Berlin : Tom, Egon und Dean

25.01.2003 00:00 UhrVon -

US-Schauspieler trifft SED-Boss, um über Kollegen zu reden

Es war ein sehr sachliches Gespräch zwischen USSchauspieler Tom Hanks und Egon Krenz, dem letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR. Am Donnerstag hatten sie sich um 13 Uhr im Restaurant Guy in Mitte getroffen, wo’s dann Seeteufel auf Balsamicolinsen gab. Anlass der Zusammenkunft mit Krenz, der als Freigänger die Zelle in Plötzensee ab und zu verlassen darf, war Hanks’ neuestes Projekt: die Verfilmung des Lebens von Dean Reed. Der US-Sänger und Schauspieler war in den 60ern als Friedensaktivist und Sozialist bekannt geworden und 1972 in die DDR umgesiedelt. Dort starb er 1986 unter mysteriösen Umständen.

Hanks habe sich Notizen gemacht, sagen Beobachter.

Um drei verabschiedeten sich die Herren dann samt Dolmetscherin. Mehr über die Hintergründe des Gesprächs weiß Norbert Diener. Der 47-Jährige ist Initiator des Dean-Reed-Archivs Berlin.

Herr Diener, warum hat Tom Hanks sich wohl mit Egon Krenz getroffen? Waren der und Dean Reed denn so gute Freunde?

Nein, gar nicht. Die beiden haben sich in der DDR nur zu offiziellen Anlässen gesehen. Aber natürlich wird das Politbüro viel über Reed diskutiert haben. Er war ja eine politische Vorzeigefigur, weil er die amerikanische Regierung oft kritisierte. Anscheinend hatte Hanks sich von Egon Krenz interessante Einblicke versprochen. Vielleicht hat aber auch die Witwe abgelehnt, mit ihm zu sprechen. Reeds Tod ist zu oft ausgeschlachtet worden.

Nun ist Reed, der freiwillig in einem autoritären Regime lebte, nicht unbedingt politisch korrekt. Warum will sich Hanks da heranwagen?

Es muss sehr vorsichtig mit der Wahrheit umgegangen werden. Reed war kein linientreuer SED-Anhänger. Er war ein idealistischer Einzelkämpfer für die Freiheit, und ja, auch für den Sozialismus. Aber er selbst hat auch einmal gesagt, dass er nur in der DDR gelandet ist, weil er dort seine Frau kennen gelernt hat. Und dann haben die Leute ihn so geliebt, dass er begann, sich heimisch zu fühlen.

Wäre ein Dean-Reed-Film also spannend?

Der Stoff ist ja nicht alltäglich. Ein Schnulzensänger, der die Welt bereist und sich in Klassenkämpfe einmischt… In Chile, in Nicaragua, in Palästina. Und dann sein Tod. Reed ist im Zeuthener See ertrunken. Manche sagen, die Stasi hätte damit zu tun gehabt. Andere, dass es Selbstmord war. Aber da hatte er gerade Pläne gemacht, einen neuen Film zu drehen. Er hatte keine Gewichte an den Gliedern, keinen Alkohol im Blut. Rätselhaft. Die Wahrheit wird auch Herr Hanks nicht herausfinden.

Das Gespräch führte Christine-Felice Röhrs

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