. Die junge Frau wollte am Freitag um 15.10 Uhr die Ollenhauerstraße in Reinickendorf überqueren. Sie wurde von einem Lastwagen erfasst und überrollt. Der Lkw fuhr weiter, Richtung Kurt-Schumacher-Platz. Das Kind wartete an diesem Nachmittag in der Kita vergeblich auf die Mutter. Freunde entzündeten am Sonnabend Kerzen auf dem Mittelstreifen.

So gut wie keine Frage schien am Tag danach geklärt. Nicht einmal die, ob der Fahrer des Lasters überhaupt etwas von dem Unfall bemerkt hat. Theoretisch könnte die Frau durch den Fahrtwind zwischen Laster und Anhänger gerissen worden sein. Denn die Polizei sucht nach einem „Gespann“. Es gibt Hinweise von Autofahrern, wonach auf der hinteren orangefarbenen Ladeklappe die Aufschrift „Baustoffe“ zu lesen war. Dies teilte die Polizei am Sonnabend mit. Zeugen können sich unter Telefon 4664 181 800 melden. Auch nach der Sicherstellung des verdächtigen Fahrzeuges sucht die Polizei weiterhin dringend weitere Zeugen.

Die Sicht war offenbar nicht eingeschränkt

Zeugen berichteten, dass die Frau die Ollenhauerstraße in Höhe des Autohauses überqueren wollte, das zwischen Auguste-Viktoria-Allee und Kienhorststraße liegt. Die rechte Spur war durch einen in zweiter Reihe haltenden Autotransporter blockiert. Hinter diesem soll die Frau gestanden haben, ihr Blick auf sich nähernde Fahrzeuge war aber nicht eingeschränkt. Die Mittelinsel war nur eine Fahrbahnbreite entfernt. Auf dieser Fahrbahn kam der Lastwagen heran.

Kurz nach dem Unfall begann die Polizei mit einer akribischen Unfallaufnahme. Die Straße war dazu mehr als drei Stunden gesperrt. Eingesetzt wurde der neue 3-D-Laserscanner, der den Unfallort digital vermessen hat. Mit Leuchtfarbe markierten die Ermittler auf der Fahrbahn zahlreiche kleine Objekte, möglicherweise Glassplitter. Die Polizei bestätigte lediglich, dass „Beweismittel“ sichergestellt wurden. Um was es sich handelt, wollte sie nicht sagen. Das bedeutet, dass der Lastwagen vermutlich beschädigt wurde – also repariert werden muss.

Die Kleidung des Opfers wird untersucht

Die Leiche der Frau wurde am Freitag in die Gerichtsmedizin gebracht, die Kleidung wird von der Kriminaltechnik untersucht werden. Daran hoffen die Ermittler Hinweise zu finden, vor allem Lackteilchen. Selbst bei kleinsten Lack- oder Glassplittern lässt sich in der Regel ermitteln, von welchem Fahrzeug sie stammen. Das Bundeskriminalamt führt zum Beispiel eine Datenbank mit mehr als 25 000 Originallackproben von 23 europäischen und japanischen Autoherstellern. So kann im Labor schnell Marke, Modell, Farbe und Baujahr identifiziert werden. Mit diesen Angaben lassen sich beim Kraftfahrtbundesamt die Halter entsprechender Fahrzeuge ermitteln.

Nur bei einer ganz kleinen Zahl der jährlich knapp 30 000 Unfallfluchten ermittelt die Polizei derart intensiv, denn die große Mehrheit sind so genannte Parkplatzrempler mit leichtem Blechschaden. Im vergangenen Jahr wurden bei Unfällen mit Flucht 121 Menschen schwer verletzt, einer starb. In diesem Jahr ist die 22-Jährige bereits das dritte Opfer eines Unfallflüchtigen, insgesamt starben 47 Menschen im Verkehr, bereits zehn mehr als 2013.

Die anderen beiden Fälle wurden geklärt. Im März erfasste ein Mercedes-Fahrer in der Charlottenburger Kantstraße mit sehr hoher Geschwindigkeit einen Fußgänger. Dieser starb noch am Unfallort. Der Verursacher stellte sich wenige Stunden später der Polizei. Im August wurde nach zweimonatiger intensiver Fahndung ein Radfahrer ermittelt, der in Zehlendorf einen Rentner angefahren hatte, der gerade einen BVG-Bus verlassen hatte. Der 70-Jährige war gestürzt und gestorben. Die Polizei hatte nach dem Unfall die Videobilder der BVG veröffentlicht, auf denen der vorbeiradelnde junge Mann zu erkennen war.

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