Tötung von Elias und Mohamed : Ermittler sagen im Prozess gegen Silvio S. aus

Im Prozess in Potsdam ging es am Montag um die Frage, ob es weitere Opfer geben könnte. Auch wurde eine Vielzahl von Spuren präsentiert. Die Beweislast gegen den Angeklagten ist sehr groß.

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Beim Prozess werden immer mehr Details über das Martyrium der Jungen Mohamed und Elias offenbart.
Beim Prozess werden immer mehr Details über das Martyrium der Jungen Mohamed und Elias offenbart.Foto: dpa

Schuhe und Kleidungsstücke mit unbekannten DNA-Spuren oder ein Video mit einem Kind, das niemand kennt: Am Montag ging es im Prozess gegen den mutmaßlichen Kindermörder Silvio S. auch um die Frage, ob es neben dem vierjährigen Flüchtlingsjungen Mohamed und dem sechs Jahre alten Elias aus Potsdam noch weitere Opfer gibt – über die der 33-Jährige nur noch nicht geredet hat.

Ein Ermittler, der das Smartphone von S. ausgewertet hat, sagte aus. Darauf ließen sich Dateien rekonstruieren, gelöscht zu einem unbekannten Zeitpunkt. Gefunden hat der Ermittler ein Foto, das ein schlafendes unbekanntes Kindes zeigt, den Kopf vermutlich auf der Brust des Angeklagten abgelegt. Es könnte sich um ein weiteres junges Opfer handeln, machte der Polizist deutlich. Wann die Aufnahme entstand, ist offenbar unklar. Auch weitere, unverfänglichere Bilder unbekannter Kinder waren auf dem Handy.

Der Ermittler schilderte anhand von 360-Grad-Aufnahmen, wie Polizisten die Wohnung und den Dacia von S. vorfanden. Dabei wurde jede Einzelheit der Tatorte mittels eines Beamers als Großbild gezeigt, per Mausklick wurde Fundstück für Fundstück durchgegangen. So befand sich in dem Dacia auf der Rücksitzbank in einer weißen Tasche neben den Anziehsachen von Mohamed auch ein Kleidungsstück von einem bislang unbekannten Kind, so der Ermittler. Wie es dort hinkam, ist unbekannt. Denn S. hatte viel Kinderkleidung in seiner Wohnung, vermutlich auch von Flohmarkt-Besuchen, wie der Polizist sagte. Weiterhin in der Tasche: Fesselgeschirr, Schlafmittel, eine Flasche Chloroform. Selbst in einem von S. genutzten Hundeanhänger fand sich Kinderkleidung, so eine weitere Polizistin vor Gericht – und zudem ein Kinderstuhl.

„Sein Umfeld schien keinen Verdacht zu schöpfen“

Mehr als eine Stunde lang ging das Gericht die Aufnahmen durch – jedes einzelne Zimmer wurde gezeigt, die Fesselwerkzeuge und auch in der Wohnung liegende angebissene Brötchen. Mehrere Müllsäcke fanden die Ermittler, die für die Sicherung aller Spuren in der ansonsten kärglich eingerichteten Wohnung vier Tage benötigten. Auf einem Notizzettel fanden sich auch diverse Kindernamen, etwa Valentina, wie der Ermittler auf explizite Nachfrage der Nebenklagevertreter sagte. Auch hier sei unklar, warum diese Namen auf den Zettel geschrieben wurden. Im Schlafzimmer fand sich auch noch ein schwarzer Ledergürtel, mit DNA von S., aber auch von seinem Vater und einer unbekannten Person.

Der Angeklagte habe versucht, über das Jugend-Chatportal „Knuddels“ Kontakt zu Kindern aufzunehmen. Dort seien bekanntermaßen auch Pädophile unterwegs, hieß es vor Gericht. Allerdings seien die Gesprächsverläufe nur rudimentär geblieben, so der Ermittler.

Freunde und Familienmitglieder von S. stellten offenbar keine Fragen, wie der Ermittler sagte: „Sein Umfeld schien keinen Verdacht zu schöpfen.“ Die Handyauswertung werde demnach auch dafür verwendet, ein Bewegungsprofil zu erstellen – um mögliche andere Taten noch aufzuklären. So gebe es größere Lücken im SMS-Verkehr – also Zeiten, in denen S. nicht erreichbar war. Einmal etwa müsse er im vergangenen Jahr vermutlich in Polen gewesen sein, sagte der Polizist.

Auch zu den angeklagten Taten wurden neue Details bekannt: So verfolgte S. die Suche nach Elias und Mohamed im Internet, wie aus den Handy-Daten hervorgeht. Gezeigt wurden auch Videos vom Missbrauch von Mohamed kurz vor dessen gewaltsamen Tod. Der Laptop-Bildschirm mit den Aufnahmen war nur für die Anwälte und Richter der Strafkammer sichtbar. Die restlichen Zuschauer im Gericht hörten allerdings den Ton.

S. schien sich die Ohren zuzuhalten

Während dieser Sequenz schien sich S. zeitweise die Ohren zuzuhalten, sein Kopf war mit geschlossenen Augen auf die Tischplatte gerichtet. Später verschränkte er die Arme hinter seinem Kopf, wirkte zusammengesunken. Die an diesem Tag präsentierte Beweiskette ist erdrückend. Im Auto etwa fanden sich in der besagten weißen Tasche auch ein Mundknebel und ein weiteres Beweisstück mit DNA von Elias. In einem Müllsack befand sich ein Kabelbinder mit Spuren von Elias’ DNA – der nächste Hinweis.

An anderen Beweisstücken, die auf sexuellen Missbrauch hindeuten, befanden sich DNA-Spuren von Mohamed und S. Ebenso fanden die Ermittler leere Tetrapacks und Pfandflaschen, benutztes Geschirr, aber auch Latexmasken, weitere Kabelbinder, Kinderkleidung, Puppen, Prinzessinnenkleider, sogar eine schusssichere Weste und wiederum auf dem Dachboden einen Eimer mit Fäkalien. Die Ermittler fanden auch einen Bestellschein von 2013: Damals hatte sich Silvio S. Sexspielzeug bestellt.

Ebenso wurde die Kammer gezeigt, in der S. den Leichnam von Mohamed in einer gelben Plastikwanne verwahrte, bedeckt mit Katzenstreu.

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